Gasturbinen 01.08.2015, 11:18 Uhr

Siemens eröffnet Brenner-Testzentrum

Mit dem Clean Energy Center in Ludwigsfelde will Siemens seine Wettbewerbsfähigkeit in der Gasturbinenentwicklung stärken. An mehreren Testständen sollen künftig Prototypen von neuen Verbrennungssystemen, einer Schlüsselkomponente der Gasturbine, auf Herz und Nieren geprüft werden. Siemens macht sich damit unabhängig von externen Prüfeinrichtungen.

Im neuen ‧Testzentrum für Gasturbinen-Brenner in ‧Ludwigsfelde bei Berlin untersucht Siemens künftig Verbrennungs‧vorgänge in ‧Gasturbinen. Ziel ist es, die ‧Effizienz der Gasturbinen weiter zu erhöhen und ihre Flexibilität im Hinblick auf unterschiedliche flüssige und ‧gasförmige Brennstoffe zu optimieren.
Bild: Siemens

Im neuen ‧Testzentrum für Gasturbinen-Brenner in ‧Ludwigsfelde bei Berlin untersucht Siemens künftig Verbrennungs‧vorgänge in ‧Gasturbinen. Ziel ist es, die ‧Effizienz der Gasturbinen weiter zu erhöhen und ihre Flexibilität im Hinblick auf unterschiedliche flüssige und ‧gasförmige Brennstoffe zu optimieren. Bild: Siemens

Der Wettbewerb im umkämpften Markt für Gasturbinen und GuD-Kraftwerke wird immer härter. Zwar ist die Technologie komplex, dennoch versuchen insbesondere asiatische Hersteller eigene Kapazitäten aufzubauen, die zunächst auf die großen Heimmärkte abzielen, auf lange Sicht aber auch in Konkurrenz zu den etablierten Herstellern wie Siemens treten werden. Vor diesem Hintergrund intensiviert der deutsche Elektrokonzern seine Forschungsanstrengungen, um künftige Gasturbinengenerationen noch schneller zu entwickeln und sich damit eine bessere Position im weltweiten Kampf um die Lösungen der Zukunft zu verschaffen. „Der Weltmarkt für Kraftwerkstechnik befindet sich in einem bisher nicht dagewesenen Umbruch. Zum einen wird das Feld der Technologien breiter. Das Stichwort hierbei lautet: dezentrale Energiesysteme mit Wind- und Solarkraftwerken, kombiniert mit kleinen Gaskraftwerken. Zum anderen steigt die Zahl der Wettbewerber auf den etablierten Märkten – etwa dem Gasturbinenmarkt“, erklärt Rudolf Martin Siegers, CEO Siemens Deutschland.

Das neue Testzentrum zur Untersuchung der Verbrennungsprozesse in Gasturbinen wurde in Ludwigsfelde errichtet. In den Forschungs- und Entwicklungsstandort in der Nähe von Berlin hat das Unternehmen rund 100 Mio. € investiert. Zudem wird die Entwicklung von Verbrennungstechnologien für eine klimaschonende Energieerzeugung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen eines Verbundprojektes mit rund 6,1 Mio. € gefördert. Ziel der Einrichtung ist es, die Effizienz der Siemens-Gasturbinen weiter zu erhöhen und ihre Flexibilität im Hinblick auf unterschiedliche flüssige und gasförmige Brennstoffe zu optimieren. Der Verbrennungsprozess ist eine Schlüsseltechnologie für Gasturbinen, weil er ganz wesentlich über Effizienz, Leistung und Schadstoffausstoß entscheidet. „Diese drei Faktoren machen in den Augen der Kunden den entscheidenden Unterschied aus“, so Siegers. Das Zentrum trägt den Namen „Clean Energy Center“ und soll langfristig bis zu 25 hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen.

Brenner einer SGT5-4000F-Gasturbine von Siemens. Bild: Siemens

Brenner einer SGT5-4000F-Gasturbine von Siemens. Bild: Siemens

In Ludwigsfelde werden künftig alle Prototypen von neuen Brennern unter idealen Bedingungen getestet – sowohl für die großen Gasturbinen, wie sie unter anderem in Berlin gebaut werden, aber auch für die kleineren Modelle, deren Produktion im schwedischen Finspang und im britischen Lincoln angesiedelt ist. Die Teststände ermöglichen das Prüfen sowohl einzelner Komponenten als auch kompletter Verbrennungssysteme – jeweils für kleinere Gasturbinen und für die größeren Aggregate. „Bisher konnten wir derartige Versuche mit neuen Brennern nur bei externen Einrichtungen wie dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder der italienischen Enel oder dem National Reseach Center in Kanada durchführen. Künftig haben wir alle Testabläufe in eigener Hand“, betont Herbert Klausner, Werksleiter Gasturbinenwerk Berlin der Power and Gas Division von Siemens.

Das eigene Testcenter schützt Innovationen und Know-how

Die Eigenständigkeit bringt viele Vorteile: Die Entwicklungsteams der großen und kleinen Gasturbinen werden zusammengeführt, die Arbeiten können deutlich besser geplant und ohne Verzögerung umgesetzt werden. „Wenn wir etwas Neues entwickeln, können wir wesentlich flexibler, schneller und auch ohne jegliche Berührungspunkte mit anderen Unternehmen testen und Funktionen bestätigen“, argumentiert Christopher Steinwachs, Leiter des Business Segments Large Gas Turbines bei Siemens. „Die Verfügbarkeit für Testanlagen, die uns externe Partner bieten, reicht nicht aus. Wir benötigen mehr und flexiblere Testkapazitäten – genau das sichert uns nun unser eigenes Clean Energy Center“, ergänzt Siegers. Der Schutz von Innovationen und Know-how ist angesichts des aggressiven, globalen Wettbewerbs zudem ein wichtiger Faktor. Das Test-Center wird hierbei zu einem wesentlichen Bestandteil in der Entwicklungskette neuer, innovativer Produkte. So setzt Siemens zum Beispiel immer mehr das landläufig als „3D-Drucken“ bekannt gewordene Selective Laser Melting (SLM) ein, um wesentlich schneller Prototypen fertigen zu können. SLM ermöglicht zudem die Verwirklichung bislang über konventionelle Fertigungsmethoden nicht herstellbarer Designs. Das Clean Energy Center wird eng mit dem Gasturbinenwerk Berlin zusammenarbeiten. Das Werk im Berliner Stadtteil Moabit hat bislang über 950 Gasturbinen in über 60 Länder weltweit ausgeliefert. Unter anderem wird hier mit der SGT5-8000H die weltweit leistungsstärkste und größte Gasturbine weltweit gefertigt.

Für die Politik ist das neue Testzentrum eine strukturbestimmende Investition für die deutsche Wirtschaft. „Diese Top-Ansiedlung steigert unsere Reputation als High-Tech-Standort und zeigt, wie attraktiv die Hauptstadtregion für Industrieunternehmen ist. Berlin-Brandenburg ist heute eine eng vernetzte Wirtschaftsregion mit einer exzellenten Forschungslandschaft, mit gut ausgebildeten Fachkräften und einer modernen Infrastruktur“, sagt Dr. Dietmar Woidke, Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Auch Siemens will von der Zusammenarbeit mit Politik und Wissenschaft profitieren: „Wir hoffen darauf, dass uns die Stadt und das Land auch künftig darin unterstützen, die Verfügbarkeit von hoch qualifizierten Fachkräften hier vor Ort zu gewährleisten“, sagt Siegers. Gerade in einem hochinnovativen Umfeld wie der Gasturbinentechnologie sind Mitarbeiterqualifikation und Ingenieurskunst wichtige Erfolgsfaktoren.

Von Klaus Jopp

Klaus Jopp, Wiwitech, Hamburg.

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