Zum E-Paper
Beste Gebäudebegrünungen 08.07.2026, 14:00 Uhr

Diese Begrünungsprojekte zeigen, wie die Zukunft des Bauens aussieht

Die Gewinner des Wettbewerbs „Gebäudegrün des Jahres 2026“ zeigen, wie innovative Begrünungskonzepte nachhaltiges Bauen voranbringen.

Garden-Tower in Wabern

Platz 1 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres 2026“: Garden-Tower in Wabern, Schweiz.

Foto: Bundesverband GebäudeGrün e.V.

Gebäudebegrünungen entwickeln sich zunehmend von gestalterischen Elementen zu integralen Bestandteilen nachhaltiger Baukonzepte. Das zeigt der Wettbewerb „Gebäudegrün des Jahres 2026“ des Bundesverbands GebäudeGrün e. V. (BuGG). Aus insgesamt 50 eingereichten Projekten wurden beim Weltkongress Gebäudegrün in Berlin vier Sieger in den Kategorien Gründach, Fassaden-, Innenraum- und Sonderbegrünung ausgezeichnet. Erstmals entschied nach einer öffentlichen Online-Abstimmung ein Live-Voting der mehr als 700 Kongressteilnehmenden aus 32 Ländern über die Gewinner.

„Wir freuen uns sehr, dass die Wahl der Gewinner beim Weltkongress Gebäudegrün stattfand. Die vielen großartigen Begrünungsobjekte hatten dadurch eine große Präsenz – vor allem im internationalen Raum“, erklärte BuGG-Präsident Dr. Gunter Mann. „Beim Kongress zählten wir über 700 Teilnehmende aus 32 Ländern. Die Aufmerksamkeit für unsere Mitglieder war enorm!“

16 Stockwerke mit 100 Pflanztrögen

In der Kategorie Fassadenbegrünung überzeugte der Garden-Tower im schweizerischen Wabern. Das 53 Meter hohe Wohngebäude gilt als erstes Hochhaus der Schweiz mit vollständig begrünter Fassade. Auf 16 Stockwerken wachsen Kletterpflanzen aus insgesamt 100 Pflanztrögen entlang eines Edelstahlseilnetzes bis in die obersten Etagen.

Aus ingenieurtechnischer Sicht steht dabei weniger die Begrünung selbst als ihre konstruktive Integration im Fokus. Das eingesetzte Edelstahlseilnetz übernimmt gleichzeitig die Funktion einer Rankhilfe und einer Absturzsicherung. Die langlebige Konstruktion ermöglicht den Pflanzen eine kontrollierte Entwicklung, ohne die Gebäudestruktur zu beeinträchtigen.

Lesen Sie auch: Wie sich Moos als Baustoff nutzen lässt

Neben der gestalterischen Wirkung verbessert die Fassadenbegrünung das Mikroklima, spendet Verschattung und trägt zur Luftreinigung bei. „Der Garden-Tower ist ein Beispiel moderner Architektur, das Urbanität und Natur auf harmonische Weise verbindet. Das Wohngebäude ist sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional und zukunftsorientiert“, sagt Barbara König von Carl Stahl ARC. Das Unternehmen hat die Fassadenbegrünung geplant und ausgeführt.

  • Objekt: Garden-Tower, Wohnhaus mit 45 Dreieinhalb- und Viereinhalbzimmerwohnungen
  • Baujahr: 2015
  • Ort: Bächtelenpark in Wabern, Schweiz
  • Art der Begrünung: geschossgebunden
  • Größe: 600 m²
  • X-TEND® Edelstahl-Seilnetz, ca. 3.600 m², Maschenweite: 80 mm, Seildurchmesser: 2,0 mm: Rankhilfe und Absturzsicherung als kombinierte Anwendung.
  • 100 Pflanztröge aus Ortbeton auf den Geschossbalkonen

Modernes Gründach auf einer Kita

Den Titel „BuGG-Gründach des Jahres 2026“ erhielt die Kita Chladeniusstraße im sächsischen Großenhain. Das rund 600 m² große Biodiversitätsgründach zeigt beispielhaft, wie sich ökologische und technische Anforderungen miteinander verbinden lassen. Statt einer klassischen extensiven Dachbegrünung setzt das Konzept auf eine artenreiche Vegetation mit rund 5.000 Stauden, Gräsern, Sedum-, Wild- und Kulturkräutern sowie ergänzenden Strukturelementen wie Totholzstapeln und Sandlinsen als Lebensräume für Insekten.

Kita Chladeniusstraße in Großenhain
Gewinner in der Kategorie „BuGG-Gründach des Jahres 2026“ ist die Kita Chladeniusstraße in Großenhain.

Foto: HEIDEL Dachbegrünung GmbH

Technisch basiert das Dach auf einem bewässerten Extensivbegrünungssystem mit Speicherschutzmatte, Wasserspeicherelementen, diffusionsoffenem Aquafleece sowie einer Unterflurbewässerung. Dadurch sollen auch in Trockenperioden stabile Vegetationsbestände gewährleistet werden. Die Begrünung wurde von Blaurock Landschaftsarchitektur geplant und von der HEIDEL Dachbegrünung GmbH umgesetzt, die auch die langfristige Pflege übernimmt.

Lesen Sie auch: Mehr Natur in der Stadt

„Das Projekt zeigt, dass nachhaltige und artenreiche Dachbegrünungen nur durch die enge Zusammenarbeit von Planung, Ausführung und Pflege erfolgreich sein können“, betont HEIDEL-Geschäftsführerin Nadine Friedel. Auch das Außengelände der Kita folgt diesem Ansatz: Versiegelte Flächen wurden reduziert, Niederschlagswasser wird gezielt in Pflanzflächen versickert und unterstützt so sowohl das Mikroklima als auch die ökologische Funktion des Standorts.

  • Objekt: Kita Chladeniusstraße in Großenhain
  • Baujahr: Juni-Juli 2022 (Ausführung der Dachbegrünung)
  • Größe: 600 m²
  • Größe der Dachfläche: 900 m²
  • Art der Begrünung: einfach intensiv
  • rund 5.000 Stauden und Gräser (18 Arten)
  • zusätzlich wurden 7 kg Samenmischung „Bienenweide“ ausgesät und mit 12 kg Sedumsprossen ergänzt

Atrien mit mehr als 2.000 Pflanzen

Dass Gebäudebegrünung längst nicht mehr an der Gebäudehülle endet, zeigt der x-tention Campus im österreichischen Wels. Das Siegerprojekt der Kategorie Innenraumbegrünung integriert zwei mehrgeschossige, jeweils rund 48 m² große Atrien als begrünte Waldlandschaften in das Gebäude. Mehr als 2.000 Pflanzen aus rund 50 Arten bilden gemeinsam mit bis zu acht Meter hohen Gehölzen ein zusammenhängendes Ökosystem.

Das Begrünungskonzept von Weitmann Raumbegrünung orientiert sich an den natürlichen Landschaften Oberösterreichs und kombiniert unterschiedliche Vegetationsräume mit Aufenthalts- und Kommunikationsbereichen. Die Pflanzen verbessern Luftqualität und Luftfeuchtigkeit, reduzieren Geräusche und prägen die räumliche Atmosphäre des Gebäudes.

Hier wird Ihnen ein externer Inhalt von youtube.com angezeigt.
Mit der Nutzung des Inhalts stimmen Sie der Datenschutzerklärung von youtube.com zu.

Gleichzeitig ist die Begrünung Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts. Der Campus setzt unter anderem auf Photovoltaik, Geothermie, Regenwassernutzung sowie eine energieeffiziente Gebäudehülle und soll über das Jahr hinweg eine ausgeglichene Energiebilanz erreichen.

  • Objekt: x-tention Campus
  • Baujahr: 2025
  • Ort: Wels, Österreich
  • Begrünungsarten: Pflanzbeete, Pflanzgefäße
  • Flächengröße: 2 Begrünungen mit je 48 m², 2 x 3 Geschosse mit Pflanzflächen von 24 lfm.
  • naturnahe Innenraumbegrünung, Kombination aus Baumgruppen, Großsträuchern, Unterpflanzungen und Hängepflanzen

Automatisiertes Bewässerungssystem für begrünten Innenhof

Die Auszeichnung in der Kategorie Sonderbegrünung ging an das Projekt „mitteNgrün“ in Hannover. Der begrünte Innenhof verbindet Aufenthaltsqualität mit ökologischen Funktionen und zeigt, wie auch stark verdichtete urbane Räume klimatisch aufgewertet werden können.

Begrünung Nikolaistrasse, Hannover – Foto: Robert Brandt

Charakteristisch sind mehrere vertikale Ranktürme, die durch ein Edelstahl-Seiltragwerk stabilisiert werden. Die Konstruktion, die von der Carl Stahl ARC GmbH umgesetzt wurde, gewährleistet die Standsicherheit auch bei hohen Windlasten und dient gleichzeitig als Rankhilfe für Kletterpflanzen. Ergänzt wird das Konzept durch Gräser, Farne, Hortensien und Frühblüher sowie ein Insektenhotel zur Förderung der Biodiversität.

Lesen Sie auch: Smart Farming: So funktioniert digitale Landwirtschaft

Ein automatisiertes Bewässerungssystem sichert die dauerhafte Entwicklung der Vegetation und reduziert gleichzeitig den Pflegeaufwand. Darüber hinaus unterstützt die Begrünung die Anpassung an den Klimawandel, indem sie Hitzeeffekte im Innenhof mindert und den natürlichen Wasserhaushalt verbessert.

  • Objekt: Projekt „mitteNgrün“
  • Baujahr: 2023
  • Ort: Nikolaistraße, Hannover
  • Begrünungsart: Traversen und Seiltragwerk
  • Flächengröße: 250 m²
  • Edelstahl-Seiltragwerk zur Stabilisierung der Traversen: 103 GREENCABLE® Seilkonfektionen Ø10 mm mit Gabelterminals und Seilspannern

Gebäudebegrünung wird zum festen Bestandteil nachhaltiger Planung

Die vier ausgezeichneten Projekte verdeutlichen, dass Gebäudebegrünung heute weit über gestalterische Aspekte hinausgeht. Ob Biodiversitätsdach, vollständig begrünte Hochhausfassade, Waldlandschaft im Bürogebäude oder multifunktionaler Innenhof – die prämierten Konzepte verbinden ökologische Wirkung mit konstruktiven und gebäudetechnischen Lösungen. Damit liefern sie Beispiele dafür, wie Begrünung zunehmend als fester Bestandteil nachhaltiger Planung und moderner Ingenieur- und Architekturleistungen verstanden wird.

Von mheeg@vdi-fachmedien.de