Bernabéu-Stadion: Wie Real Madrid während des Umbaus weiterspielen konnte
Ein Stadionumbau ohne Spielpause erfordert präzise Technik. Kalottenlager zeigen, wie adaptive Lagerlösungen extreme Lasten und wechselnde Bauzustände meistern.
Ein Blick auf das Bernabéu-Stadion in Madrid mit seiner modernen, ein- und ausfahrbaren Dachkonstruktion.
Foto: pexels/Caio Cezar
Der Umbau des traditionsreichen Fußballstadions in Madrid zählt zu den komplexesten Bauvorhaben Europas. Kalottenlager spielten dabei eine zentrale Rolle, denn sie ermöglichten umfangreiche bauliche Eingriffe, während der Spiel- und Veranstaltungsbetrieb weiterlief.
Parallel zur Nutzung entstand eine neue Außenhülle mit einziehbarem Dach, erweiterten Tribünen sowie zusätzlichen Funktions- und Aufenthaltsflächen. Diese Kombination stellte besonders hohe Anforderungen an Tragwerks- und Lagertechnik.
Inhaltsverzeichnis
- Kalottenlager für komplexe Bauzustände
- Präzision für das neue Stadiondach
- Kalottenlager unter extremen Lasten
- Kalottenlager mit hoher Rotationsfähigkeit
- Umrüstung nach Abschluss der Montage
- Kalottenlager mit zusätzlicher Gleitplatte
- Technik für einen langfristigen Stadionbetrieb
- Empfehlungen der Redaktion
Kalottenlager für komplexe Bauzustände
Ein entscheidender Erfolgsfaktor lag in der Fähigkeit der Lager: Sie passten sich an unterschiedliche Bauphasen an. Während der Montage wechselten Lastsituationen, Setzungen und Toleranzen mehrfach.
Die eingesetzten Kalottenlager mussten diese Veränderungen aufnehmen und gleichzeitig Zwängungen vermeiden. Zudem war eine präzise Positionierung der Dachkonstruktion erforderlich, um spätere Korrekturen auszuschließen.
Präzision für das neue Stadiondach
Das vollständig einziehbare Dach vergrößerte die Stadionstruktur erheblich und erhöhte die technischen Anforderungen. Eigengewicht, Windbeanspruchungen und temperaturbedingte Längenänderungen wirken dauerhaft auf das Tragwerk.
Deshalb kam es auf exakt abgestimmte Stütz- und Lagerpunkte an, die Bewegungen gezielt zulassen und Kräfte sicher weiterleiten. Nur so ließ sich die Funktion des Daches langfristig gewährleisten.

Kalottenlager unter extremen Lasten
Jedes der eingesetzten Lager ist für eine Vertikallast von 66 900 kN ausgelegt. Insgesamt wirken damit rund 268 MN auf die vier Hauptauflager des Daches (4 x 66,9).
Während der Bauphase erlaubten die Kalottenlager horizontale Bewegungen von ±55 mm in X-Richtung und ±100 mm in Y-Richtung. Dadurch blieb die Dachkonstruktion auch bei komplexen Montageabläufen spannungsarm und kontrollierbar.
Kalottenlager mit hoher Rotationsfähigkeit
Neben den Verschiebungen spielte die Rotationsfähigkeit eine entscheidende Rolle. Mit einer möglichen Rotation von ±30 mrad konnten die Lager Verformungen sicher aufnehmen, die während der Montage und bei Lastumlagerungen entstanden.
Die innere Kalotte wirkt dabei als gelenkiges Element und sorgt für eine gleichmäßige Kraftverteilung. Diese Eigenschaft erhöhte die strukturelle Sicherheit deutlich.
Umrüstung nach Abschluss der Montage
Nach Abschluss der Bauarbeiten änderte sich die Funktion der Lager gezielt. In einer Richtung wurden sie fixiert und arbeiteten fortan als geführte Systeme. Quer dazu bleibt eine Beweglichkeit von ±100 mm erhalten, um Temperaturdehnungen, Windlasten und dynamische Einwirkungen auszugleichen. Windkräfte von bis zu 3 750 kN werden nun kontrolliert über die fixierte Richtung in das Tragwerk eingeleitet.

Kalottenlager mit zusätzlicher Gleitplatte
Um beide Funktionsphasen mit einem einzigen Lagersystem abzudecken, kam unterhalb der Lager eine zusätzliche Gleitplatte zum Einsatz. Während der Montage ermöglichte sie eine nahezu widerstandsfreie horizontale Bewegung mit sehr geringer Reibung.
Nach Abschluss der Arbeiten fixierten Futterbleche die Bewegung in X-Richtung dauerhaft. Dadurch ließ sich das Lager ohne Austausch in den finalen Betriebszustand überführen.
Technik für einen langfristigen Stadionbetrieb
Diese adaptive Lösung verbindet temporäre Bauanforderungen mit einem dauerhaft sicheren Betrieb. Die Lager wurden ab 2021 montiert, während die äußeren Baumaßnahmen 2025 abgeschlossen wurden. Bis Ende 2026 folgen noch Arbeiten im Innenbereich.
Bauherr ist Real Madrid CF, ausführendes Bauunternehmen FCC Construcción. Das Santiago-Bernabéu-Stadion gilt damit als Beispiel für moderne Ingenieurlösungen im Stadionbau. Die eingesetzte Lagertechnik stammt von Maurer und nutzt den Gleitwerkstoff MSM.
(Maurer / Heike van Ooyen)
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