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Naturgefahren verstehen und Risiken reduzieren 06.03.2026, 11:30 Uhr

Forschung und Praxis im Dialog in Weimar

Wie lassen sich Schäden durch Erdbeben und andere extreme Naturgefahren besser analysieren und zukünftige Risiken reduzieren? Ein interdisziplinärer Workshop an der Bauhaus-Universität Weimar bringt internationale Expertinnen und Experten aus Forschung, Lehre und Praxis zusammen, um neue Ansätze der Risiko- und Schadensanalyse zu diskutieren.

Expertinnen und Experten diskutieren Risiken extremer Naturgefahren in Weimar.

Expertinnen und Experten diskutieren Risiken extremer Naturgefahren in Weimar.

Foto: Smarterpix/kasto

Extreme Naturereignisse wie Erdbeben, Überschwemmungen oder Stürme sind Teil natürlicher Prozesse der Erde. Doch sobald ihre Intensität kritische Schwellen überschreitet und Schäden an Infrastruktur und Gebäuden verursacht, werden Naturgefahren zu Naturkatastrophen. Eine fundierte Analyse von Schäden, Risiken und Verwundbarkeiten ist daher entscheidend, um zukünftige Katastrophenfolgen zu reduzieren.

Genau hier setzt die langjährige Zusammenarbeit zwischen der Bauhaus-Universität Weimar und dem GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) an. Seit mehr als vier Jahrzehnten verbindet beide Einrichtungen – einschließlich ihrer Vorgängerinstitutionen – eine enge wissenschaftliche Partnerschaft. Zahlreiche gemeinsame Projekte haben national und international wichtige Beiträge zur Schadensanalyse von Naturgefahren, zur Risikobewertung und zur Entwicklung von Bauvorschriften geleistet.

Workshop zu Naturgefahren und Schadensanalyse

Am 26. März 2026 findet an der Bauhaus-Universität Weimar ein internationaler Workshop statt, der diese Zusammenarbeit weiter vertieft. In Fachvorträgen und Diskussionsrunden werden aktuelle Herausforderungen in der Naturgefahrenforschung, der Ingenieurpraxis und der akademischen Ausbildung behandelt.

Der Workshop ist in drei thematische Sessions gegliedert:

Session 1 – Natural Hazards: Needs and Benefits of Cooperation

Hier stehen Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen und Praxispartnern im Fokus. Diskutiert wird, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Verbesserung der Gefährdungs- und Risikoanalysen beitragen kann.

Session 2 – Natural Hazards and Code Development

Diese Session widmet sich der Frage, wie neue wissenschaftliche Erkenntnisse in Normen, Bauvorschriften und Planungsprozesse integriert werden können.

Session 3 – Round Table: Challenges and Requirements in Research and Education

In einer Round-Table-Diskussion beleuchten renommierte Fachleute – darunter Ch. Adam, F. Cotton, G. Morgenthal, L. Moschen, H. Sadegh-Azar und Th. Wenk – aktuelle Herausforderungen in Forschung, Lehre und Ingenieurpraxis.

Dabei stehen insbesondere drei zentrale Fragestellungen im Mittelpunkt:

  • Welche aktuellen Fortschritte gibt es bei Gefährdungs-, Vulnerabilitäts- und Risikoanalysen – und welche Aufgaben stehen noch bevor?
  • Wie sollten bestehende und beschädigte Gebäude in der Lehre und in Bauvorschriften berücksichtigt werden?
  • Welche Werkzeuge und Methoden eignen sich für eine moderne Schadensanalyse?

30 Jahre Zentrum für Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden

Der Workshop würdigt zugleich das 30-jährige Bestehen des Zentrums für Ingenieuranalyse von Erdbebenschäden an der Bauhaus-Universität Weimar. Ziel der Veranstaltung ist es, die Erfahrungen aus nationalen und internationalen Projekten zu reflektieren und neue Forschungsfelder sowie Kooperationen zu erschließen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Zukunft von Forschung und Lehre im Bereich Naturgefahren. Digitale Technologien, Datenanalyse und neue Simulationsmethoden verändern die wissenschaftliche Arbeit ebenso wie die Ausbildung zukünftiger Ingenieurinnen und Ingenieure.

In diesem Zusammenhang spielt auch der internationale Masterstudiengang Natural Hazard and Risks in Structural Engineering (NHRE) eine wichtige Rolle. Der Workshop soll Impulse für dessen Weiterentwicklung geben und die Einrichtung eines Advisory Boards unterstützen.

Wissenschaft und Öffentlichkeit verbinden

Neben dem fachlichen Austausch bietet die Veranstaltung auch Raum für Begegnungen und Networking. Ein besonderer Programmpunkt ist die Einweihung eines neuen interaktiven Erdbeben-Infoterminals, das der Öffentlichkeit künftig Zugang zu Messdaten der seismischen Station in der Weimarer Parkhöhle ermöglicht. So wird die weltweite Erdbebenaktivität anschaulich und verständlich vermittelt.

Weitere Informationen zum Programm und zur Organisation sind online verfügbar:

https://edac.biz/aktuelles/letzte-meldungen

Für die Abendveranstaltung wird um Anmeldung bis zum 8. März 2026 gebeten.

Kontakt:

abrahamczyk@uni-weimar.de , silke.beinersdorf@uni-weimar.de

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Von Heike van Ooyen