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Alzheimer-Bekämpfung per App und Bluttest

09. Mai 2019

Zwei Männer schauen sich an, der ältere hält ein Tablet
In Erinnerungen schwelgen und dabei was für das Gedächtnis tun – das ist der Ansatz der „My House of Memories“-App. Foto: panthermedia.net / SimpleFoto
1,5 Millionen Deutsche sind an Demenz erkrankt. Für den kontinuierlichen Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit haben Mediziner noch keine Heilmethode entdeckt. Das Nationalmuseum in Liverpool (England) versucht aber nun mit Hilfe einer App Betroffene bei alltäglichen Aufgaben zu unterstützen.
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Das Nationalmuseum in Liverpool hat in Kooperation mit amerikanischen Museen eine App entwickelt, die Pflegepersonal und Ergotherapeuten dabei unterstützen soll, dem Demenz-erkrankten Patienten zu helfen. Mit einer Sammlung an Bildern aus Alltag und Zeitgeschichte soll die App Brücken zu verborgenen Erinnerungen bilden. Das Ziel ist, möglichst verschiedenartige Gedankenbruchstücke wiederherzustellen, um die Gedächtnisleistung zu trainieren und den Abbauprozess zu verlangsamen.

Demenz bleibt oft lange unentdeckt

Ältere Personen vergessen schon mal das ein oder andere, was absolut normal ist. Der Vergessliche selbst realisiert dabei nicht, etwas vergessen zu haben – und falls doch, wird es vom Umfeld mit Verständnis aufgenommen. Das ist einer der Gründe, weshalb Demenzerkrankungen in vielen Fällen jahrelang unentdeckt bleiben.

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Um 1900 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei etwa 50 Jahren, heute liegt sie bei fast 80 Jahren. Den natürlichen Alterungsprozess zu verlangsamen, ist aber nur eine Seite der Medaille. Mit der höheren Lebenserwartung steigt auch die Rate an altersdementen Personen exponentiell. Für diese Erkrankungen hat die Medizin noch keinen erfolgversprechenden Lösungsansatz gefunden. Der Fokus bei der Behandlung liegt derzeit auf der Verlangsamung des Fortschreitens der Krankheit. Das Training der Bereiche, die für das Gedächtnis verantwortlich sind, ist dabei essentiell.

Bluttest zeigt Alzheimer-Risiko an

Die Ruhr-Universität Bochum stellte bereits im April 2018 eine Methode zur Früherkennung von Alzheimer-Symptomen im EMBO Molecular Medicine vor. Der Bluttest soll die Erkrankung bereits vor den ersten Symptomen aufspüren, indem fehlgefaltete Amyloid-Beta-Proteine im Gehirn nachgewiesen werden. Diese lagern sich als Verklumpungen ab und können zu einer Alzheimer-Erkrankung führen. Die Funktionsweise dieses Bluttests beruht auf einer als Immuno-Infrarot-Sensor bezeichneten Technologie. Ein Infrarotsensor misst das Proteinverhältnis zwischen pathologischem und gesundem Amyloid-Beta. Da beide Strukturen Infrarotlicht in verschiedener Frequenz absorbieren, ist dadurch eine Bestimmung der Probe möglich.

Die Sensorik unterliegt aktuell noch intensiver Überarbeitung in Form von technischen Verbesserungen sowie einer Standardisierung, um die falsch positiven Testergebnisse zu reduzieren. Zukünftig soll ein Quantenkaskadenlaser das Analysegerät soweit verkleinern, dass es sich für den Routineeinsatz eignet.

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Der tückische Verlauf von Demenz

Die Früherkennung ist deshalb so wichtig, weil der Mensch Demenz im Anfangsstadium kaum erkennt. Mit der Degeneration der Gehirnzellen führt Demenz zuerst zu einem verminderten Kurzzeitgedächtnis. Diese Störung beeinträchtigt Patienten noch nicht in ihrer Lebensqualität. Beim Fortschreiten der Erkrankung wird allerdings auch das Langzeitgedächtnis immer weiter abgebaut. Dabei gilt es, möglichst früh einzuschreiten, bevor der Patient bereits fortgeschritten abwesend ist. Die Erhaltung der Nervenzellen gelingt nur durch ein umfassendes Programm aus Bewegungs-, Ergo-, Logo- und sozialer Beschäftigungstherapie. Nervenzellen, die alltäglich genutzt werden, sind besser geschützt als ungenutzte Nervenbahnen. Die „My House of Memories“-App vereint dabei sowohl Ergo-, Sozial- und Logopädische Ansätze sowie Gedächtnistraining.

Per App gegen Demenz

Beim ersten Öffnen der App startet ein Einleitungsvideo. Danach können Patienten wählen, aus welcher Region sie stammen. Die Bildergalerien zeigen dann landestypische Motive. Zurzeit stehen nur England und die USA zur Auswahl. 2020 soll die App auch in Singapur eingeführt werden. Ein deutscher Starttermin steht noch nicht fest.

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Auf dem Startbildschirm befinden sich zwei Bilderbereiche: die Museumsgegenstände und die eigenen Erinnerungsfotos. Daneben können Patienten auch allgemeine Informationen zu ihrer Erkrankung finden. Die herunterladbaren Bildergalerien verschiedener Alltags- und Museumsgegenstände sind in Gruppen unterteilt. Hier laden großzügige Bildersammlungen, typische Geräusche und die jeweiligen Erklärungen zum Erinnern ein. Jede Datei kann dem eigenen Erinnerungsbaum, Fotoalben oder einer Timeline zugeordnet werden. Im persönlichen Bereich können weitere Fotos etwa von Familienmitgliedern und Ereignissen hochgeladen werden. Die App ist so konzipiert, dass sie am effektivsten mit einem Pfleger oder Familienmitglied zusammen benutzt wird – so sollen Gespräche über die noch vorhandenen Erinnerungen angeregt werden. Diese können dazu führen, dass Patienten weitere verknüpfte Erinnerungen abrufen.

Zukünftige Therapiemöglichkeiten gegen Demenz

Bei den Therapiemöglichkeiten gegen die Demenzerkrankung steht der große Durchbruch noch bevor. Nahrungsergänzungsmittel, die sich positiv auf die Nervenbildung und -erhaltung auswirken können, stehen momentan im Fokus der Forscher. Diese Antioxidantien genannten Stoffe können durch eine Nanozerkleinerung besser vom Körper aufgenommen werden und zeigen gute Erfolge gegen freie Radikale. Durch das veränderte Beta-Amyloid dieser Radikale, wird unter anderem die Demenzform Alzheimer hervorgerufen. Auf diese Weise wäre auch ein Bluttest denkbar, der eine Demenz-Gefährdung bereits bis zu 20 Jahre vor dem Eintreten nachweisen könnte. Weitere Erfolge konnten bis dato durch elektromagnetische Bestrahlung erzielt werden und zumindest kurzfristig zu einer Besserung der Symptomatik führen.



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