170 Jahre VDI: Warum die Gründung 1856 ein politisches Statement war
Vor 170 Jahren gründeten 23 Ingenieure im Harz den Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Schon der Name war damals ein politisches Statement, denn Deutschland war in dutzende Einzelstaaten zersplittert. Bei der Jubiläumsfeier zog der VDI eine historische Linie bis zur Gegenwart und seiner Initiative „Zukunft Deutschland 2050″.
Alexisbad im Harz: Hier wurde im Jahr 1856 der VDI gegründet. Die Aufnahme der Kleinstadt in Sachsen-Anhalt stammt aus dem Jahr 1891.
Foto: picture alliance / SZ Photo/Scherl
An Pfingsten 1856 treffen sich 23 Mitglieder der Studentenvereinigung „Hütte“. Sie fahren mit geschmückten Leiterwagen unter feierlichem Gesang im beschaulichen Alexisbad ein. Unter ihnen: Friedrich Euler, Carl Bischof und Franz Grashof.
Gemeinsam gründen sie am 12. Mai 1856 den Verein Deutscher Ingenieure, den VDI. 170 Jahre liegt das nun zurück. Zu jener Zeit veränderte sich das gesellschaftliche Leben in Deutschland derart, dass sich abseits des bisherigen Standesverständnisses Vereine konstituierten. Denn während der autoritäre Staatsapparat keine politische Betätigung seiner Bürger duldete, ging es den Vereinen darum, die gemeinsamen Interessen ihrer Mitglieder zu bündeln.
Inhaltsverzeichnis
Ein technischer Verein mit politischem Anspruch
Frau Prof. Dr. Heike Weber von der TU Berlin zeichnete in ihrem Festvortrag während der Jubiläumsfeierlichkeiten zum 170-jährigen Bestehen des VDI in Alexisbad die Gründung des VDI und seine Entwicklung bis 1900 nach. Sie stellte dabei heraus, dass zur damaligen Zeit der Name Verein Deutscher Ingenieure ungewöhnlich war und ein politisches Statement darstellte. Denn 1856 gab es noch gar kein geeintes Deutsches Reich; es sollte erst rund 15 Jahre später entstehen. Zur Zeit der VDI-Gründung war Deutschland in verschiedene Staaten zersplittert, von Großmächten wie Preußen bis hin zu kleinen Fürstentümern wie Lippe oder den freien Städten.
Auch der Begriff des Ingenieurs war zu jener Zeit noch ziemlich uneindeutig, führte Weber aus. Erst in den kommenden Jahren sollte in Deutschland ein klares Bild entstehen, welche Voraussetzungen und Kenntnisse notwendig sind, um den Ingenieurstitel zu tragen. Gerade deshalb stellte die Gründung des VDI unter diesem Namen auch ein politisches Bekenntnis zu einem einheitlichen Staatswesen und dem Anspruch dar, für die technischen Berufe mehr Anerkennung und Wertschätzung zu erreichen.
„Unsere Geschichte ist ein starkes Fundament. Doch darauf wollen wir uns nicht ausruhen.“
Adrian Willig, VDI-Direktor
Blick in die Zukunft aus Tradition
Dies zeigte sich auch in der Vereinssatzung. Der Zweck des Vereins wurde in der Satzung mit dem „… innigen Zusammenwirken der geistigen Kräfte deutscher Technik zur gegenseitigen Anregung und Fortbildung im Interesse der gesamten Industrie Deutschlands“ definiert. Es ging also schon vor 170 Jahren um mehr als nur die Vereinigung von Gleichgesinnten; es ging um die Zukunft Deutschlands. Dieses Anliegen der damaligen Zeit führen wir in der Gegenwart mit der VDI-Initiative „Zukunft Deutschland 2050“ fort.
Die von VDI-Präsident Prof. Dr.-Ing. Lutz Eckstein initiierte Initiative stellte er in seiner Rede nach dem Grußwort des Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt, Dr. Gunnar Schellenberger, in den Mittelpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten: „170 Jahre VDI sind 170 Jahre gelebter Fortschritt. Ingenieurinnen und Ingenieure haben dieses Land stark gemacht, und sie werden es auch in die Zukunft tragen“, sagte Eckstein.
„Ob Klimaschutz, Digitalisierung oder industrielle Transformation: Die großen Herausforderungen unserer Zeit sind ohne technische Lösungen nicht zu bewältigen“, führt er aus. Der VDI sei dabei „Plattform, Impulsgeber und Stimme der Ingenieurinnen und Ingenieure“. Das verdeutliche auch die Initiative „Zukunft Deutschland 2050“, die ihren Blick langfristig auf die technischen Jahrzehnte, die vor uns liegen, richte und hierzu konkrete Handlungsbedarfe aufzeige.
Inspiriert vom Geist der Gründer
Auf der Jubiläumsveranstaltung, die am vergangenen Wochenende stattfand, haben sich über 100 engagierte VDI-Mitglieder am Gründungsort Alexisbad vom Geist der damaligen Gründer inspirieren lassen und darüber diskutiert, wie sie die Gesellschaft in den nächsten 25 Jahren ingenieurtechnisch mitgestalten und voranbringen können. Neben Projektvorstellungen, Vorträgen, Paneldiskussionen und Führungen zu den historischen Orten, konnten die Teilnehmenden auch die Gründungsroute der Gründerväter nach Alexisbad nacherleben.

VDI-Direktor Adrian Willig freute sich zum Abschluss der 170-Jahre-Feier über die vielen Besucher und wagte einen Blick in die Zukunft: „Unsere Geschichte ist ein starkes Fundament. Doch darauf wollen wir uns nicht ausruhen“, betont er. „Deutschland braucht einen echten Innovationsschub. Jetzt kommt es darauf an, technische Kompetenz konsequent in wirtschaftliche Stärke zu übersetzen. Der VDI wird sich wie in der Vergangenheit einbringen und die starke Stimme der Ingenieure in die Debatte hörbar einbringen. Egal welches Problem wir in Zukunft lösen müssen, vom Klimawandel über die Energieversorgung bis hin zur Mobilität der Zukunft, ohne Ingenieurinnen und Ingenieure wird es nicht gehen. Unsere Lösungen werden die Zukunft gestalten.”
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