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So realistisch war Fahrsimulation noch nie

28. Januar 2026

Advanced Driving Simulation Center Graz
Der realistischste Fahrsimulator Europas steht in Graz: V.l.: Arno Eichberger (Institut für Fahrzeugtechnik der TU Graz), Severin Stadler (Director Adv. Engineering, Cooperations & Strategy, Magna), Martin Peter (Vice President Magna Vehicle Engineering) und TU Graz-Rektor Horst Bischof bei der Eröffnung des Advanced Driving Simulation Centers. Foto: Lunghammer – TU Graz
In Graz geht Europas realistischster Fahrsimulator in Betrieb. TU Graz und Magna testen Fahrwerk, Reifen und Assistenzsysteme schon vor dem Prototyp.
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Die Technische Universität Graz und Magna haben am Campus Inffeldgasse eine Forschungsinfrastruktur eröffnet, die in Europa derzeit ihresgleichen sucht. Im neuen Advanced Driving Simulation Center steht ein Fahrsimulator, der Fahrzeugbewegungen, Straßenoberflächen und Fahrerwahrnehmung so präzise nachbildet, dass Entwicklungsschritte deutlich früher als bisher möglich werden.

Inhaltsverzeichnis

Eine Partnerschaft mit Ansage

Der Simulator ist das Ergebnis einer langjährigen Zusammenarbeit. TU-Graz-Rektor Horst Bischof ordnet die Bedeutung klar ein: „Das Advanced Driving Simulation Center ist ein Ergebnis der jahrzehntelangen Innovationspartnerschaft von Magna und der Technischen Universität Graz“, sagt er. „Mit diesem Fahrsimulator verfügen wir nun über eine europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur, die den Automobil- und Mobilitätsstandort Österreich nachhaltig aufwertet.“

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Der Fokus liegt nicht auf Showeffekten, sondern auf reproduzierbarer Entwicklungsarbeit. Forschende und Industriepartner können Fahrzeuge virtuell auf die Straße schicken, lange bevor erste Prototypen existieren.

Zwischen Rechenmodell und Bauchgefühl

In der Fahrzeugentwicklung klaffte bislang eine Lücke: Modelle liefern Zahlen, Testfahrten liefern Eindrücke. Genau hier setzt der Simulator an. „Das Advanced Driving Simulation Center erlaubt uns Fahrzeugstudien durchzuführen, deren Ergebnisse exakt mit den physikalischen Gegebenheiten der realen Welt übereinstimmen“, erklärt Arno Eichberger, Leiter des Instituts für Fahrzeugtechnik an der TU Graz.

Eichberger weiter: „Mit dem neuen Simulator schließen wir die Lücke zwischen theoretischer Fahrzeugmodellierung und realer menschlicher Wahrnehmung unserer Testfahrer*innen.“ Damit wird Wahrnehmung messbar. Lenkradvibrationen, Nickbewegungen oder minimale Traktionsverluste lassen sich gezielt variieren und bewerten.

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Früh testen, schneller entwickeln

Für Magna ist das Zentrum ein Werkzeug für die frühe Phase der Fahrzeugentwicklung.

„Zu den wichtigsten Einsatzbereichen zählen die Optimierung und Abstimmung von Fahrwerk und Reifen verschiedenster Fahrzeugtypen in frühen Phasen von Entwicklungsprojekten, weit bevor echte Fahrzeugprototypen zur Verfügung stehen“, sagt Severin Stadler, Leiter F&E bei Magna. „Das beschleunigt Entwicklungsprozesse und schafft zusätzlichen Raum für Innovationen.“

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Gerade bei Elektrofahrzeugen ist das relevant. Ohne Motorgeräusch rücken andere Sinneseindrücke in den Vordergrund. Kleine Unstimmigkeiten fallen stärker auf.

Warum E-Autos besonders profitieren

Der Simulator arbeitet mit einer ungewöhnlich hohen Bandbreite. Er kann Vibrationen mit mehr als 100 Hz erzeugen. „Aufgrund seiner hohen Bandbreite kann der Simulator selbst feinste Vibrationen generieren, die von verschiedenen Straßenbelägen im Fahrzeug ausgelöst werden“, sagt Eichberger.

Eichberger weiter: „Das ist für die Optimierung von Elektrofahrzeugen essenziell, da Insassen diese Vibrationen wegen der fehlenden Motorgeräusche viel stärker wahrnehmen als bei Verbrennern.“ Was früher erst auf der Teststrecke auffiel, lässt sich nun systematisch im Labor untersuchen.

Von Assistenzsystemen bis zum autonomen Fahren

Neben Mechanik und Akustik spielt die virtuelle Umgebung eine zentrale Rolle. Über VR-Systeme lassen sich Verkehrssituationen realitätsnah darstellen.

Das ist wichtig für Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen. Anzeige- und Bedienkonzepte können getestet werden, ohne ein echtes Fahrzeug umbauen zu müssen. Gleichzeitig sinkt das Risiko für Testfahrerinnen und Testfahrer.

Kein Spielzeug, sondern echtes Werkzeug

Der Simulator bewegt das Cockpit über sechs Freiheitsgrade. Beschleunigen, Bremsen, Kurvenfahrt oder Bodenwellen werden kombiniert nachgebildet. Die Systemlatenz liegt bei nur drei bis vier Millisekunden. Das reduziert Verzögerungen zwischen Bewegung und Bild und senkt die Gefahr von Bewegungsübelkeit.

Unterm Strich ist das Advanced Driving Simulation Center weniger ein Spielzeug als ein Werkzeug. Es verlagert entscheidende Entwicklungsfragen in eine Phase, in der Änderungen noch günstig und schnell umsetzbar sind. Für Forschung und Industrie ist das ein klarer Vorteil.



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