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Prototyp – Der ingenieur.de Karriere-Podcast

Folge 18 – Männerwürde – wie Männer dem Hamsterrad entkommen

29 Min. 21 Sek.

Folgenbeschreibung

Die Männerwürde kommt in unserer Gesellschaft zu kurz, sagt Pädagoge Udo Baer.
Indianer kennen keinen Schmerz. Ein gestriger Satz, in dem viel Unsinn steckt, den aber trotzdem jeder von uns kennt. Das Klischee vom vermeintlich starken Geschlecht lässt Udo Baer nicht gelten. Der Pädagoge hat ein Buch mit dem Titel „Männerwürde: Laut und leise, stark und zart“ geschrieben und ist Gast in der aktuellen Folge unseres Karrierepodcasts „Podcast“. Er sagt: „Männer haben natürlich genauso Gefühle wie Frauen.“ Doch traumatische Beschämungen in ihrer Biographie führten dazu, dass viele ihre Gefühle nicht mehr zeigten, so Baer.

Männer seien in der Gesellschaft immer wieder Verletzungen ausgesetzt, die sie langfristig entwürdigten. Aber waren es nicht Frauen, die in den vergangenen Jahrzehnten um Gleichstellung und mehr Würde kämpfen mussten? „Der Vergleich zwischen Frauen und Männern ist in dieser Hinsicht irrelevant. Es ist ja toll, dass so viele Frauen um ihre Würde kämpfen und dabei viel erreicht haben, aber Männer haben das bisher weniger gemacht. Deswegen mein Versuch, einen Beitrag zur Kehrtwende zu leisten“, argumentiert Baer.

Seine These: Männer laufen permanent vermeintlichen Idealen hinterher, die sie nie erreichen können: Sie wollen der perfekte Sohn, Ehemann, Vater und der leistungsfähigste Mitarbeiter sein. Dahinter verberge sich die ständige Suche nach Wertschätzung. „Würde kann man auch durch andere Begriffe wie Respekt oder Wertschätzung ersetzen. Wenn ich wertgeschätzt werde, werde ich gewürdigt, und dann kann ich diese Würde auch in mir spüren und umgekehrt, wenn ich andere würdige. Andernfalls entsteht Stress.“
Das Hamsterrad, in dem viele Männer steckten, hinterlasse seine Spuren auch in der Karriere und beeinfluss maßgeblich das Arbeitsleben. „Die Grundhaltung, alles meistern zu müssen, entsteht durch gesellschaftlichen Druck, doch das kann man ändern“, sagt Baer und rät: „Man sollte nicht mit dem Schweren anfangen. Nicht gleich zum Chef gehen und sagen: Sie überfordern mich! Sondern erst einmal da Nein sagen, wo es möglich ist.“
Für viele bedeutet Karriere, innerhalb einer Firmenhierarchie aufzusteigen. Für manche Männer sei das aber schlicht nicht das Richtige – nur würde es den meisten schwerfallen, sich einzugestehen, dass sie eigentlich gar nicht Chef sein wollen. „Ich kenne Männer, die sagen: Ich weiß nicht, wo ich in zehn Jahren sein will. Ich will einfach gute Arbeit abliefern. Diese Männer können Vorbilder für kommende Generationen sein. Natürlich brauchen wir auch diejenigen, die in Führungspositionen möchten, weil sie das wirklich wollen.“

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