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Dieser Rollstuhl mit Füßen kann sogar Treppen steigen

07. Dezember 2016

Dieser Rollstuhl mit Füßen kann sogar Treppen steigen
Die TU München hat einen Rollstuhl entwickelt, der ohne Hilfe einer zweiten Person Treppen steigen kann.
Wie soll man nur diese Treppe hochkommen? Für Rollstuhlfahrer ist diese Frage in den Städten Alltag und keine Ausnahme. Ingenieure der TU München haben jetzt eine Lösung: Ihr Rollstuhl kann Treppen steigen. Ganz sicher.
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„Die wenigsten Häuser, in denen ältere Menschen wohnen, besitzen Aufzüge“, erklärt Prof. Bernhard Wolf vom Heinz Nixdorf-Lehrstuhl der TU München das banale Problem. Zwar gibt es Rollstühle, die Treppen bewältigen können, indem sie über Raupen oder Gleitrollen verfügen. „Diese Rollstühle müssen aber geführt werden“, so Wolf. Und deshalb kommen Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, nur aus ihren Wohnungen hinaus, wenn sie helfende Hände haben.

Prinzip des inversen Pendels

Die Wissenschaftler um Bernhard Wolf haben den Rollstuhl, der ohne fremde Hilfe Treppen hoch und runter steigen kann, gemeinsam mit den Kollegen des CoKeTT Zentrums der Hochschule Kempten entwickelt. Das Fahrwerk dieses Gefährts besitzt nur eine Achse. Im Gegensatz zum zweiachsigen Rollstuhlfahrwerk kann der Einachser Bewegungen nach vorn und zurück sowie Drehungen um die eigene Achse praktisch zeitgleich ausführen. Das macht den Rollstuhl äußerst wendig.

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Auf einer Treppe kann der Rollstuhl der TU München Füße ausfahren, die den Rollstuhl stabil halten und langsam eine Treppe rauf- und runtergehen können.

Aufrecht hält sich der Rollstuhl nach dem Prinzip des inversen Pendels, dessen Schwerpunkt oberhalb der Achse liegt. „Jede kleine Lageveränderung wird erkannt und vom Antrieb sofort kompensiert“, sagt Wolf. Ein recht bekanntes Beispiel für ein inverses Pendel ist das Spaßmobil Segway.

Die Ingenieure der TU München haben dem Rollstuhl zwei Füße spendiert, die sich ähnlich den Beinen des Menschen aus Ober- und Unterschenkel zusammensetzen. Das Fahrwerk besitzt Ultraschallsensoren, die beispielsweise eine Treppe erkennen. Dann fährt der Rollstuhl rückwärts auf die Treppe zu, bis die beiden Räder die erste Treppenstufe berühren.

Anschließend fahren die Füße aus und heben den Rollstuhl an. Elektromotoren bewegen die Beine des Stuhls vorsichtig auf die nächsthöhere Stufe. Ein Kamerasystem überwacht diese Bewegung, damit sich der Rollstuhl auch sicher auf der nächsten Stufe befinden und nicht etwa nur auf der Kante.

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Rollstuhl als echter Mobilitätsersatz

Dank seiner Wendigkeit kann der Rollstuhl auch äußerst enge Treppenkonstruktionen überwinden. Mit seinen Beinen geht der Rollstuhl die Treppen auch wieder hinunter. Nur bei Wendeltreppen muss er passen.

Noch gibt es den Treppen steigenden Rollstuhl nur als Prototypen. Die TU München hofft aber auf eine Serienfertigung.

Für die Forscher ist ihr Rollstuhl weit mehr als ein Hilfe zur Bewältigung von Treppen. „Wir wollen, dass die Menschen mit dem Rollstuhl einen echten Mobilitätsersatz haben“, betont Wolf. Der Rollstuhl kann beispielsweise als permanenter Autositz verwendet werden, der nicht nach jeder Fahrt wieder zusammengeklappt und in den Kofferraum verstaut wird.

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Nachfrage der Industrie bisher verhalten

Dank des Innenantriebs ist er zudem schmaler als ein Standardrollstuhl. Wohl genau aus diesem Grund ist die Nachfrage möglicher Industriepartner für eine Serienproduktion der praktischen Mobilitätshilfe eher verhalten. „Ich denke, der Grund ist, dass das Prinzip einmal technisch ein bisschen komplex ist, und dann gibt es natürlich bereits die standardisierten Rollstühle“, sagt Wolf.

Um die Nachfrage bei gehbehinderten Menschen macht Wolf sich trotzdem keine Sorge. Dafür kann der Rollstuhl einfach etwas Besonderes: alleine Treppen steigen.

Studenten der ETH Zürich haben einen Rollstuhl entwickelt, der ohne fremde Hilfe dank von Raupenketten auch größere Hindernisse überwinden kann.

Allerdings sind die Münchner mit ihrer Idee nicht ganz allein. Einen Treppen steigenden Rollstuhl haben auch schon die Ingenieure der ETH Zürich entwickelt. Allerdings bewegt sich deren Rollstuhl nicht mit Füßen, sondern auf Schienen, die an eine Panzerkette erinnern. Funktioniert aber auch. Auch nicht schlecht: Studenten des Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge haben einen geländegängigen Rollstuhl entwickelt, den man auch querfeldein im Wald oder sogar am Strand benutzen kann.

 



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