Schuld war die kleine Lola
Ein Informatiker und ein Ingenieur haben ein Gerät entwickelt, das Kinderwagen sanft zum Schwingen bringt. Weitere Produkte sollen entstehen, die mit dem Alltagsleben zu tun haben und Eltern ein ungestörtes Arbeiten in den eigenen vier Wänden ermöglichen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 7. 09, ws
Schuld war Lola. Das Baby konnte einfach nicht einschlafen. Also musste Udo Blenk sein Töchterchen zur Beruhigung stundenlang im Kinderwagen durch die Gegend fahren. „Am besten über besonders holprige Wege.“ Das brachte den 42-jährigen Berliner Informatiker auf die Idee, mit seinem Freund Stefan Stöhr, einem Ingenieur, ein Gerät zu entwickeln, das Abhilfe schafft – der so genannte „lolaloo“. Diese Weltneuheit ist ein Gerät in Form eines Staffelstabes – weiß mit blauen, roten und grünen Punkten. Es versetzt Kinderwagen und Buggys, mit entsprechendem Zubehör auch Kinderbetten, in angenehme Schwingungen, damit das Kind sanft schlummert.
Über ein Jahr lang tüftelte das Duo im Werkstattkeller von Udo Blenk an einem Prototyp. Dabei leistete das Grundstudium zum Elektrotechnik-Ingenieur dem diplomierten Informatiker gute Dienste, wurde doch die gesamte Elektronik selbst entworfen. Als „Versuchskaninchen“ für die Prototypen fungierten Babys aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis. Dort sorgte das Gerät für so große Begeisterung, dass die Vorreiter für dieses Nischenprodukt im Mai 2008 ein Unternehmen, die lolaloo GmbH, gründeten. Ende 2008 ging der lolaloo in Serie und wird seit Anfang 2009 vertrieben.
Udo Blenk hat Erfahrung mit Firmengründungen: 1994 startete er mit „Team-Konzept“ durch, das unter anderem mit dem Kommunikations- und Systemtechnologie-Unternehmen Pixelpark zusammenarbeitete und E-Commerce in Form von Internet-Shops in Deutschland möglich machte. Unter anderem belieferte er Firmen wie Conrad Electronic und die Drogeriekette Rossmann mit den technischen Möglichkeiten, ihre Kunden virtuell einkaufen zu lassen.
14 Jahre, in denen Udo Blenk mit Team-Konzept alles mitgemacht hat: die Zeiten des Internethype, in denen mit Ausnahme von ein paar Stunden Schlaf eigentlich nur gearbeitet wurde, wie auch den Untergang des Neuen Markts mit seinen vielfachen Insolvenzen.
Vor Kurzem kamen Blenk und sein Mitgesellschafter zu dem Schluss, dass „die Luft irgendwie raus ist“. Deshalb entschieden sie sich, ihre Firma zu liquidieren. Für Blenk der Zeitpunkt zu überlegen, was er eigentlich wirklich gern machen möchte: „Ich kam zu dem Schluss, dass ich Produkte entwickeln möchte, die weniger virtuell sind und die direkt mit dem Leben zu tun sowie einen direkten Nutzen haben.“
Die Zeit der Internet-Start-ups sei eine große Blase mit viel heißer Luft gewesen. Viele Anfängerfehler, die Start-ups auch heute noch begehen, würde er heute nicht mehr machen. Statt in Berlins Mitte ein teures Fabrikloft zu mieten, arbeitet er von zu Hause in Berlin-Zehlendorf aus. Das verträgt sich auch viel besser mit seiner gegenwärtigen privaten Situation, weil er so viel mehr Zeit für seine drei Kinder hat und nebenbei auch noch mit im Haushalt helfen kann.
Statt einer Vorzimmerdame geht er selbst ans Telefon, während seine zwei Monate alte Tochter Edda schlummert. Keine Frage, dass ein lolaloo am Kinderwagen immer mit an Bord ist. So kann er sich ungestört um die Abwicklung aller anstehenden Aufgaben rund um die Firma kümmern.
Das Unternehmen wurde privat finanziert, auf Venture Capital wurde bewusst verzichtet. So haben die beiden Unternehmer alle Entscheidungen selbst in der Hand und müssen sich nicht gegenüber einem Geldgeber rechtfertigen. Außerdem stemmt er das Projekt nicht mehr im Alleingang. Mit im Boot ist sein Freund Stefan Stöhr, den er als Hobbypilot vom Flugplatz kennt. Vor kurzem beendete der 32-jährige Ingenieur Stöhr seine Doktorarbeit, in der es um Tragfähigkeiten, Sanierung und Sicherung von Brückentragwerken geht.
Das Gütesiegel „Made in Germany“ ist den beiden Berliner Tüftlern wichtig
Nun soll es aber doch ein neues Berufsfeld sein. Eine reine akademische Karriere wollte Stöhr nicht anstreben, deshalb arbeitet er derzeit im Bereich der Zulassung und Zertifizierung von Bauprodukten. Neben dieser Hauptbeschäftigung entstand das Wackel-lolaloo. Stöhr, der selbst noch keine Sprösslinge hat, aber ein Kinderfan und mittlerweile guter Freund von Blenk ist, fand „großen Spaß daran, etwas Praktisches zu erfinden, das für Eltern von großem Nutzen ist. Doch solch ein Projekt muss man zu zweit machen, denn es gilt, unwahrscheinlich viel zu beachten – allein, was die Sicherheitsbestimmungen in Deutschland angeht“.
Beide Macher hoffen, dass der lolaloo bald seinen Durchbruch erleben wird. Das Duo hat sein Produkt bereits auf Messen präsentiert und dort wie auch über E-Mails und Internet-Foren äußerst positive Resonanz erfahren. Aus Kostengründen wurde bis jetzt auf den Vertrieb über den Handel verzichtet, die Ausnahme bildet ein Laden in Berlin-Mitte. Stattdessen wird der lolaloo direkt an den Kunden über die Produkt-Webseite verkauft oder vermietet.
Wichtig ist den Tüftlern das Gütesiegel „Made in Germany“. So werden die Kunststoffrohre für das Gehäuse in Baden-Württemberg gefertigt, die Platinen werden in Rheinland-Pfalz bestückt und die Silikon-Schutzhülle wird auf Anfrage bei jeder neuen Serie frisch in Niedersachsen „extrudiert“. Auch das Design wollten die beiden Techniker nicht komplett aus der Hand geben. Sie waren an jeder Entwicklungsphase mitbeteiligt.
Blenks und Stöhrs Traum ist es, von lolaloo irgendwann einmal leben zu können. Ideen für weitere Produkte existieren auch schon. KATJA WINCKLER
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