Arbeitsmarkt 25.04.2008, 19:34 Uhr

Die meiste Kohle gibt“s in der Telekommunikation  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 4. 08, has – Ingenieure gehören zu den Top-Verdienern in Deutschland. Maßgeblich beeinflusst wird ihr Gehalt von der Position im Unternehmen, ihrer Ausbildung und der Größe des Betriebs. Zu diesem Ergebnis kommt der Lohnspiegel des WSI in Düsseldorf.

Um zu verhindern, dass wenige hohe oder niedrige Gehälter den Durchschnittswert verzerren, greifen Vergütungsexperten zum so genannten Median. Er teilt die Zahl der untersuchten Einkommen in zwei gleich große Teile: Die eine Hälfte liegt über, die andere unter dem diesem Wert. Nach der WSI-Erhebung liegt der Median bei 4094 € im Monat (siehe Tabelle).

Der Untersuchung liegen Daten von 7000 Ingenieuren aus elf Fachrichtungen zugrunde, tariflich wie außertariflich entlohnte. Ermittelt wurden die Gehälter auf Grundlage der 40-Stunden-Woche. Nicht enthalten sind Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligungen oder sonstige Zuwendungen, z. B. Prämien oder Boni.

$bild1$Sonderzahlungen bilden zwar, wie der WSI-Tarifexperte Reinhard Bispinck betont, einen wichtigen Bestandteil der Arbeitnehmerverdienste, allerdings erhielten längst nicht alle Ingenieure eine solche Jahressonderzahlung. Weihnachtsgeld bekommen knapp 70 %, Urlaubsgeld zwei Drittel der Ingenieure, ein gutes Drittel erhält eine Gewinnbeteiligung. In den Genuss der sonstigen Sonderzahlungen kommt nur fast ein Viertel der Ingenieure. Sonderzahlungen wurden allerdings nicht ausgewertet.

Am stärksten verbreitet sind Sonderzahlungen dort, wo Tarifverträge angewendet werden. Drei Viertel der tarifgebundenen Betriebe zahlen Weihnachts- und Urlaubsgeld, von den tariflosen Betrieben zahlen nur 59 % Weihnachts- und 50 % Urlaubsgeld. Auch Gewinnbeteiligungen und sonstige Sonderzahlungen sind in tarifgebundenen Betrieben weiter verbreitet. Auch Beschäftigte, die als außertarifliche Angestellte nicht unter den Tarifvertrag fallen, profitieren von diesen Zahlungen, erläutert Bispinck.

Die höchsten Gehälter werden mit durchschnittlich gut 4900 € im Monat in der Telekommunikation gezahlt, gefolgt vom Fahrzeugbau (4717 €) und der Chemieindustrie (knapp 4700 €). Die Gehälter der Ingenieure in Forschung und Entwicklung liegen bei 4472 € im Monat und damit leicht unter den Verdiensten bei Büromaschinen, Datenverarbeitung sowie der Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung und Recycling. Die niedrigsten Gehälter beziehen Ingenieure in der Bauwirtschaft (3468 €), bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen (3854 €) sowie in der Datenverarbeitung und bei Datenbanken (4030 €).

Maßgeblichen Einfluss auf das Gehalt hat die betriebliche Position. Im Durchschnitt verdienen Ingenieure mit einer Vorgesetztenposition 18 % mehr. Dabei gibt es große Unterschiede: Bei Wirtschaftsingenieuren beträgt dieser Unterschied 33,2 %, bei Softwareingenieuren aber nur 5,6 %.

Das Durchschnittsgehalt von Ingenieuren ohne Vorgesetztenposition liegt bei 4145 €, Gruppenleiter kommen auf 4686 € im Monat. Abteilungsleiter erreichen im Schnitt 5200 € und Hauptabteilungsleiter 5880 €. Dabei fällt auf: Frauen – sie besetzen nur 5 % der Leitungspositionen – verdienen deutlich weniger. Auf Hauptabteilungsleiterebene liegt ihr Gehalt 31 % unter dem ihrer männlichen Kollegen.

Die Gehälter steigen mit der Betriebsgröße. Ingenieure in Großbetrieben mit mehr als 500 Beschäftigten verdienen im Schnitt 25 % mehr als ihre Kollegen in Betrieben mit weniger als 100 Mitarbeitern.

Auch Berufserfahrung macht sich bezahlt. Am höchsten sind die Gehälter mit 5002 € für Ingenieure mit 20 bis 29 Jahren Erfahrung. Doch dann sinken die Verdienste wieder, für Ingenieure mit 30 und mehr Jahren Berufserfahrung auf 4630 €. WSI-Tarifexperte Bispinck weist allerdings darauf hin, dass dieser Rückgang mit Vorsicht zu interpretieren sei, da die Fallzahlen in dieser Gruppe niedrig seien.

Mit dem Abschluss steigt auch das Gehalt. Ingenieure mit FH-Diplom verdienen im Schnitt 4112 € im Monat, ihre Kollegen mit Uni-TH-Abschluss kommen auf 4408 € und promovierte Ingenieure erzielen im Durchschnitt 5257 €. HAS

Ein Beitrag von:

  • Hartmut Steiger

    Redakteur VDI nachrichten. Fachthemen: Aus- und Weiterbildung, Studium, Beruf.

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