Geldanlage 27.02.2009, 19:39 Uhr

Abfindung – wie anlegen?  

In der Krise versuchen immer mehr Konzerne Personal abzubauen. Wer besonders schnell geht, wird oft mit einer hohen Abfindung belohnt. Doch was tun mit der Einmalzahlung? Volker Lüdemann, Vorstand der Vermögensverwaltung Spiekermann in Osnabrück, erläutert Möglichkeiten. VDI nachrichten, osnabrück, 27. 2. 09, mav

Überblick ist alles – nicht nur, aber insbesondere, wenn es um Kapitalanlage geht. Am Anfang steht für den Anleger daher die Bestandsaufnahme von Vermögen und Verbindlichkeiten, Einnahmen und Ausgaben, um die persönliche Situation realistisch einzuschätzen. Speziell für die Analyse der Kapitalanlagen bietet sich der kostenlose Vermögens-Check an (s.u.)

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Oberstes Gebot ist ausreichende Liquidität. Kosten für Versicherungen, Pkw und Lebenshaltung sind zu planen. Eine Anlage in Wertpapieren sollte nur mit Geld getätigt werden, das in den nächsten zwei Jahren nicht gebraucht wird. Dieses Sicherheitspolster kann auf Tagesgeldkonten bei etablierten Banken oder in der Tagesgeldanleihe des Bundes angelegt werden.

Bestehende Kredite sollten aus zwei Gründen zurückgeführt werden: Zum Einen, weil es unsicher ist, dass die Geldanlage mehr bringt als die Finanzierung kostet und zum Zweiten aus steuerlichen Gründen, denn die Zinsen der privaten Finanzierung können steuerlich nicht gegen die Erträge aus Kapitalvermögen abgesetzt werden. Hingegen sind die Erträge steuerpflichtig.

Dann ist es wichtig, Risiken einzuschätzen. Auch wenn klar ist, dass langfristig Produktiv- und Sachkapital wie Aktien einen höheren Ertrag abwirft als Finanzierungskapital wie Anleihen, muss der Anleger ein Aktienrisiko finanziell, aber auch emotional tragen können. In den folgenden Szenarien unterstellen wir, dass der Anleger bereit ist, ein überschaubares Risiko einzugehen und betrachten damit zwei Szenarien:

Szenario 1 – der Anleger möchte eine gewisse Zeit (z. B. bis zum Renteneintritt) mit den Geldern aus der Abfindung überbrücken und das Kapital aufzehren.

Sicherheit ist Trumpf: Nichts ist schlimmer, als wenn dieser Anleger in Aktien investiert und nach einem Monat feststellt, dass von seinem Kapital 25 % fehlen. Lieber sollte der Anleger auf einen Teil der Rendite verzichten als ein zu hohes Risiko einzugehen. Gier ist hier fehl am Platze.

Das Kapital, das in den ersten zwei Jahren verzehrt werden soll, wird angelegt wie die Liquiditätsreserve. Den Schwerpunkt bilden dabei Anleihen sehr guter Schuldner. Pfandbriefe etwa bringen Renditen, die spürbar über denen von Bundesanleihen liegen. Derzeit raten wir zu kurzen Restlaufzeiten.

Bis zu 15 % des Vermögens sollte offensiver angelegt werden, beispielsweise in einem gut und aktiv gemanagten Aktienfonds, in einen Unternehmensanleihenfonds oder – wenn das Gesamtvermögen das zulässt – mit kleinen Beträgen in Sachwerten wie Gold.

Der Verzehr muss geplant werden: In den ersten zwei Jahren wird das Kapital aus dem Tagesgeld entnommen, in den Folgejahren sollte sich die Struktur der Anlage nicht wesentlich verändern.

Szenario 2 – der Anleger möchte mit Mitte 40 seine Abfindung so anlegen, dass die Altersvorsorge gestärkt wird.

Ein längerer Anlagehorizont bietet die Chance, etwas höhere Risiken einzugehen, um eine höhere Rendite zu erzielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Anlageziel erreicht wird, steigt mit der Laufzeit der Anlage. Zudem kann eine breitere Streuung der Kapitalanlage – z. B. in Versicherungen – erfolgen.

Möglicherweise muss der Anleger mit Eintritt in den Ruhestand auch nach den Einkünften aus Kapitalvermögen keine oder nur geringe Steuern mehr zahlen. Dann ist es sinnvoll, die steuerpflichtigen Erträge in die Zeit des Ruhestandes zu verlagern. Hier bietet der Wertpapiermarkt durchaus interessante Anlagemöglichkeiten, vom Zerobond bis hin zu speziellen Fondslösungen. Der Steuerberater sollte hier ein Wort mitreden.

Zur Beimischung, jedoch nicht als Komplettlösung eignet sich eine Lebens- oder Rentenversicherung, denn ihre Erträge sind zu 50 % steuerfrei, wenn sie mindestens zwölf Jahre läuft und nach dem 60. Lebensjahr fällig wird.

Es bestehen jedoch auch Nachteile. So ist die Anlage in einer Versicherung teurer als die Direktanlage in Wertpapieren, und wer wider Erwarten zwischenzeitlich Geld braucht, hat Aufwand, Zusatzkosten und möglicherweise einen steuerlichen Nachteil. Gute unabhängige Beratung ist gerade bei größeren Anlagesummen nötig, um individuelle Lösungen zu entwerfen.

Nach der Liquiditätsreserve bildet ein Anleihenmix sehr guter Schuldner die Basis. Ein Großteil des Vermögens sollte dort in kurzen Restlaufzeiten angelegt werden. Bis zu 25 % des Vermögens wird offensiver investiert. Ein guter Aktienfonds ist dabei die erste Wahl und kann um andere etwas offensivere Investitionsideen ergänzt werden. Je nach Höhe des Kapitals kommen auch Investitionen in Einzelaktien oder besondere Anlageformen wie Zertifikate in Betracht.

Das Vermögen muss gerade bei einem langen Anlagehorizont aktiv gemanagt werden. Nicht zu allen Zeiten ist eine starre Investition in bestimmte Segmente richtig. In Zeiten hoher Zinsen ist es beispielsweise sinnvoll, nicht in kurz laufende, sondern in lang laufende Anleihen zu investieren. Ein unabhängiger Vermögensverwalter kann hier helfen.

Zins wird interessanter, wenn er zum Zinseszins wird: Hier ist eine gute Strategie, mit den erwirtschafteten Erträgen den etwas offensiveren Teil der Anlage zu stärken und damit systematisch den Aktienanteil langfristig aufzubauen – damit steigt langfristig nicht nur die Rendite, sondern der Anleger erreicht mit dem regelmäßigen Aufbau darüber hinaus einen günstigen Einstandskurs für seine Aktien. VOLKER LÜDEMANN

Der Autor ist Vorstand der Vermögensverwaltung Spiekermann & Co AG in Osnabrück.

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