Ernährung 02.09.2005, 18:40 Uhr

Vom Hippie zum Yuppie mit Bio-Food  

VDI nachrichten, Kelkheim, 2. 9. 05 – Im Zeitalter von BSE und Antibiotika-Skandalen fordern die Verbraucher gesunde Lebensmittel. Doch Bio-Food ist teuer. Dass sich Öko zum Trend für besser Verdienende mausert, zeigt eine Studie des Zukunftsinstituts. Was sich verändert hat, sind die Beweggründe der Bio-Konsumenten. Ging es früher um eine Weltanschauung und die Absage an die Wegwerfgesellschaft, steht heute die eigene Gesundheit im Vordergrund.

Gesundheit wird immer mehr zu einer Frage der persönlichen Vorsorge“, behaupten Matthias Horx und Dr. Eike Wenzel. Und meinen damit: Viele Menschen werden in Zukunft Bio-Essen einkaufen, um gesund zu bleiben.

Horx und Wenzel sind die Autoren der Studie „Green Markets – Wie das gesunde Essen die Food-Märkte umkrempelt“, herausgegeben vom Zukunftsinstitut in Kelkheim bei Frankfurt. Sie prophezeien ökologisch hergestellten Lebensmitteln eine große Zukunft.

Laut Studie ist der Bio-Szene mittlerweile ihre Weltverbesserer-Mentalität weitgehend abhanden gekommen. Eine-Welt-Läden mit ihrer Sandalen tragenden Kundschaft überlassen das Feld mehr und mehr den schicken Bio-Supermärkten inklusive Parkplatz und Fleischtheke. Hier kaufen die besser Verdienenden ein, denn Bio-Food hat nach wie vor seinen Preis. Was sich jedoch verändert hat, sind die Beweggründe der Bio-Konsumenten: Ging es früher um eine Weltanschauung und die Absage an die Wegwerfgesellschaft, steht heute die eigene Gesundheit im Vordergrund.

„Wir beobachten diesen Trend jetzt seit etwa acht Jahren“, erklärt Renée Herrnkind, Pressesprecherin des Demeter-Verbands. „Die Menschen wollen sich oder ihrer Familie etwas Gutes tun.“ Die höheren Preise nimmt man mit einem „Ich bin es mir wert“ in Kauf. Derzeit werden sogar die Kunden gewöhnlicher Supermärkte mit Bio-Angeboten gelockt. „Einstiegsbio“, nennt Herrnkind diese Angebote und glaubt: „Bei den großen Handelsmarken wie Demeter landen die Konsumenten dann wegen des besseren Geschmacks.“

Preislich sind allerdings die Discounter klar im Vorteil: Plus etwa bietet mit der Marke „BioBio“ Öko-Produkte zu moderaten Preisen an. Das ist möglich, weil der Discounter für seine Filialen weit größere Menge abnehmen kann als ein kleiner Bio-Laden. Außerdem wird BioBio als Eigenmarke von Plus über die betriebseigene Logistik abgewickelt. „Wir wollten ein Bio-Konzept mit attraktiven Preisen“, sagt Nicole Dinter, Pressesprecherin bei Plus. „Trotzdem sollte natürlich die Qualität gegeben sein. Alle BioBio-Produkte tragen das staatliche Bio-Siegel.“

Die Frage nach der Qualität wird im Bio-Sektor besonders häufig gestellt. Um Standards festzulegen, gibt es ein staatliches Bio-Siegel sowie zusätzliche Siegel der Anbauverbände.

„Produkte mit dem staatlichen Bio-Siegel müssen der EU-Öko-Verordnung entsprechen“, erklärt Marie-Luise Dittmar vom Bundesverbraucherministerium (BMVEL). „Die Anforderungen der Anbauverbände gehen zum Teil sogar über die EU-Verordnung hinaus.“ Zudem, versichert Dittmar, gebe es nirgendwo so viele Kontrollen wie im Bio-Sektor. Wo „Bio“ drauf steht, ist also sicher auch Bio drin.

Neben „Bio“ ist auch „Öko“ ein geschützter Begriff. Andere Bezeichnungen allerdings, etwa „alternativ“ oder „kontrollierter Anbau“ erwecken zu Unrecht den Eindruck ökologisch unbedenklicher Produkte. Derartige Begriffe sind weder geschützt noch definiert, und die Hersteller können sie für alles verwenden.

„Zu Beginn der 90er-Jahre, als die EU-Öko-Verordnung in Kraft getreten ist, war das problematisch“, berichtet Nicole Schlaeger, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale NRW. Heute funktioniere das System jedoch gut. Lediglich auf Wochenmärkten fänden sich noch Begriffe wie „aus eigenem Anbau“. „Und das ist dann auch nicht gelogen“, meint Schlaeger. „Nur mit “Bio“ hat es nichts zu tun.“

Trend hin oder her, einige Dinge werden sich wohl nie ändern: Wer sich gesund ernähren will, muss auch im Zeitalter des Bio-Booms genau hinsehen. Und nach wie vor tief in die Tasche greifen – der Gesundheit zuliebe.

TINKA WOLF/ber

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