Telefone abgehört 23.10.2013, 17:20 Uhr

US-Geheimdienst NSA spioniert auch französische Diplomaten aus

Die Spionageaktionen des amerikanischen Geheimdienstes NSA sorgen in Frankreich weiter für Empörung: Der US-Geheimdienst hat sogar französische Diplomaten in der Botschaft in Washington und bei der UNO in New York ausgespäht. Das belegt ein Dokument, das die französische Tageszeitung Le Monde veröffentlicht hat.

UN-Hauptquartier in New York: Der US-Geheimdienst hat sogar die französischen Diplomaten bei der UN und in der Botschaft in Washington abgehört.

UN-Hauptquartier in New York: Der US-Geheimdienst hat sogar die französischen Diplomaten bei der UN und in der Botschaft in Washington abgehört.

Foto: Wikipedia

Während US-Präsident Barack Obama noch versuchte, in einem Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten François Hollande die Wogen der Empörung über die umfassende Bespitzelung französischer Bürger zu glätten, wurde der nächste Skandal öffentlich. Nach Informationen der Tageszeitung Le Monde überwachte die NSA auch die französische Botschaft in Washington und die französische UNO-Delegation in New York. Dazu hat der US-Geheimdienst gezielt Spyware in die internen Netzwerke eingeschleust. Le Monde beruft sich dabei auf Informationen des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden.

NSA hört die Gespräche in der französischen Botschaft ab

Das veröffentlichte, als geheim eingestufte Dokument gibt Einblick in die Methoden, die die NSA eingesetzt hat, um Diplomaten befreundeter Staaten auszuspionieren. Danach hat der US-Geheimdienst Überwachungstechnik in den Büros der französischen UNO-Delegation in New York und in der französischen Botschaft in Washington installiert.

In der Botschaft hört die NSA auch die Telefonate ab. Eine „Sammlung von Computerbildschirmen“ ist bei der UNO-Delegation als Quelle für die Informationen genannt. Bereits im Sommer hatte das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel über ähnliche Angriffe auf die EU-Vertretungen in Washington und New York berichtet.

Mit „Genie“ diplomatische Geheimnisse ausgespäht

„Genie“ nennt die NSA nach dem Papier diese Art von Angriffen. Vermutet wird, dass sie hochentwickelte Malware in die isolierten Systeme eingeschleust hat – mit Hilfe eines Mitarbeiters des belgischen Netzwerkbetreibers Belgacom. Weitere Methoden werden als „Dewsweeper“ und „Radon“ bezeichnet – das sind eine USB-Wanze und eine weitere Methode.

Das veröffentlichte Glossar erläuterte weitere Überwachungsmöglichkeiten der NSA: „Highlands“ steht für Malware, „Vagrant“ sammelt Daten von Bildschirmen und „PBX“ ist der Name für verwanzte Telefonanlagen. Mit „Mineralize“ horcht die NSA Netzwerke ab, „Magnetic“ sammelt die elektromagnetische Strahlung und „Lifesaver“ kopiert Festplatten.

Hollande fordert weitere Aufklärung von Obama

Im Gespräch mit US-Präsident Barack Obama forderte der französische Präsident weitere Aufklärung zur Bespitzelung französischer Bürger (ingenieur.de berichtete). Die Berichte lieferten teilweise ein verzerrtes Bild, sagte Obama in diesem Gespräch. Er versicherte Hollande aber auch, dass die USA damit begonnen hätten, ihre Methoden für die Sammlung von Informationen zu überprüfen, um eine Balance zwischen Sicherheit und Datenschutz herzustellen.

US-Geheimdienstdirektor bestreitet Bespitzelung

US-Geheimdienstdirektor James Clapper dagegen hat die Berichte der Le Monde als fehlerhaft bezeichnet. Der Vorwurf, die NSA habe mehr als 70 Millionen Telefonate französischer Bürger abgehört, sei falsch, sagte er. Die USA sammelten lediglich Informationen wie alle anderen Länder auch.

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