Reform im Sicherheitswesen 28.11.2013, 12:11 Uhr

TÜV warnt: Sicherheit deutscher Aufzüge in Gefahr

Die Politik plant Reformen im Sicherheitswesen. Überwachungsbedürftige Anlagen wie Fahrstühle müssen dann nicht mehr von unabhängigen Experten geprüft werden. Der Betreiber kann den Sicherheitscheck künftig selbst vornehmen. 

Dass Betreiber Aufzüge künftig selbst warten dürfen, gefällt dem TÜV Süd gar nicht. Er befürchtet Interessenkonflikte und einen Anstieg der Sicherheitsmängel. 

Dass Betreiber Aufzüge künftig selbst warten dürfen, gefällt dem TÜV Süd gar nicht. Er befürchtet Interessenkonflikte und einen Anstieg der Sicherheitsmängel. 

Foto: OSMA-Aufzüge

Der TÜV Süd sieht durch die geplante Änderung die Sicherheit von Fahrstühlen und anderen überwachungsbedürftigen Anlagen in Gefahr. Schon heute liegen bei zwei Dritteln der Aufzüge Mängel vor. Der in München ansässige Dienstleister für Sicherheit befürchtet einen weiteren Anstieg, wenn zukünftig nicht mehr neutrale Prüfstellen, sondern die Betreiber beziehungsweise entsprechend ausgebildete Mitarbeiter die Sicherheit der Anlagen prüfen und beurteilen.

TÜV Süd sorgt sich um die Sicherheit von Anlagen

Wer Anlagen betreibt und sie gleichzeitig auf Sicherheit überprüft, könne in einen Interessenkonflikt geraten, warnt der TÜV Süd. „Wer prüft, sollte nicht zugleich reparieren. Wer repariert, sollte auch nicht prüfen“, sagte Vorstandsmitglied Horst Schneider.

Bereits heute gibt es enorme Mängel an den Anlagen. So war 2012 nur jeder dritte Aufzug fehlerfrei. Zehn Prozent aller Anlagen hatten Sicherheitsmängel. 4600 Aufzüge mussten stillgelegt werden. Dies entspricht einem Prozent aller Anlagen. „Der Zustand dieser Anlagen verschlechtert sich kontinuierlich“, so Karsten Xander, ebenfalls Vorstandsmitglied des TÜV Süd.  

Schwere Unfälle vermeiden

Die Bestimmungen für die unabhängigen Prüfungen von Anlagen sind entstanden, um schwerwiegende Unfälle zu vermeiden oder zu verringern. Welche Anlagen betroffen sind, wird im Produktsicherheitsgesetz (ProdSG) festgelegt. Hierbei handelt es sich um Anlagen, die aufgrund häufiger sehr schwerwiegender Unfälle einer besonderen Überwachung zugeordnet wurden. Schwere und Anzahl der Unfälle sollen eingedämmt werden.

Um Auftragsverlust geht es dem TÜV Süd nach eigenen Angaben nicht. Der Dienstleister hat in diesem Jahr ein Plus von sechs Prozent geschafft und sein Umsatzziel von zwei Milliarden Euro erreicht. Wettbewerbsunternehmen wie die Dekra oder andere internationale Prüfgesellschaften beeinträchtigen das Geschäft nicht. Der Konzern hat inzwischen 20.000 Beschäftigte. Drei Viertel der neuen Jobs sind im Ausland entstanden. Im kommenden Jahr rechnet das Unternehmen damit, dass etwa 50 Prozent aller Mitarbeiter im Ausland arbeiten. Der Konzern würde trotz der Streichung der unabhängigen Kontrollen weiterhin wachsen und Zukäufe tätigen. 

Von Petra Funk
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