TÜV Rheinland kontrolliert Nahrungsmittel in China
Nach dem Fund von Melamin in Milchprodukten bahnt sich in China ein neuer Lebensmittelskandal an. Auch Gerbschlamm aus der Lederherstellung wurde dem Tierfutter beigemischt, um höhere Proteingehalte vorzutäuschen. Nun betreibt der TÜV Rheinland in Shenzhen ein Labor für Nahrungsmitteltests. VDI nachrichten, Peking, 29. 5. 09, ber
Fehmer sichtet bereits ein Folgeproblem am Horizont: Gerbschlamm aus der Lederherstellung wird demnach als Proteinzusatz für Tierfutter verwendet. Dieser besteht zwar zu 70 % aus organischen Substanzen, enthält aber doch auch erhebliche Mengen an Metallen wie etwa Chrom.
Fehmer: „Es wurden Lederproteine in Milchprodukten gefunden. Das könnte ähnlich wie beim Melamin ein Versuch sein, den Proteingehalt in der Milch hochzuschrauben. Die staatlichen chinesischen Prüfer sind dem bereits auf der Spur.“
Seit Februar arbeiten die Nahrungsmittelwächter in China
Bakterien, Schwermetalle, Pestizide – Giftstoffe aller Art spürt Fehmers Team seit Februar im Auftrag von Kunden – etwa der deutschen Metro – aus Japan, China oder Europa auf. „So ziemlich alle denkbaren Organismen und Substanzen, die besser nicht auf dem Tisch landen sollten, sind zu finden“, so Fehmer.
Die Verwendung von DDT zum Beispiel ist in den meisten Industrieländern seit Langem verboten. In China aber findet das TÜV-Team Spuren davon auf Obst und Gemüse ebenso wie Antibiotika und wachstumsfördernde Chemikalien in Fleisch oder Fisch. Auch nach genetisch modifizierten Organismen wird gefahndet, wenn der Auftraggeber das wünscht. Derzeit geht China recht liberal mit Genmanipulationen um.
Dem TÜV passt das Testen von Nahrungsmitteln recht gut ins Konzept. Vorwiegend auf exportierte Produkte ausgerichtet, hinterlässt die weltweite Handelskrise auch hier ihre Spuren. „Wir werden 2009 hinter dem Ergebnis von 2008 zurückbleiben“, schätzte Jörg Mähler, Chef der TÜV Rheinland China. Das Neugeschäft der Lebensmitteltester biete einen Ausweg – „zwar noch nicht in großem Stil, aber immerhin kommen wir in Fahrt“, konstatierte Holger Kunz, der Direktor für den Bereich Südchina.
Spezielle Dienste richten sich an muslimische Konsumenten. „Da müssen bestimmte Schlachtregeln genau beachtet werden, deren Bestätigung wir erstellen können,“ versicherte Fehmer. Sein Team ermittelt zudem, welche Fleischsorten in gemischten Fleischprodukten landen, da der Verzehr etwa von Schweinefleisch für Muslime verboten ist.
Zunehmend gefragt ist eine Zertifizierung für koschere Lebensmittel. Weil Obst und Gemüse durch den Befall von Insekten unrein werden können, müssen sie gewaschen werden. Blutreste auf dem Fleisch werden mit Salz entfernt. Das mindert allerdings nicht unbedingt den Befall von E-coli-Bakterien oder anderen Krankheitserregern.
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Neue Produktbereiche stehen ebenfalls auf Fehmers Liste künftiger Vorhaben. Das reicht von pharmazeutischen und kosmetischen Erzeugnissen bis hin zu Produkten, die mit der Nahrung in Kontakt kommen. Non-Food-Biology nennt er diese Abteilung. Drei größere Teststätten sowie viele kleinere Schnelltestlabors könnten so in den nächsten zehn Jahren entstehen.
JAN HÖHN/ber