Belastung der Lebensmittel 06.02.2015, 08:51 Uhr

TU Wien untersucht Spätfolgen des Reaktorunglücks von Fukushima

Nach dem Reaktorunglück von Fukushima haben japanische Behörden über 900.000 Lebensmittelproben gesammelt. Eine systematische Analyse dieser Daten fehlte bisher allerdings. Spezialisten der TU Wien nahmen sich nun dieser Aufgabe an. 

Die Forscher der TU Wien haben über 900.000 Lebensmittelproben analysiert. Ihr Fazit: Dank der Maßnahmen der Behörden hat der Großteil der Bevölkerung keine verseuchte Nahrung gegessen. 

Die Forscher der TU Wien haben über 900.000 Lebensmittelproben analysiert. Ihr Fazit: Dank der Maßnahmen der Behörden hat der Großteil der Bevölkerung keine verseuchte Nahrung gegessen. 

Foto: dpa/Stephen Morrison

Insgesamt überschritten im ersten Jahr nach dem Unfall japanweit 0,9% der Proben die Grenzwerte – in der Präfektur Fukushima waren es 3,3%. In der letzten zur Verfügung stehenden Beobachtungsperiode vom 1. April bis 31. August 2014 waren es japanweit 0,2% – in der Präfektur Fukushima 0,6%. „Das sind allesamt relativ niedrige Prozentsätze“, erklärt Georg Steinhauser vom Atominstitut der TU Wien. „Die Bemühungen der japanischen Behörden waren gigantisch und im Wesentlichen auch sehr erfolgreich.“

Stark verseuchtes Gemüse kam nie auf den Markt

„Die Belastung des Trinkwassers war sehr gering, in den anderen Kategorien zeigen sich ganz typische zeitliche Verläufe“, erklärt Steinhauser. Die radioaktive Belastung im Gemüse war direkt nach dem Atomunfall sehr hoch. Das stark verseuchte Gemüse kam jedoch nie auf den Markt oder konnte noch rechtzeitig aus dem Verkauf genommen werden. Vier Monate später lag die radioaktive Belastung wieder unterhalb der Grenzwerte.

TU-Wien-Forscher Georg Steinhauser mit seinem Kollegen Katsumi Shozugawa in Fukushima. Die Forscher hatten Zugriff auf 900.000 Lebensmittelproben, die japanische Behörden nach dem Reaktorunglück gesammelt hatten. 

TU-Wien-Forscher Georg Steinhauser mit seinem Kollegen Katsumi Shozugawa in Fukushima. Die Forscher hatten Zugriff auf 900.000 Lebensmittelproben, die japanische Behörden nach dem Reaktorunglück gesammelt hatten. 

Foto: TU Wien

Bei den tierischen Produkten war die radioaktive Belastung direkt nach dem Atomunfall eher gering. Sie stieg im Lauf der Monate jedoch an, da es eine gewisse Zeit dauert, bis ein Tier Cäsium aufgenommen und eingelagert hat. Schon im frühen Sommer 2011 lagen die Werte dann über dem Grenzwert.

Großteil der Bevölkerung hat keine verseuchte Nahrung gegessen

Die Analysen bestätigen, dass Japans Behörden aufgrund ihrer schnellen Reaktion die gesundheitlichen Folgen des Unglücks für die japanische Bevölkerung minimieren konnten. „Die Zahl der Personen, die aufgrund des Reaktorunglücks von Fukushima mehr als das erlaubte Millisievert pro Jahr mit der Nahrung aufgenommen haben, dürfte sehr gering gewesen sein“, sagt Steinhauser. „Solche Überschreitungen dürften fast ausschließlich bei Personen vorgekommen sein, die selbst im Garten Lebensmittel angebaut oder Pilze gesammelt haben und somit die behördlichen Vorsichtsmaßnahmen umgingen.“

Japanische Strahlenschutzexperten sollten künftig auch das Isotop Strontium-90 in ihre Messungen miteinbeziehen, empfehlen die Forscher der TU Wien. Zwar treten Cäsium und Strontium hauptsächlich gemeinsam auf. Jedoch verhalten sie sich in der Umwelt unterschiedlich. Während Cäsium recht schnell von Mineralien immobilisiert wird, wird Strontium länger von Pflanzen aufgenommen.

„Wenn man also nun weiterhin bloß Cäsium misst, unterschätzt man möglicherweise die Belastung durch Strontium-90“, sagt Steinhauser. „Wir appellieren daher dringend an die japanischen Behörden, die Vorschriften basierend auf einer Korrelation zwischen Strontium-90 und Cäsium-137 gemäß den Erkenntnissen in unserem Paper anzupassen.“

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