Geheime Dokumente veröffentlicht 04.10.2013, 15:15 Uhr

Snowdens Email-Provider Lavabit sollte alle Geheimnisse preisgeben

Leben, Freiheit und das Streben nach Glück sind nach der Präambel der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung unabdingbare Werte eines jeden Individuums. Aber das Beispiel des Email-Providers Ladar Levison zeigt, dass das Grundrecht auf Freiheit nur so lange gilt, wie es den Interessen der Regierung entspricht. Dokumente zeigen, wie massiv FBI und NSA den Provider des Whistleblowers Edward Snowden unter Druck gesetzt haben.

Die US-Behörden setzten den Email-Dienst Lavabit so stark unter Druck, dass Unternehmenschef Ladar Levison aufgab. Neue Dokumente zeigen, wie massiv die US-Regierung gegen Levison vorgegangen ist. Bei dem Dienst, der alle Mails sicher verschlüsselt, hatte auch Whistleblower Edward Snowden seinen Account.

Die US-Behörden setzten den Email-Dienst Lavabit so stark unter Druck, dass Unternehmenschef Ladar Levison aufgab. Neue Dokumente zeigen, wie massiv die US-Regierung gegen Levison vorgegangen ist. Bei dem Dienst, der alle Mails sicher verschlüsselt, hatte auch Whistleblower Edward Snowden seinen Account.

Foto: Peter Steffen/dpa

Jetzt ist durch aktuell vom Magazin Wired veröffentlichte Originaldokumente deutlich geworden, wie groß der Druck des FBI auf Lavabit-Gründer Ladar Levison war. Das Unternehmen, über das Snowden und 400 000 andere Amerikaner verschlüsselte und besondere geschützte E-Mails verschickt haben, hat sich inzwischen dem Druck gebeugt und nach zehn Jahren Bestehen aufgegeben.

Zwar ist schon seit Sommer bekannt, dass Levison massiv von der US-Regierung bedrängt wurde, persönliche Daten seiner Kunden herauszugeben. Doch zugleich ist Levison unter Strafandrohung verboten darüber zu sprechen. Jetzt wird erstmals durch die Veröffentlichung von offiziellen Dokumenten des Gerichts durch das Magazin Wired das Ausmaß der Erpressung deutlich.

Der jetzt veröffentlichte Ablauf Schritt für Schritt

Demnach verlangte die Regierung nur einen Tag nach der Enthüllung der Identität des NSA-Whistleblowers Edward Snowden, also am 10. Juni 2013, von Levison die Herausgabe von Informationen. So sollte der Unternehmenschef den US-Behörden unter anderem verfügbare Adressen, Aufzeichnungen der Sitzungen, mit dem Account verbundene Telefonnummern und MAC-Adressen sowie Informationen über Bank- und Kreditkartenkarten aushändigen.

Darüber hinaus verlangte die Regierung alle verfügbaren Verbindungsdaten, offenbar aber zunächst noch keine Inhalte der Emails. Am 28. Juni forderte sie zusätzlich ein sogenanntes „pen register“ zu installieren. Das ist ein Überwachungsgerät, um Verbindungsdaten selbst abgreifen zu können.

Wochenlang hat Levison diese Daten nicht übergeben und auch die Installation des Überwachungsgeräts abgelehnt, das dadurch auch nicht eingebaut wurde. Deshalb wurde der Unternehmenschef schließlich vom Gericht vorgeladen.

Levison sollte auch die geheimen SSL-Schlüssel aushändigen

Am 16. Juli sollte er nun zusätzlich alle öffentlichen und privaten Schlüssel übergeben, die von Lavabit in allen SSL-Sitzung verwendet werden. Levison erklärte, er sei immer einverstanden gewesen, solch ein Überwachungsgerät zu installieren, aber das Herausgeben der SSL-Schlüssel würde die gesamte sichere Kommunikation seiner Kunden kompromittieren und sei auch für die Verfolgung überhaupt nicht nötig. Deswegen verweigerte er die Herausgabe der Schlüssel.

Damals fordert Levison das Recht, die Gerichtsdokumente öffentlich zu machen, auch um Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen und eine Diskussion über dieses geheime Vorgehen anzuregen. Damit konnte er sich zwar nicht durchsetzen, kam aber auch den Forderungen weiterhin nicht nach. Stattdessen bot er quasi als letzten Versuch den Behörden an, selbst ein Programm zu schreiben, mit dessen Hilfe sie an die geschützten Verbindungsdaten des Verfolgten gelangen könnten. Dazu hätten ihm die Behörden aber vertrauen müssen, und das taten diese genauso wenig, wie er ihnen im Gegenzug die SSL-Schlüssel anvertrauen wollte.

Strafe von 5000 Dollar – pro Tag

Als der Druck der Behörden nicht nachließ, übergab er am 2. August die SSL-Schlüssel, allerdings nur als Ausdruck in einer Schmuckschrift in 4 Punkt Größe – also 11 völlig unlesbare Seiten. Auch das FBI bezeichnete den Ausdruck als größtenteils unleserlich und verlangte jetzt eine elektronische Übergabe. Das Gericht verurteilte Levison deshalb jetzt zur Zahlung von 5000 Dollar pro Tag, bis er die Codes in digitaler Form aushändige.

Dadurch wurde der Druck auf Ladar Levison nun offenbar so groß, dass er am 8. August keinen anderen Ausweg mehr sah und seinen Dienst schloss, um die Benutzer von Lavabit nicht den Strafverfolgern ausliefern zu müssen. Levison erklärte dazu, er wolle sich nicht an “Verbrechen gegen das amerikanische Volk” mitschuldig machen.

Email-Dienst Lavabit startete schon 2004

Lavabit wurde im Jahr 2004 von Ladar Levison bewusst als Alternative zu Gmail gegründet, um für seine Kunden eine besonders sichere Kommunikation zu gewährleisten. Zum Schutz der Daten und der Privatsphäre seiner Nutzer verschlüsselte Lavabit unter anderem E-Mails vor der Speicherung auf seinen Servern. Ohne das Passwort des Nutzers waren diese Emails deshalb nicht mehr zu entschlüsseln, auch nicht durch das Unternehmen selbst.

 

Ein Beitrag von:

  • Klaus Ahrens

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