BARGELDLOS BEZAHLEN 16.03.2016, 15:01 Uhr

Selfies ersetzen Pin-Codes und Passwörter

Das Smartphone zum Portemonnaie machen und sich über einen Blick in die Kamera als rechtmäßiger Nutzer ausweisen: So lässt sich schon bald bargeldlos bezahlen. Amazon und Google bereiten die Einführung einer Gesichtserkennungssoftware vor. Mastercard führt die neue Identifikationstechnik schon im Sommer ein.

Das Selfie wird geschäftstüchtig: Amazon und Google bereiten die Einführung einer Gesichtserkennungssoftware vor. Mastercard führt die neue Identifikationstechnik schon im Sommer ein.

Das Selfie wird geschäftstüchtig: Amazon und Google bereiten die Einführung einer Gesichtserkennungssoftware vor. Mastercard führt die neue Identifikationstechnik schon im Sommer ein.

Foto: Sander Koning/dpa

Passwörter und Pin-Codes kann man vergessen. Oder Hacker knacken eine Datenbank und ergattern Millionen Zugangsdaten. Mit biometrischen Daten ist man da schon eher auf der sicheren Seite, etwa mit dem Fingerabdruck. Oder einem Programm zur Gesichtserkennung. Das will das Kreditkartenunternehmen Mastercard ab Sommer nutzen, um bargeldlose Zahler zu identifizieren. In 16 Ländern wird das neue System eingeführt, unter anderem in Deutschland. Der Käufer muss an der Kasse dann in eine Kamera schauen. Das Bild wird an einen Rechner geschickt, der die Daten mit einem gespeicherten Foto vergleicht. Gibt die Software grünes Licht ist der Zahlungsvorgang abgeschlossen.

Kauf perfekt nach einmaligem Zwinkern

Auch das Kaufportal Amazon setzt auf Gesichtserkennung. Der Internet-Gigant hat sich ein Verfahren ausgedacht, das der Selfie-Generation wie auf den Leib geschnitten ist. Wer zahlen will filmt sich mit seinem Smartphone selbst. Eine App sorgt dafür, dass die Bilder in einem Zentralrechner zum Gesichtsvergleich landen. Damit ein Foto des Handybesitzers, das vor die Linse gehalten wird, nicht die gleiche Wirkung hat, fordert das Programm eine Aktion, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt wird. „Zwinkern sie mit dem linken Auge“ ist eine Möglichkeit. Neigen sie den Kopf nach rechts“ eine andere. „Bitte lächeln“ geht auch. All das kann ein Foto natürlich nicht.

„Unbeholfen oder peinlich“

Amazon hat ein entsprechendes Patent Ende 2015 in den USA beantragt. Jetzt wurde es veröffentlicht. „…weiterhin ist die Eingabe dieser Passwörter auf mobilen Geräten vielfach nicht nutzerfreundlich, da der kleine Touchscreen oder die Tastatur die genaue Auswahl mit einem relativ großen menschlichen Finger erschwert“ heißt es in der Patentanmeldung.“ Außerdem sei der Nutzer gezwungen, sich von Freunden und Mitarbeitern abzuwenden, während sie ein Passwort eingeben, „was in manchen Situationen unbeholfen oder peinlich wirken kann“. Was beim Zwinkern vor dem eigenen Smartphone auch nicht viel anders ist.

Während die Einführung des Amazon-Systems noch nicht terminiert ist hat Mastercard bereits Tests absolviert. Außer der Gesichtserkennung hat das Unternehmen auch den Fingerabdruckvergleich ausprobiert. 92 % der Versuchspersonen in den USA und den Niederlanden hätten das neue Identifizierungssystem der Eingabe von Pin-Codes oder Passwörtern vorgezogen.

Augenklappe verhindert das Bezahlen

Auch Google experimentiert mit einem Gesichtserkennungssystem namens Hands Free. Es arbeitet mit fest installierten oder mobilen Kameras. Den Namen bekam das System, weil der Käufer freihändig zahlt.

Was er allerdings macht, wenn er eine Augenklappe oder nach einer Kopfverletzung einen Verband trägt ist noch ungeklärt. Auch wer sein Smartphone nicht dabei hat, weil es geklaut oder vergessen wurde, muss aufs Einkaufen verzichten oder mit Bargeld zahlen.

Die britische Bank Halifax hat im vergangenen Tests ebenfalls mit einer neuen Technologie zur Identifizierung für Transaktionen ihrer Kunden begonnen. Ein EKG-Armband, das den Herzrhythmus des Kunden misst, steht dabei im Mittelpunkt.

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