Babyvideos im Internet 21.11.2014, 14:57 Uhr

Russische Hacker knacken Babyphones und Überwachungskameras

Eltern aus ganz Europa finden plötzlich Videos ihrer schlafenden Kinder im Internet: Russische Hacker haben Babyphones und Überwachungskameras gehackt – angeblich nur, um auf ungenügende Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam zu machen.

Wenn sich die Webcam plötzlich einschaltet, ist höchste Vorsicht geboten. Sie könnte von außen gesteuert sein, um den Besitzer auszuspionieren. Vor eineinhalb Jahren warnte beispielsweise das Internetportal pcwelt vor Programmen, die eingeschleust werden, um die Webcam unter Kontrolle zu bekommen. Viele Nutzer schlugen die Warnungen in den Wind.

Russische Hacker haben sich das jetzt zunutze gemacht. In Dutzenden Ländern zapften sie mit Hilfe von Trojanern Kameras an und stellten die Szenen ins Netz. Zu sehen sind Babys, deren Schlaf via Internet überwacht werden sollte, Besucher, die an der Haustür klingeln und Innenräume, die überwacht werden.

Datenschutzexperte Rice: eine Bedrohung, die uns alle betrifft

Hauptangriffsziel waren die USA. Sicherheitsbehörden in London sprechen von 4500 Angriffen. In Frankreich sollen es 2000 gewesen sein, in den Niederlanden 1500 und in Großbritannien 500. Deutsche, Österreicher und Schweizer sollen auch betroffen sein, es gibt allerdings keine genauen Zahlen. Simon Rice von der Datenschutzbehörde ICO sagt in einem Bericht der Welt: „Das ist eine Bedrohung, die uns alle betrifft und gegen die wir uns schützen müssen.“

Ein junger Mann telefoniert via Internet und Webcam mit seiner Freundin. Falls man diese Funktion nicht nutzt, reicht ein Stück Klebeband auf der Linse, um Hackern die Sicht zu versperren.

Ein junger Mann telefoniert via Internet und Webcam mit seiner Freundin. Falls man diese Funktion nicht nutzt, reicht ein Stück Klebeband auf der Linse, um Hackern die Sicht zu versperren.

Foto: Toshiba

Großbritanniens oberster Datenschützer Christopher Graham will gemeinsam mit amerikanischen Kollegen dafür sorgen, dass die russische Homepage mit den geklauten Videos geschlossen wird.

Bei schwachen Passwörtern haben Hacker leichtes Spiel

Die russischen Hacker nutzten die Sorglosigkeit vieler Computernutzer aus. Diese verändern die Grundeinstellungen ihrer Webcams nicht, wie es viele Hersteller empfehlen. Es gebe jedoch auch Anbieter, die darauf verzichten, klagt Gail-Joon Ahn, Professor für Computerwissenschaften und Engineering an der Arizona State University gegenüber dem Informationsportal AZ Central in Phoenix/Arizona.

Und selbst mit einem einfachen Passwort haben Hacker immer noch leichtes Spiel. Graham rät daher zur Wahl eines starken Passworts, das sich schwerer knacken lässt. Laut AZ Central wollten die Hacker übrigens nur auf ungenügende Sicherheitsvorkehrungen aufmerksam machen. Im August dieses Jahres hatten russische Hacker 1,2 Milliarden Zugangscodes für E-Mail-Adressen gestohlen.

Simon Rice von der britischen Datenschutzbehörde ICO hat übrigens eine ganz einfache Methode, Eindringlingen das Leben schwer zu machen. Wenn sie nicht gebraucht wird, solle man die Linse der Kamera einfach zukleben.

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