Cyberangriff aufs Weiße Haus 08.04.2015, 15:54 Uhr

Russische Hacker haben angeblich Obamas Kalender eingesehen

Beim Hackerangriff auf das Weiße Haus im Oktober 2014 sind offenbar doch sensible Daten gestohlen worden: Laut Nachrichtensender CNN erbeuteten russische Cyberkriminelle geheime Informationen aus dem Terminkalender des Präsidenten Barack Obama. Die US-Behörden bestreiten das.

Der Hackerangriff auf das Weiße Haus fand im Oktober 2014 statt. Die US-Behörden bestreiten, dass die Hacker Zugriff auf geheime Systeme hatten. Der Nachrichtensender CNN sieht das anders.

Der Hackerangriff auf das Weiße Haus fand im Oktober 2014 statt. Die US-Behörden bestreiten, dass die Hacker Zugriff auf geheime Systeme hatten. Der Nachrichtensender CNN sieht das anders.

Foto: Arno Burgi/dpa

Es war ein gut getackteter Angriff im Oktober 2014, der zunächst in das Computersystem des US-Außenministeriums führte. Dort haben die Hacker über ein gekapertes E-Mail-Konto das Regierungsnetzwerk infiltriert. Dabei haben sie laut einem Bericht des Nachrichtensenders CNN offenbar auch Zugriff auf sicherheitsrelevante Daten des Weißen Hauses erlangt. Unter anderem konnten sie auf den geheimen Terminkalender des US-Präsidenten Barack Obama zugreifen.

US-Behörden bestreiten Informationen von CNN

CNN beruft sich auf Angaben von US-Regierungsbeamten und nannte den Fall einen ernsten Vorgang. Die US-amerikanischen Behörden allerdings widersprechen dem CNN-Bericht. So sagte Sicherheitsberater Ben Rhodes: „Wir haben ein nicht geheimes System und ein als vertraulich eingestuftes, ein Top-Secret-System. Wir glauben nicht, dass geheime Systeme kompromittiert wurden.“

Jetzt sind sowohl die Bundespolizei FBI, der Secret Service und US-Geheimdienste mit den Ermittlungen beschäftigt. Sie betrachten den Angriff als eine der ausgeklügelsten Cyberattacken, die jemals gegen das Weiße Haus ausgeführt worden sind.

Die Hacker haben geschickt ihre Spuren verwischt, indem sie Computer verteilt über den ganzen Erdball für ihren Cyberangriff verwendet haben. CNN berichtet, dass Indizien gefunden worden sind, die darauf hindeuten, dass die Hacker für die russische Regierung arbeiteten. Weder das State Department noch die russische Botschaft in Washington äußerten sich zu dem Bericht.

„Wir nehmen solche Aktivitäten stets sehr ernst“

Regierungssprecher Mark Stroh wies darauf hin, dass der CNN-Bericht keine neuen Informationen enthalte: „Dieser Report bezieht sich nicht auf einen neuen Zwischenfall. Wir nehmen solche Aktivitäten stets sehr ernst. In diesem Fall haben wir, wie damals kommuniziert, sofortige Maßnahmen eingeleitet, um die Aktivitäten zu evaluieren und zu entschärfen.“

Die Hacker haben angeblich über ein gekapertes E-Mail-Konto das Regierungsnetzwerk infiltriert und sensible Daten eingesehen. CNN will Indizien gefunden haben, die dafür sprechen, dass die Hacker für die russische Regierung gearbeitet haben.

Die Hacker haben angeblich über ein gekapertes E-Mail-Konto das Regierungsnetzwerk infiltriert und sensible Daten eingesehen. CNN will Indizien gefunden haben, die dafür sprechen, dass die Hacker für die russische Regierung gearbeitet haben.

Quelle: Oliver Berg/dpa

Im Oktober 2014 hatte das Weiße Haus von verdächtigen Aktivitäten berichtet. Die Cyberattacke richtete sich gegen das nicht als geheim eingestufte Computernetzwerk des geschäftsführenden Büros von Barack Obama. Dazu gehören die engsten Mitarbeiter des Präsidenten, darunter auch die Mitglieder des nationalen Sicherheitsrats und seines wirtschaftlichen Beraterstabs sowie die Mitarbeiter des Vize-Präsidenten Joe Biden.

„Ihnen gehörte das System für mehrere Monate“

Das zunächst gehackte US-Außenministerium hatte offenbar lange etwas von den Eindringlingen. „Ihnen gehörte das System für mehrere Monate“, sagte ein US-Beamter laut CNN-Bericht. Das Außenministerium fuhr sein – angeblich nicht geheimes – Mailsystem gleich zweimal vollständig herunter, um die Malware los zu werden. Das erste Mal im November 2014, also direkt nach dem Cyberangriff. Das zweite Mal jetzt im März 2015. Dem CNN-Bericht zufolge war der Grund dafür, dass die Maßnahmen nicht gegriffen hatten und die Hacker erneut eingedrungen sind.

Geheimdienstkoordinator James Clapper warnt vor russischer Bedrohung

Der nationale Geheimdienstdirektor James Clapper koordiniert die Arbeit aller 17 US-Geheimdienste, dürfte also über eine ganze Menge vertraulicher Informationen verfügen. Er hatte im Februar 2015 in einer Anhörung vor dem Senat vor Hackerangriffen aus Moskau gewarnt: „Die russische Cyber-Bedrohung ist ernster als wir bislang gedacht hatten.“ Der US-amerikanische Präsident hatte erst vor kurzem die verstärkte Anzahl der Hackerangriffe auf die USA als nationalen Notfall bezeichnet.

 

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