NSA will weiter mitlesen 20.01.2015, 12:09 Uhr

Obama fordert Masterkey zum Entschlüsseln von Nachrichten

US-Präsident Barack Obama hat sich gegen die Verschlüsselung von Kurznachrichten über Dienste wie WhatsApp oder iMessage ausgesprochen. Eine solche Mitlesesperre behindere auch die Präventionsarbeit von Geheimdiensten gegen den Terrorismus. Mit der Kritik folgt der US-Präsident seinem britischen Amtskollegen David Cameron. 

Demonstration am Checkpoint Charlie in Berlin gegen das US-amerikanische Internet-Überwachungsprogramm der NSA Prism: Jetzt hat US-Präsident Barack Obama gefordert, dass der US-Geheimdienst auch verschlüsselte Nachrichten lesen kann. Deshalb brauche er einen Masterkey.

Demonstration am Checkpoint Charlie in Berlin gegen das US-amerikanische Internet-Überwachungsprogramm der NSA Prism: Jetzt hat US-Präsident Barack Obama gefordert, dass der US-Geheimdienst auch verschlüsselte Nachrichten lesen kann. Deshalb brauche er einen Masterkey.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Wenn es Polizei und Geheimdiensten bei erhärteten Hinweisen auf bevorstehende terroristische Handlungen nicht möglich sei, die einschlägigen Kommunikationskanäle trotz Vorliegen von Handynummern, E-Mail-Adressen oder Social-Medial-Accounts zu überwachen, sei dies ein großes Problem. So zitiert das amerikanische Wall Street Journal US-Präsident Barack Obama von einer Pressekonferenz in Washington.

Cameron und Barack einig: Verschlüsselung behindert Ermittlungen

Dass bei dem Termin am Freitag auch Großbritanniens Premierminister David Cameron anwesend war, ist keineswegs Zufall. Auch er hatte sich vergangene Woche nach den Pariser Anschlägen dafür ausgesprochen, Sicherheitsbehörden mindestens die Möglichkeit einzuräumen, bei diversen Kurznachrichtendiensten mitlesen zu können. Viel lieber noch möchte Cameron überhaupt keine elektronische Kommunikation mehr, die Sicherheitsbehörden den Zugriff verweigert.

 Innerhalb der zurückliegenden sechs Monate haben die Big Player der Digitalwirtschaft – Google, Apple und Facebook – mitlesesichere Dienste angekündigt, die sie nach eigenen Angaben nicht einmal selbst entschlüsseln können. Deshalb forderte Obama nun technische Lösungen, die es Verbrauchern einerseits gestatten, die eigene Privatsphäre zu schützen, andererseits aber Sicherheitsbehörden im Verdachtsfall das Mitlesen ermöglichen – eine Art digitaler Generalschlüssel also.

Die Präsidenten David Cameron (l.) und Barack Obama beim Kamingespräch im Weißen Haus: Nach Cameron fordert jetzt auch Obama, dass Geheimdienste auch verschlüsselte Nachrichten mitlesen können, um gegen Terrorverdächtige vorgehen zu können.

Die Präsidenten David Cameron (l.) und Barack Obama beim Kamingespräch im Weißen Haus: Nach Cameron fordert jetzt auch Obama, dass Geheimdienste auch verschlüsselte Nachrichten mitlesen können, um gegen Terrorverdächtige vorgehen zu können.

Foto: Ron Sachs/dpa

Neben Apples Kurznachrichtenservice iMessage verfügt mittlerweile auch WhatsApp (im Besitz von Facebook) über eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die das Ausspähen der versendeten Mitteilungen zwar nicht gänzlich unmöglich, aber selbst für Fachleute mehr als kompliziert macht.

IT-Experten wollen keinen Masterkey

Nach den Enthüllungen Edward Snowdens über die Machenschaften US-amerikanischer und britischer Geheimdienste sind Rufe nach effizienterer Verschlüsselung allgemein lauter geworden. Verbraucherschützer sowie der Chaos Computer Club kritisieren derweil immer wieder, dass besonders Verschlüsselungsprogramme für die klassische E-Mail-Kommunikation für die meisten Nutzer deutlich zu kompliziert in der Bedienung seien.

IT-Sicherheitsexperten sehen Obamas Forderung nach einem behördlichen Generalschlüssel zum Knacken verschlüsselter Kommunikation weitgehend skeptisch. Ihr Argument: Existiert ein solcher digitaler Schlüssel, besteht auch die Chance, dass er gestohlen wird. 

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