EXKLUSIV Whistleblower Binney 12.09.2013, 11:20 Uhr

NSA hat Zugriff auf 80 % der weltweiten Internetdaten

Der amerikanische Geheimdienst NSA hat nicht nur IT-Unternehmen in den USA unter Druck gesetzt, um Zugriff auf Kunden- und Gesprächsdaten zu erhalten. Er bezahlt auch ausländische Konzerne für die Herausgabe von Informationen, behauptet der amerikanische Whistleblower William Binney, bis 2001 Technischer Direkter der NSA.

Whistleblower William Binney, früherer Technischer Direktor des amerikanischen Geheimdienstes: Die NSA kann über die meisten Menschen ein Profil erstellen. Die großen Datenmengen ermöglichen zudem Industriespionage.

Whistleblower William Binney, früherer Technischer Direktor des amerikanischen Geheimdienstes: Die NSA kann über die meisten Menschen ein Profil erstellen. Die großen Datenmengen ermöglichen zudem Industriespionage.

Foto: Democracy now/Screenshot ingenieur.de

„Sie zahlen dafür, wenn sie mit Firmen Vereinbarungen treffen“, sagte Binney den am Freitag erscheinenden VDI nachrichten. Ob auch europäische Konzerne Daten gegen Bezahlung herausrücken, wollte Binney nicht im Einzelnen verraten. „Ich kann nicht mal von europäischen Firmen sprechen. Ich sage Ihnen aber, dass der Kauf von Informationen von Firmen rund um die Welt eine definitive Gefahr für uns alle ist.“

Der Geheimdienst hat laut Binney Zugriff auf rund 80 Prozent der Daten des Internets. „Die NSA sammelt Daten von allen Bürgern dieser Welt! 80 % des weltweiten Internetverkehrs laufen über Leitungen in den Vereinigten Staaten. Und die NSA hat Zugriff auf alle diese Daten. Sie speichert alles, was sie in die Finger bekommt.“ Die NSA verfüge über so viele Daten, dass sie faktisch von jedem Menschen ein Profil entwickeln kann. „Wir können heute schon über verschiedene Datenblöcke wie Mails, Telefon, Kreditkarten, Geo-Daten usw. ein sehr genaues Bild von jedem Menschen zeichnen“, erklärt Binney.

Terrorismus-Bekämpfung ist nur vorgeschoben

Dabei sei die Bekämpfung des Terrorismus’ nicht der wahre Grund für die Speicherung so großer Datenmengen. „Das ist eine große Lüge. Stellar Winds, mit dem die NSA im Inland Daten über Amerikaner sammelt, ist getrennt von den Programmen, mit denen Terroristen im Ausland oder auch in den USA gejagt werden“, erklärt Binney in dem Interview. „Jeder will, dass Terroristen verfolgt und ausgespäht werden. Selbst die Deutschen wollen das. Aber das heißt doch nicht, dass man gleich die anderen 300 Millionen US-Bürger mitausspähen muss. Das ist auch nicht nötig. Mit dem Anti-Terroristen-Programm alleine könnte man sie alle schnappen.“

Die USA stünden kurz vor der Schwelle, zu einem totalitären Staat zu werden. „Wir sind nur noch ein kurzes Stück vom totalitären Staat entfernt“, fürchtet Binney. „Das Set-up ist da, die Regierung hat Informationen über jeden Bürger. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Grenze überschritten wird“, meint der frühere Geheimdienstmitarbeiter. „Der Unterschied zum KGB, der Stasi oder der Gestapo ist, dass die US-Geheimdienste die Informationen nicht breit gegen die Bevölkerung einsetzen, sondern selektiv. Aber die Gefahr ist, dass sich das ändert, dass diese Grenze überschritten wird. Wenn man Menschen Macht gibt, werden sie die Macht auch nutzen.“

Gefahr der Industriespionage – Snowdens Datenklau nicht bemerkt

Die von der NSA gespeicherten Daten seien aber auch eine große Gefahr für Unternehmen, so Binney. Zwar betreibe die NSA selbst seines Wissens keine direkte Industriespionage. Doch die Daten stünden auch anderen Diensten und Firmen zur Verfügung. „Die Datenbank der NSA wird zum Beispiel von Vertragsfirmen betrieben und gewartet. … Diese internationalen Vertragsfirmen suchen überall auf der Welt Aufträge. Es ist ein Leichtes für sie, in der Datenbank zu schauen, was ihre Wettbewerber machen“, erklärt Binney. „Oder sie werden bestochen, um Daten herauszufischen.“ Wenn Unternehmensdaten abgezogen werden, falle das der NSA ja nicht einmal auf. „Oh nein, die NSA hat keinerlei Möglichkeiten, nachzuverfolgen, wer was mit dem System macht.“

Das zeige sich auch daran, dass dem Geheimdienst nicht aufgefallen ist, dass Edward Snowden umfangreiche Daten heruntergeladen hat. „Natürlich gibt es Wege über Logfiles, das zu dokumentieren. Wir haben das damals in meiner Zeit auch gemacht“, so Binney. „Aber die Jungs bei der NSA sind nicht schlau genug dafür. Normalerweise hätten sie in Millisekunden mitbekommen müssen, dass Snowden die ganzen Dokumente herunterlädt. Aber sie haben es gar nicht bemerkt.“

Das vollständige Interview finden Sie in der am Freitag erscheinenden Printausgabe der VDI nachrichten.

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