Schutz vor Spionage 15.07.2014, 12:01 Uhr

NSA-Ausschuss will zurück zur Schreibmaschine

Tablet mit Touchscreen und WLAN Pustekuchen: Der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags überlegt ernsthaft, künftig wieder in die Tasten mechanischer Schreibmaschinen zu hauen. Anders scheint dem Spionagedrang des US-Geheimdienstes nicht beizukommen sein. 

Die Schreibmaschine für den NSA-Ausschuss aus dem Schrank zu kramen, halten einige Mitglieder für unangebracht. Russische Sicherheitsbehörden setzen laut Medienberichten schon längst wieder verstärkt auf das technische Relikt. 

Die Schreibmaschine für den NSA-Ausschuss aus dem Schrank zu kramen, halten einige Mitglieder für unangebracht. Russische Sicherheitsbehörden setzen laut Medienberichten schon längst wieder verstärkt auf das technische Relikt. 

Foto: dpa/Jan Woitas

So mancher Fernsehzuschauer traute wahrscheinlich seinen Ohren kaum: In einem Bericht des Morgenmagazins fragte ARD-Moderatorin Christiane Meier den Vorsitzenden des NSA-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Patrick Sensburg (CDU), ob man schon darüber nachgedacht habe, für eine abhörsichere interne Kommunikation Schreibmaschinen statt Computer zu verwenden. Sie musste sich dabei verkneifen, ihr Lächeln zu einem Lachen ausufern zu lassen. Umso erstaunlicher die Antwort von Sensburg: „Tatsächlich haben wir das – und zwar eine nicht elektronische Schreibmaschine.“ Meier war baff und fragte, ob das wirklich der Fall sei. Sensburg daraufhin überzeugend: „Ja, kein Scherz.“

Schreibmaschine statt Computer: Einige UA-Mitglieder greifen sich an den Kopf

Martina Renner, die Obfrau für DIE LINKE im NSA-Ausschuss, machte ihrem Unmut auf Twitter Luft: „Bevor ich Schreibmaschine nutze, Zettelchen nach dem Lesen verbrenne, schaffe ich lieber die Geheimdienste ab.“ Als Antwort auf ihren Post schrieb Online-Redakteur Stefan Wogawa: „Gute Antwort! Es gibt aber inzwischen Leute, die nehmen den Schreibmaschinen-Schmarrn wirklich ernst.“

Unmissverständliche Worte von Martina Renner (DIE LINKE). Auch ihr UA-Kollege Christian Flisek (SPD) ist der Meinung, das Spionageabwehr anders geht. 

Unmissverständliche Worte von Martina Renner (DIE LINKE). Auch ihr UA-Kollege Christian Flisek (SPD) ist der Meinung, das Spionageabwehr anders geht. 

Foto: Twitter

Doch ganz weltfremd ist die Idee nicht, wieder auf das technische Relikt zurückzugreifen. Letztes Jahr berichteten Medien, dass russische Sicherheitsbehörden wieder verstärkt auf die gute alte Schreibmaschine setzen. Daran glaubt allerdings auch Christian Flisek nicht. Der Sprecher der SPD im NSA-Untersuchungsausschuss (UA) twitterte: „Man kann die Arbeit des UA auch mit der Forderung nach mechanischen Schreibmaschinen ins Lächerliche ziehen, Spionageabwehr geht anders.“

Klassikmusik soll Gespräche übertönen

Doch wie soll sich der Untersuchungsausschuss gegen das große Ohr des neugierigen US-Geheimdienstes schützen? „Die wirklich geheimen Sitzungen werden in einem Raum stattfinden, der abhörsicher ist“, sagte Sensburg im Morgenmagazin. Die Mitglieder legen ihre Handys vor den Besprechungen in einen sargähnlichen Behälter vor dem Besprechungsraum, berichtet die Welt. Bevor Sensburg sein Gerät hineinlegt, schaltet er angeblich laute Klassikmusik von Edvard Grieg ein, um Gesprächsfetzen zu übertönen.

Kryptohandys bereits entschlüsselt

Doch wann immer man Inhalte elektronisch dokumentiert und transportiert, besteht die Gefahr, dass die NSA sie abfängt. Dagegen hilft kein abhörsicherer Raum und anscheinend sind auch die neuen Kryptohandys der Politiker wirkungslos. Ende Juni sagte ein ranghoher US-Geheimdienstmitarbeiter gegenüber der Bild am Sonntag, dass die Kryptohandys bereits entschlüsselt seien. „Die technischen Veränderungen der Handys beeinträchtigen unsere Arbeit nicht.“

Bestechliche Mitarbeiter

Vorbei mit der Sicherheit ist es sowieso dann, wenn bestechliche Mitarbeiter Unterlagen direkt an die NSA verkaufen. So geschehen im Fall Markus R. Anfang Juli. Der Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) kopierte mindestens 218 Dokumente aus dem BND und lieferte sie seit 2012 wöchentlich an die Amerikaner. Die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes wurde auf sein Spiel aufmerksam, als er seine Spionagedienste auch den Russen in einer E-Mail anbot. 

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