Datenschutz 11.03.2011, 19:52 Uhr

Mit intelligenten Systemen werden Verkehrsteilnehmer gläsern

Fahrzeuge, die sich gegenseitig vor Glatteis oder Vogelschwärmen warnen, Straßenbahnen, die elektronisch registrieren, wer wo ein- und aussteigt: Intelligente Verkehrssysteme sind keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits mitten in der Erprobung. Experten fordern jedoch, über den faszinierenden technischen Fortschritt den Datenschutz nicht zu vergessen.

„Einen gläsernen Verkehrsteilnehmer darf es nicht geben“, betont Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch. Datensparsamkeit, Datenvermeidung und die Möglichkeit, auch weiterhin anonym am Verkehr teilzunehmen, sind für den FDP-Politiker die wichtigsten Ziele, wenn es um Zukunftsthemen wie car2X, also die Kommunikation von Fahrzeugen mit anderen Autos oder Infrastruktur, aber auch das eTicketing in Bussen und Bahnen geht. „Wichtig wird sein, Datenschutz von vornherein in technischen Konzepten zu berücksichtigen“, erklärt der Minister.

Verkehrsmobilität und Datenschutz sind auch nach Überzeugung des hessischen Datenschutzbeauftragten Michael Ronellenfitsch „Grundrechtspositionen, die im Zusammenhang gesehen werden müssen und sich wechselseitig verstärken“. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ende nicht an der Haustür. Technisch jedoch sei theoretisch alles möglich bis hin zu Bewegungsprofilen, die erstellt werden könnten, sobald die von den Fahrzeugen gesammelten Daten Personen zugeordnet werden.

Wo die Reise im Straßenverkehr und Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hingehen könnte, zeigen Beispiele aus der Rhein-Main-Region. SIM-TD (Sichere intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland) heißt das Projekt, das dafür sorgen soll, dass durch car2X-Kommunikation der Straßenverkehr sicherer, schneller und umweltfreundlicher läuft. 2009 gestartet, sind nun wesentliche Hard- und Softwarekomponenten für Fahrzeuge entwickelt.

Derzeit läuft die Integration der Systeme, die bis März 2012 abgeschlossen sein soll. Dann soll in einem weltweit einmaligen Feldversuch die car2X-Kommunikation auf Autobahnen und Straßen in und um Frankfurt – mit 400 Fahrzeugen unter realen Verkehrsbedingungen – getestet werden.

Das SIM-Kommunikationssystem macht sich nicht nur bereits eingeführte Sicherheitssysteme wie ABS oder ESC (Electronic Stability Control) zunutze, sondern basiert auch auf ergänzenden Sensorsystemen.

Hiermit ausgestattet können Testfahrzeuge Verkehrsinformationen, wie „Stauenden in Kurven“, „Eisglätte“ oder „Aquaplaning“, erfassen und über WLAN oder Mobilfunk an nachfolgende Fahrzeuge oder Verkehrsleitzentralen weiterleiten. Dieser Datenaustausch soll schnelle und flexible Reaktionen auf Gefahrensituationen ermöglichen. Der Datenpool kann aber auch zur Verkehrsanalyse verwendet werden.

Die Technik birgt jedoch auch rechtliche Fallstricke. Die Daten können nicht nur von Dritten abgefangen werden, wie Opel-Experte Hagen Stübing erklärt. Fraglich ist auch, ob Car2X-Informationen verbindlich sind oder nur den Charakter einer Empfehlung haben und wer haftet, falls die Warnungen falsch sind.

„Wir müssen den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre von vornherein ins Design einbinden“, betont Stübing. Um die Privatsphäre zu schützen, gelte es, den Inhalt der Nachricht und die Anonymität des Senders sicherzustellen und die Nachverfolgung von Fahrzeugen zu verhindern. Mehrere gleichzeitig verwendete Pseudonyme, die nur zeitlich begrenzt gültig sind und laufend wechseln, sollen die Spuren verwischen. Das reiche zumindest bei lokalen Angreifern aus.

Auch im ÖPNV ist die Elektronik auf dem Vormarsch. Fahrgäste des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) können schon jetzt ihren Fahrschein auf Chipkarten oder einem Smartphone verbuchen lassen, die dann an elektronischen Kontrollgeräten überprüft werden.

Den Vertrieb der eTickets und die Verwaltung der Kundendaten übernimmt ein verbundweites System. Dabei werden ständig Daten ausgetauscht, die nach maximal einem Monat gelöscht werden. Nach der vollständigen Markteinführung des eTickets will der RMV ab 2013 die nächste Stufe zünden und die automatische Fahrpreisfindung testen, erklärt Vertriebsleiters Walter Noé

Nach dem Prinzip des Check-in-Check-out würde das Ticket beim Betreten des Fahrzeugs aktiviert und beim Ausstieg deaktiviert. Noch einen Schritt weiter geht das sogenannte Be-in-Be-out-Verfahren, ein Raumerfassungssystem, bei dem eine Antenne die Anwesenheit des Fahrgastes während der Fahrt registrieren und über Mobilfunk an ein Hintergrundsystem meldet.

Eine Menge Daten würden bei diesem System tagtäglich hin und her fließen. Um am vollelektronischen eTicketing-Verfahren teilnehmen zu können, müssen auch persönliche Daten, Mobilfunknummer und Bankverbindung preisgegeben werden. „Bewegungsprofile wären möglich“, räumt Noé ein, „aber wir brauchen die Daten für die Bepreisung.“

Doch es soll niemand gezwungen werden, seine personenbezogenen Daten offenzulegen. Für Zweifler werde es eine Prepaid-Variante geben, bei der vorweg ein fester Betrag auf Chipkarte oder Handy gespeichert werden kann. „Wer will“, betont der RMV-Vertriebschef, „kann bei uns auch weiter anonym mitfahren.“ JUTTA WITTE

Stellenangebote im Bereich Technischer Vertrieb & Beratung

Spinner GmbH-Firmenlogo
Spinner GmbH Technischer Vertriebsmitarbeiter (w/m) im Außendienst München
Emerson Process Management GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
Emerson Process Management GmbH & Co. OHG Techniker / Ingenieur Vertriebsinnendienst (m/w/d) Langenfeld
Kistler Instrumente GmbH-Firmenlogo
Kistler Instrumente GmbH Vertriebsingenieur / Vertriebsmitarbeiter (m/w) im Außendienst für den Bereich Fügesysteme Raum Baden-Württemberg (Home-Office)
ARBURG GmbH + Co KG-Firmenlogo
ARBURG GmbH + Co KG Sales Data Analyst (m/w) Loßburg
ARBURG GmbH + Co KG-Firmenlogo
ARBURG GmbH + Co KG Key-Account-Manager (m/w) Loßburg
Emerson Process Management GmbH & Co. OHG-Firmenlogo
Emerson Process Management GmbH & Co. OHG Vertriebsingenieur Automatisierungstechnik (w/m/d) Vertriebsgebiet Bayern
ARBURG GmbH + Co KG-Firmenlogo
ARBURG GmbH + Co KG Länderreferent (m/w) Vertrieb Westeuropa Standort Lossburg Loßburg
Fife-Tidland GmbH-Firmenlogo
Fife-Tidland GmbH Inside Sales Engineer (m/w) Kelkheim
Wacker Chemie AG-Firmenlogo
Wacker Chemie AG Maschinenbauingenieur / Zertifizierter Ultraschallprüfer (w/m) Burghausen
DAIKIN Airconditioning Germany GmbH-Firmenlogo
DAIKIN Airconditioning Germany GmbH Vertriebsingenieur (m/w) Dresden (Home-Office)

Alle Technischer Vertrieb & Beratung Jobs

Das könnte sie auch interessieren