Ernährung 14.06.2002, 18:20 Uhr

Magere Zeiten für Fast Food-Fans

Der Krebs erregende und Erbgut verändernde Giftstoff Acrylamid ist jetzt auch von deutschen und schweizerischen Labors in Kartoffelchips, Cornflakes, Pommes frites und sogar Brot gefunden worden. Forscher am Berliner NAFU-Institut haben damit die erschreckenden Ergebnisse schwedischer Behörden von Ende April bestätigt.

Noch weiß niemand genau, wie das Gift in die Lebensmittel gelangt. Fest steht nur, dass es bei extrem hohen Temperaturen in Kohlenhydraten gebildet wird – also etwa beim Braten oder Frittieren von Kartoffeln oder auch beim Brotbacken. „Wenn Sie zu Hause Bratkartoffeln machen, kann das auch passieren“, erklärt Ursula Gundert-Remy, stellvertretende Leiterin des Bundesinstituts für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Berlin. „Es ist weder etwas Verbotenes gemacht worden, noch kann von Schlamperei die Rede sein“, begegnet sie voreiligen Schuldzuweisungen.

Acrylamid auch in Lebensmittelverpackungen

Als Baustein für Kunststoffe findet sich Acrylamid auch in Lebensmittelverpackungen. Im Tierversuch erwies es sich als Krebs erregend. Den daraus abgeleiteten Grenzwert überschritten die frittierten und gebratenen Lebensmitteln nun zum Teil extrem.
Jörg Häseler, Sprecher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam, hält trotzdem nichts von einem Pauschalurteil gegen den Genuss von Pommes frites oder Chips: „Die Datenlage ist noch zu ungenau“, argumentiert er. Auch für die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn lässt das Ergebnis der Untersuchung noch keine gesicherten Aussagen über gesundheitliche Risiken zu. Dafür sei weitere Forschung nötig.

Bislang war Acrylamid nur in Kunststoffen, Kosmetik wie Haar-Shampoo oder Körperlotion sowie in Wasser zu finden. Der Grenzwert liegt bei 1µg/l Wasser. Erst eine völlig neue Messmethode brachte die schwedischen Forscher auf die Spur von Acrylamid in Kartoffelprodukten: Sie ermittelten mehr als das Tausendfache des Grenzwerts. Doch auch in Müsli, Cornflakes, Smacks und selbst in Knäckebrot tauchte der Giftstoff auf.

Grenzwert bei Fast Food-Ketten weit überschritten

Am höchsten belastet waren Pommes frites von Burger King: Sie überschritten den Grenzwert rund 100 Mal. Kaum besser war es bei der Konkurrenz McDonalds und Kentucky. Nur eine einfache Frittenbude in Berlin schnitt noch relativ gut ab: Sie kam gerade mal auf ein Drittel der Belastung.
Ein ähnliches Bild zeichnete sich bei den Kartoffelchips ab. Spitzenreiter war hier im Vergleich der Stichproben eine Packung Chipsfrisch von funny – sie lag rund 100 Mal höher als der Grenzwert. Fast genauso: Pringles Original und Chio Chips Red Paprika. Und immer noch 20 Mal über dem Grenzwert landeten IBU Chips von Aldi und Chips knabberfrisch von Lidl.
Nur Müsli-Esser können beruhigt sein. Ungeröstete Nüsse, Rosinen und Getreideprodukte sind frei von Acrylamid. Doch Obacht: Sind die Frühstücksflocken geröstet, bildet sich auch hier giftiges Acrylamid. Spitzenreiter war eine Probe Nut Crisps von Aldi. Sie überschritt 30 Mal den Grenzwert. Nestlés Mandel Nuss Clusters waren ein Drittel weniger belastet ebenso wie Flakers Honey and Peanuts. Kellogg’s Choko Krispies hingegen lagen „nur“ drei Mal über dem Grenzwert.
Auch Knäckebrot kann mit Acrylamid verseucht sein. Das NAFU-Labor fand aber erhebliche Unterschiede: Roggen-Vollkorn von Burger ist gut 30 Mal höher belastet als erlaubt, ebenso wie Wasa Vollkorn-Knäcke. In Vollkorn-Knäcke Lieken Urkorn fand sich dagegen fast kein Acrylamid. Allerdings war auch nur stichprobenartig untersucht worden.
Wie gefährlich die gemessenen Werte für den Verbraucher sind, kann heute noch keiner beantworten. Das Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Veterinärmedizin hält es für möglich, dass sich die Behörden, Regierungen und die EU entschließen Produkte mit einem hohen Acrylamid-Gehalt zu verbieten.

Bei maßvollem Genuss besteht kaum Gefahr

Chips und Pommes – bloß nicht täglich
Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) rechnet vor, wie sehr die Acrylamid-Aufnahmemenge von den Ernährungsgewohnheiten abhängt. Wer täglich eine ordentliche Portion Pommes frites und eine Tüte Kartoffelchips verzehrt (Säule A), überschreitet den Grenzwert von 1 mg/kg Körpergewicht/Tag dramatisch. Beschränkt man den Genuss dieser Snacks aber auf jeweils einmal pro Woche (Säule B), so hält sich die aufgenommene „Giftmenge“ in tolerierbaren Grenzen – die Belastung sinkt auf rund ein Fünftel. Besonders gefährdet bleiben allerdings Kinder.

Was steckt drin in unserem Essen?

Nahrungsmittel Konzentration an Acrylamid (mg/kg) Verzehrsmenge
pro Tag
Kartoffelchips 2300 200g (1 Tüte)
Pommes Frites 1100 236 g
(1 Portion)
Bisquits und Kräcker 650 200 g (1 Tüte)
Knäckebrot 1900 17 g
Frühstückscerealien 1400 34 g
Korn Crisps 180 20 g
Brot 60 205 g

Quelle: Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV)

Von Bgvv/Bettina Reckter

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