340 Sextillionen Schlüsselkombinationen 26.10.2013, 07:12 Uhr

Kryptotechnologie soll Regierungshandys abhörsicher machen

Während des Lauschangriffs der NSA auf Angela Merkel nutzte sie offenbar ihr Parteihandy. Und da ist Abhören kein Hexenwerk, weil es nicht so gut geschützt ist wie ihr Diensttelefon. Doch auch neue Regierungshandys, gesichert mit Kryptotechnologie, haben Schwachstellen.  

Schlupfloch für die NSA könnte das ungesicherte Parteihandy der Bundeskanzlerin gewesen sein. Eventuell installierten Experten per SMS aus der Ferne eine entsprechende Software. 

Schlupfloch für die NSA könnte das ungesicherte Parteihandy der Bundeskanzlerin gewesen sein. Eventuell installierten Experten per SMS aus der Ferne eine entsprechende Software. 

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

„Ausspähen unter Freunden – das geht gar nicht“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim EU-Gipfel zur NSA-Affäre. Moralisch und juristisch hat sie Recht. Technisch ist das aber kein Problem. Denn für die Telefonate, die die NSA offenbar abhörte, benutzte die Bundeskanzlerin kein abgesichertes Handy, sondern ihr Partei-Handy, ein älteres Nokia-Modell.

Ausspähen von Standard-Handys ist für die NSA ein Kinderspiel

Das Ausspionieren von solchen Standard-Mobiltelefonen sei leicht, wie der IT-Sicherheitsexperte Magnus Harlander im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erläutert. Nötig sei dazu nur ein sogenannter IMSI-Catcher, den sich jeder in einer einfachen Version mit einem Bausatz für 200 bis 300 Euro selbst zusammenbasteln könne. Die Handys ließen sich aber auch einfach aus der Ferne manipulieren. Auch dafür seien keine speziellen Kenntnisse nötig. Es reiche unter Umständen schon, der Zielperson eine SMS zu schicken, um auf deren Handy zusätzliche Software zu installieren. Auf diese Weise wurde auch Angela Merkels Partei-Handy ausspioniert, vermutet Harlander.

Kryptotechnologie gilt als unknackbar

Kryptotechnologie des Unternehmens Secusmart soll neue Mobiltelefone der Regierungsmitglieder abhörsicher machen. Die Secusmart Security Card ist eine Micro-SD-Karte mit einem eingebauten Krypto-Prozessor. Der sorgt für die Verschlüsselung von Sprache und Daten und die Authentifizierung der Gesprächsteilnehmer. Verwendet wird dafür eine AES-Verschlüsselung mit 128 Bit. Sie ermöglicht 340 Sextillionen verschiedene Schlüssel – also die Zahl 340 gefolgt von 36 Nullen.

Diese Verschlüsselung konnte nach derzeitigem Wissensstand bisher niemand knacken. Experten gehen davon aus, dass selbst die NSA sie nur in speziellen Einzelfällen entschlüsseln kann – wenn überhaupt. „Selbst mit Spezial-Rechnern bräuchte man nach heutigem Stand der Technik theoretisch 149 Billionen Jahre, um diesen Code zu knacken. Das ist etwa 10 000-mal länger als das Universum alt ist. Da ist auch die USA noch eine Weile beschäftigt“, ist Geschäftsführer Hans-Christoph Quelle vom Produkt überzeugt.

Die Schwachstelle: Beide Handys müssen abhörsicher sein

Es reicht allerdings nicht aus, wenn Angela Merkel künftig nur noch mit ihrem sicheren Dienst-Handy telefoniert. Auch ihr jeweiliger Gesprächspartner braucht eins, damit die End-zu-End-Verschlüsselung für Abhörsicherheit sorgen kann. Garantierte Sicherheit gebe es aber auch bei der neuesten Generation der Regierungs-Handys nicht, meint Wilhelm Decker von der auf Telekommunikation spezialisierten Sicherheitsfirma Beaucom. „Es ist letztlich nur eine Frage des Aufwandes, in diese Systeme einzudringen.“ 

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