In Nahost belauscht 04.08.2014, 12:06 Uhr

Israel hörte angeblich das Telefon von US-Außenminister Kerry ab

Diesmal ist es nicht die NSA, die in befreundeten Ländern spioniert, sondern umgekehrt: Israelische Agenten sollen John Kerrys Telefonate mitgehört haben. Dabei kooperieren die Geheimdienste beider Staaten seit Jahren besonders eng.

US-Außenminister John Kerry ärgert sich, dass seine Telefongespräche im Nahen Osten von Israel abgehört wurden. Im Netz gibt es dafür angesichts der NSA-Affäre nur hämische Kommentare.

US-Außenminister John Kerry ärgert sich, dass seine Telefongespräche im Nahen Osten von Israel abgehört wurden. Im Netz gibt es dafür angesichts der NSA-Affäre nur hämische Kommentare.

Foto: dpa

Das Verhältnis der USA zu Israel ist derzeit angespannt genug. Die Luftangriffe auf den von Palästinensern bewohnten Gazastreifen mit vielen zivilen Opfern stellen die traditionell hohe Solidarität der Amerikaner mit den Israelis auf die Probe. US-Außenminister John Kerry hat sich mit wiederholten Forderungen nach einer längeren Waffenruhe Kritik aus dem Regierungslager eingefangen. Dass die Beziehungen schon länger von Misstrauen geprägt sind, scheint nun ein Bericht des Magazins Der Spiegel zu bestätigen: Danach haben israelische Agenten Kerry schon im vergangenen Jahr abgehört, während er versuchte, im Nahostkonflikt zu vermitteln.

Kerry hatte demzufolge nicht nur verschlüsselte Leitungen, sondern auch ganz normale Telefone genutzt. Israelische Agenten hörten mit, schreibt das Magazin unter Berufung auf mehrere Geheimdienste. Offiziell bestätigt oder auch nur kommentiert ist das bislang nicht. Laut Spiegel hat mindestens noch ein weiterer Geheimdienst die Telefonate mitgehört.

Kerry soll in abhörsicherem Zelt telefonieren

Ob Kerry tatsächlich „interessante“ Gespräche über die offenen Leitungen führte, ist allerdings fraglich. Mitglieder der US-Regierung reisen seit Jahren mit einer umfangreichen Anti-Spionage-Ausstattung, zu denen nach verschiedenen Medienberichten auch ein abhörsicheres Zelt gehören soll, das in Hotelzimmern aufgestellt wird.

US-Außenminister John Kerry und der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas: Israel soll Kerry schon im vergangenen Jahr bei seinen Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten abgehört haben. 

US-Außenminister John Kerry und der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas: Israel soll Kerry schon im vergangenen Jahr bei seinen Vermittlungsbemühungen im Nahen Osten abgehört haben. 

Foto: dpa

Der Whistleblower Edward Snowden hatte in der Vergangenheit Dokumente enthüllt, nach denen die Geheimdienste beider Länder intensiv zusammenarbeiten. Dazu gehöre, dass die NSA den Israelis umfangreiche Daten aus ihren Abhöraktionen zur Verfügung stelle – auch über US-Bürger, deren Aktivitäten für Israel interessant sein könnten. Nach einem Bericht des britischen Guardian, der über zahlreiche Dokumente aus Snowdens Besitz verfügt, ist dieser Austausch in einem Abkommen festgehalten. Demnach übergebe die NSA den Israelis ungefiltertes, nicht anonymisiertes Material.

USA finanzieren Israels Raketenabwehr mit 168 Mio. Euro

Gleichzeitig sind die USA bemüht, keine allzu großen Zweifel an ihrer Solidarität aufkommen zu lassen. Der Kongress beschloss in der vergangenen Woche, den Israelis umgerechnet 168 Millionen Euro für die Anschaffung von Abfangraketen zu überweisen. Für die Entscheidung gab es eine große Mehrheit von 395 Ja- bei nur acht Nein-Stimmen. Die Waffen sollen Israel helfen, Raketen der Hamas, die aus dem Gazastreifen abgefeuert werden, schon in der Luft zu zerstören.

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