Sicherheitssysteme 25.05.2012, 11:56 Uhr

Intelligente Videoüberwachung: Fluch und Segen zugleich

Der Begriff „Intelligente Sicherheitssysteme“ klingt relativ unverfänglich. Die Möglichkeiten dieser Techniken treiben jedoch nicht nur Datenschützern die Sorgenfalten auf die Stirn. Denn auch unbescholtene Bürger können schnell ins Visier der hoch entwickelten Software zur Videoüberwachung geraten.

Zurzeit gibt es in Europa rund um das Thema „Intelligente Sicherheitssysteme“ fast 100 Forschungsprojekte. An beinahe allen sind staatliche Stellen, Industrie und Wissenschaft beteiligt. „Die meisten Projekte beschäftigen sich mit der automatisierten Auswertung von Sensordaten“, sagte Michael Barth, Referent im Bitkom für den öffentlichen Sektor.

Am bekanntesten und umstrittensten ist das von der EU 2009 gestartete und rund 15 Mio. € teure Forschungsprogramm Indect. Die Abkürzung steht für „Intelligent information system supporting osbservation, searching and detection for security of citizens in urban environment“. Es wird voraussichtlich bis 2013 laufen.

Der Fokus von Indect liegt auf der computergestützten Videoüberwachung

Eine wichtige Rolle spielt darin die computergestützte Videoüberwachung. Zur effektiven Verbrechensbekämpfung soll sie helfen, Straftaten in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen. Über Mustererkennung werden Bewegungen und Verhalten von Bürgern ausgewertet. Die Videoaufzeichnungen werden dabei mit Daten aus anderen Informationsquellen kombiniert.

Das könnte so weit gehen, dass Autofahrer, die mehrfach um ihren Wagen herumgehen, um zu sehen, ob er beim Parken beschädigt wurde, von der Videotechnik als potenzielle Autodiebe eingestuft werden, woraufhin weitere Maßnahmen wie die Abfrage der Daten von Kfz und Halter und sogar die Verfolgung durch Drohnen eingeleitet werden. Selbst dem BKA ging der „Überwachungsgedanke“ von Indect zu weit, so dass es eine Mitarbeit ablehnte.

Grundsätzlich besteht die Krux darin, ob eine noch so hoch entwickelte Technik überhaupt in der Lage sein kann, untypisches, aber legales Verhalten sinnvoll vom „typischen“ Verhalten von Kriminellen vor Begehung von Straftaten abzugrenzen.

Datenschützer: Völlig normales Verhalten könnte Verdacht erregen

Entsprechend kritisch fällt die Beurteilung durch die Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern aus. „Bei völlig normalem Verhalten könnte man in Verdacht geraten“, warnte die brandenburgische Datenschutzbeauftragte Dagmar Hartge. Die Persönlichkeitsrechte müssten bereits bei Ausschreibung der Projekte berücksichtigt werden. „Projekte, die gegen Datenschutzvorschriften verstoßen, sollten nicht mit öffentlichen Geldern gefördert werden“, forderte sie.

In einer Entschließung kritisierten Datenschutzbeauftragte kürzlich den Anpassungsdruck, den solche Überwachungssysteme bei Bürgern erzeugen, und die Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Allerdings wollte Hartge die Technik nicht verteufeln, wie sie sagte. „Die Mustererkennung kann sogar zu einem besseren Datenschutz der Bürger führen.“

Auch das Bundesforschungsministerium beschäftigt sich mit der Mustererkennung als wesentlichem Element künftiger Sicherheitssysteme: Fünf der 122 Einzelprojekte des „Forschungsprogramms für die zivile Sicherheit“ sollen mit einem Gesamtvolumen von über 10 Mio. € insbesondere präventive Lösungen zum Schutz von stark frequentierten oder gefährdeten Orten hervorbringen und auch der Unterstützung von Grenzkontrollen dienen.

Das gesamte Programm baut auf „szenarienorientierter Forschung“ auf, das heißt, die Anforderungen der Nutzer wie Polizei, Rettungskräfte und Infrastrukturbetreiber werden von Beginn an einbezogen. Vor allem in der Erkennung von Mustern, die aus unterschiedlichen Datenquellen wie Kameras und Sensoren stammen, sieht das Ministerium Forschungsbedarf.

Akzeptanz der Videoüberwachung ist wichtig

So soll z. B. im Verbundprojekt CamInSens die Auswertung von Bildfolgen dem Identifizieren auffälliger Bewegungsmuster und der Kamerasteuerung dienen. Das Vorhaben Adis will Fahrgästen in U-Bahnhöfen die Entscheidung überlassen, ob sie sich in speziell ausgewiesene Bereiche begeben wollen, wo sie mit intelligenter Videotechnik überwacht werden. Für die automatische Auswertung wird eine eigene Beschreibungssprache erarbeitet, die Gestik, Mimik und Situationen modelliert und interpretierbar macht.

Besonders wichtig ist dem Ministerium nach Angaben eines Sprechers die Akzeptanz der Überwachungstechnik. Das Vorhaben MuViT hat daher das Ziel, für die Mustererkennung und das Videotracking Kriterien zu entwickeln, wie, an welchen Orten und unter welchen Bedingungen die Systeme gesellschaftlichen, ethischen und rechtlichen Anforderungen genügen können.

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