Tarnnamenliste gestohlen 14.01.2015, 15:16 Uhr

Identität von 3500 BND-Agenten ist aufgeflogen

Rund die Hälfte der Agenten des Bundesnachrichtendienstes ist nicht mehr geheim: Auf einer Festplatte des als CIA-Spion enttarnten BND-Mitarbeiters Markus R. haben Fahnder eine Liste entdeckt. Darauf sind die Klar- und Tarnnamen von 3500 Agenten aufgeführt. 

Eingang zum Gelände des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach/Landkreis München. Der BND beschäftigt 6500 Agenten. 3500 Tarnnamen stehen auf der Liste, die Doppelagent Markus R. gestohlen hat. Unklar ist, ob er sie verkauft hat. 

Eingang zum Gelände des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach/Landkreis München. Der BND beschäftigt 6500 Agenten. 3500 Tarnnamen stehen auf der Liste, die Doppelagent Markus R. gestohlen hat. Unklar ist, ob er sie verkauft hat. 

Foto: dpa/Peter Kneffel

Sie bildet sozusagen den geheimen Gral eines jeden Geheimdienstes: die Liste mit den Klarnamen der unter Decknamen tätigen Agenten. Im Hollywood-Reißer Mission Impossible aus dem Jahre 1996 ist gut zu verfolgen, welchen Aufwand der von Tom Cruise verkörperte Geheimagent Ethan Hunt betreiben muss, um an eine solche Klarnamenliste zu kommen. Immerhin muss er dafür in das streng geschützte Hauptquartier der CIA in Langley in Virginia eindringen.

Der im letzten Juli beim Bundesnachrichtendienst (BND) enttarnte Doppelspion Markus R. hat ein solches Kunststück vollbracht: Auf einer bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmten privaten Festplatte fanden Fahnder bei einer systematischen Auswertung eine brisante Liste. Sie enthält die echten Namen und die Decknamen von 3500 Agenten des BND. Das hat die Bild-Zeitung jetzt unter Berufung auf Sicherheitskreise veröffentlicht. Damit ist über die Hälfte der 6500 Agenten des Bundesnachrichtendienstes enttarnt.

Doppelspion arbeitete in der Abteilung „Einsatzgebiete Ausland“

Der 31-jährige Markus R. musste nicht so akrobatisch begabt sein wie Ethan Hunt. Er arbeitete in der Registratur der Abteilung „Einsatzgebiete Ausland“. Diese ist für die Kommunikation mit den Stationen des BND im Ausland und auch für die Kontakte zu den Partner-Geheimdiensten anderer Länder verantwortlich. Außerdem versorgt sie die Bundeswehr bei Auslandseinsätzen mit Informationen zum Schutz deutscher Soldaten. Die gestohlene Liste ist als streng geheim eingestuft und enthält die Namen der Agenten der Abteilung.

Ob der Spion die Liste verkauft hat, ist unklar

Bisher gingen die Behörden davon aus, dass Markus R. erst seit dem Jahre 2012 für die CIA gearbeitet hat. Das jedenfalls gab er in der Vernehmung nach seiner Festnahme an. 25.000 Euro will er von der CIA für seine Dienste erhalten haben. Die jetzt auf seiner privaten Festplatte gefundene Liste stammt allerdings aus dem Jahre 2011. Dem Doppelagenten wird vorgeworfen, mindestens 208 geheime BND-Dokumente an den US-Geheimdienst verkauft zu haben. Ob sich die jetzt gefundene Liste mit den 3500 Agenten darunter befindet, ist unklar. Laut ARD hat Markus R. die Liste nicht verkauft.

Tom Cruise muss sich als Geheimagent Ethan Hunt in der Filmreihe Mission Impossible einiges einfallen lassen, um an Geheimdaten zu kommen. Markus R. hatte es da einfacher. Der Doppelagent arbeitete in der Abteilung „Einsatzgebiete Ausland

Tom Cruise muss sich als Geheimagent Ethan Hunt in der Filmreihe Mission Impossible einiges einfallen lassen, um an Geheimdaten zu kommen. Markus R. hatte es da einfacher. Der Doppelagent arbeitete in der Abteilung „Einsatzgebiete Ausland“ des BND.

Foto: Paramount Pictures

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Spiegel wurde der Doppelagent aus der US-Botschaft in Wien gesteuert. Die Übergabe immer neuer geheimer Dokumente fand bei mehren konspirativen Treffen zwischen CIA-Agenten und Markus R. in Salzburg statt. Dem Bericht zufolge hat Markus R. auch nicht nur 25.000 Euro erhalten, sondern 75.000 Euro. Markus R. leidet laut Spiegel an einer Behinderung, die auf einen Impfschaden zurückgeht, den er im zarten Alter von einem Jahr in der DDR abbekommen hat.

Markus R. bot auch den Russen seine Dienste an

Sonderlich verbunden scheint sich Markus R. weder dem BND, noch der CIA zu fühlen. Angst vor einer Enttarnung hatte er offenbar auch nicht wirklich: Denn im Mai 2014 flog er auf, weil er eine unverschlüsselte E-Mail von einem Google-Mail-Konto an das russische Generalkonsulat in München schrieb, in der er sich ebenfalls als Zuträger geheimer Informationen andiente.

 

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