Automatisches System analysiert Inhalte 17.04.2014, 14:35 Uhr

Geschockte User: Google gibt zu, E-Mails mitzulesen

Google hat jetzt öffentlich bekannt, E-Mails der Kunden von Googlemail mitzulesen. Gleichzeitig hat der IT-Gigant seine Nutzungsbedingungen geändert, damit niemand an der Legalität des Ausspähens zweifeln kann. Man wolle ohnehin nur zugeschnittene Werbung anbieten. 

Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google im kalifornischen Mountain View. Der Konzern hat nun zugegeben, dass er die E-Mails der Kunden scannt, um zugeschnittene Suchergebnisse und Werbung anbieten zu können. 

Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google im kalifornischen Mountain View. Der Konzern hat nun zugegeben, dass er die E-Mails der Kunden scannt, um zugeschnittene Suchergebnisse und Werbung anbieten zu können. 

Foto: dpa/Christof Kerkmann

Mit dem Slogan „Think again!“ forderte Microsoft im Februar in seiner Scroogled-Kampagne gegen Googles E-Mail-Dienst Gmail die Benutzer auf, darüber nachzudenken, ob sie wirklich glauben, dass Google ihre Privatsphäre schütze. Dann folgte eine kurze Erklärung mit der Feststellung, dass Google den Inhalt jeder E-Mail auf Stichworte prüfe, um dazu passende Werbeanzeigen schalten zu können.

Zum eigenen E-Mail-Dienst des Konzerns aus Redmond hieß es in der Kampagne: „Outlook.com ist anders – wir lesen keine E-Mails, um Werbung zu verkaufen.“ Microsoft forderte die Nutzer sogar dazu auf, eine Petition zu unterzeichnen, die Google zur Änderung dieser Praktiken bewegen soll.

Geänderte Nutzungsbedingungen sorgen für Rechtssicherheit 

Passiert ist aber genau das Gegenteil – Google ging in die Offensive. Statt die Schnüffelei in den E-Mails und Google-Drive-Dokumenten der Kunden zu unterlassen, änderte der als Suchmaschine groß gewordene Internet-Riese einfach seine Geschäftsbedingungen und erlaubt sich jetzt selbst das Ausspionieren seiner Nutzer – zunächst nur in der englischen Version. 

In den deutschen Nutzungsbedingungen findet man zwar einen Link zum Update der Geschäftsbedingungen mit Datum vom 14. April 2014, das Anklicken führt allerdings auf die Version vom 11. November 2013, in der die entsprechende Passage noch fehlt. Deshalb gelten diese neuen Nutzungsbedingungen auch nicht für Deutschland.

Automatisches System analysiert Mails im Postfach 

In den geänderten englischsprachigen Geschäftsbedingungen heißt es jetzt: „Unser automatisches System analysiert Ihre Inhalte (inklusive E-Mails), um Ihnen relevante Funktionen wie auf Sie zugeschnittene Suchergebnisse, Werbung sowie Spam- und Schadsoftwareerkennung zur Verfügung zu stellen. Diese Analyse findet bei ein- und ausgehenden sowie derzeit im Postfach befindlichen E-Mails statt.“

Die Absicht dahinter ist auch klar: Google will den Nutzern individuell relevante Produktfeatures anbieten – unter anderem personalisierte Suchresultate oder Werbung. Der Konzern stellte aber deutlich heraus, dass die analysierten Inhalte nicht etwa von Menschen ausgewertet würden, sondern nur von Computern.

Von Klaus Ahrens Tags:

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