Social Media und Datenschutz 27.04.2018, 07:08 Uhr

„Geiz ist geil gilt auch für Daten in sozialen Medien“

Wie kann man Daten in sozialen Medien schützen und wer ist eigentlich in der Pflicht, die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen zu wahren? Wir haben nachgefragt.

Frauengesicht mit aufgedruckten Barcodes und QR-Codes

Daten sind bares Geld wert. Entsprechend werden sie gerne gesammelt.

Foto: panthermedia.net/Goodphotos

Das Landgericht Berlin hat Facebook untersagt, den Ortungsdienst in der fb-App sowie die Auffindbarkeit eines Profils in Suchmaschinen standardmäßig zu aktivieren (Az.: 16 O 341/15). Das Verfahren wirft ein Licht auf eine Branche, die im Verdacht steht, es mit der Privatsphäre der Nutzer nicht ganz so genau zu nehmen. Aber ist dieser Vorwurf gerechtfertigt? Wir haben Alexander Kretschmar, Experte für Datenschutz des Berufsverbands der Rechtsjournalisten e.V., gefragt.

ingenieur.de: Wer ist zum Schutz der Privatsphäre in der Pflicht, die sozialen Medien oder der Nutzer, der sich über die Plattformen profiliert?

Porträt von Alexander Kretschmar

Alexander Kretschmar studierte an der Humboldt-Universität zu Berlin Rechtswissenschaften mit Abschluss der juristischen Zwischenprüfung. Er ist in Berlin als freier Journalist für verschiedene Verbände tätig. Schwerpunkt seiner Beiträge bilden datenschutzrechtliche Themen.

Alexander Kretschmar: Personenbezogene Daten sind bares Geld wert, das wissen wir nicht erst seit den öffentlich bekannt gewordenen fragwürdigen Deals von Facebook. EU-Datenschutzgrundverordnung, ePrivacy-Verordnung sowie weitere datenschutzrechtliche Bestimmungen wie in den USA und anderen Drittstaaten nehmen die datenverarbeitenden Unternehmen – und damit auch Social-Media-Kanäle – sowie öffentlichen Stellen regelmäßig in die Pflicht. Verstöße können den Unternehmen auch schon empfindlich weh tun (z. B. Geldbußen bis 4 % des weltweiten Jahresumsatzes). Aber wo es um viel Geld geht, werden die ein oder anderen Risiken bekanntlich eher in Kauf genommen.

Deshalb sollten sich Nutzer nicht allein darauf verlassen, dass sämtliche Unternehmen sich an rechtliche Vorgaben halten, und sich stattdessen an den altbewährten Leitspruch: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, erinnern. Das gilt insbesondere auch in Bezug auf erteilte Einwilligungserklärungen im Zuge der Profilerstellung, denn durch diese haben die Plattform-Betreiber regelmäßig freie Hand.

Was können Nutzer tun, um ihre Daten zu schützen?

„Geiz ist geil“ – dieser sehr einprägsame Werbeslogan eines bekannten Elektronikhändlers ließe sich hier gut auf die Wahrung der allgemeinen Persönlichkeitsrechte übertragen: Je weniger Daten Betroffene in sozialen Netzwerken, aber auch Online-Shops oder über Apps & Co. von sich preisgeben, desto geringer die Gefahr, dass die Informationen in falsche oder unerwünschte Hände geraten.

Zwar gilt für die Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten u. a. der Grundsatz der Datensparsamkeit. Der Verlockung, immer mehr des kostbaren Rohstoffes zwischen die Finger zu bekommen, erliegen jedoch nicht nur altbekannte Datenkraken wie Facebook, Google & Co. Vor allem sollten Betroffene darauf achten, empfindliche personenbezogene Daten nicht öffentlich für jedermann zugänglich zu machen. Hier können die Unternehmen nämlich oftmals frei schalten und walten – ganz datenschutzkonform. Und nicht alles muss jeder wissen.

Darüber hinaus können Betroffene sich unterschiedlichster Strategien bedienen, um ihre personenbezogenen Daten im World Wide Web besser zu schützen: Von Pop-up- und Werbeblockern über strengere Privatsphäreeinstellungen bis hin zur IP-Verschleierung über Tor-Browser oder VPN-Clients, es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, sich vor den Datensammlern besser wegzuducken. Allerdings müssen sie dann hier und dort auch mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit im Netz rechnen.

Wichtig gerade im Zusammenhang mit Plattformen wie Facebook, Xing & Co. (aber auch bei der Nutzung von Apps): nach der Nutzung regelmäßig die Anwendung komplett schließen und sich ausloggen.

Welche Begrifflichkeiten sollte man dafür kennen?

Zuallererst sollten sich alle mit den Privatsphäreeinstellungen ihres Browsers sowie den einzelnen Social-Media-Kanälen vertraut machen. Hier lassen sich schon viele Anpassungen vornehmen. Etwa zu den Themen Sichtbarkeit, Aktivitätenverfolgung/“Do Not Track“-Einstellungen, Cookieverwendung, Standortdaten sowie Zugriff auf Kontakte. Auch der Gebrauch von privaten oder Inkognito-Browserfenstern kann den Datenfluss verringern – aber in aller Regel nicht gänzlich verhindern. Darüber hinaus können über Werbebanner personenbezogene Daten gesammelt werden. Hier können Werbeblocker helfen. Und natürlich sollten Sie AGB und Datenschutzerklärung einer Seite nicht ungelesen akzeptieren, da Sie hier ggf. in Vorgänge einwilligen, die Sie so gar nicht wollten.

Jeder Betroffene sollte sich darüber hinaus aber auch immer mit seinen Rechten auseinandersetzen: Auskunftsrecht, das Recht auf Widerspruch und Löschung von zu seiner Person gespeicherten personenbezogenen oder personenbeziehbaren Daten sind nur einige der wichtigsten durch den Datenschutz gewährleisteten Rechte einer natürlichen Person. Diese greifen auch gegenüber sozialen Netzwerken. Mit unserem Ratgeber versuchen wir deshalb auch, ein Stück datenschutzrechtliche Aufklärungsarbeit für Nutzer (nicht nur) von sozialen Netzwerken leisten.

Wie unterscheiden sich die Einstellungen von Linkedin, Xing und Facebook?

Bezogen auf die Bandbreite der möglichen Einstellungen in Sachen Datenschutz und Privatsphäre hat hier wohl Facebook die Nase vorn – vor LinkedIn und Xing. Eine detaillierte Gegenüberstellung ist hier aber nicht zwangsläufig aussagekräftig. Weniger Auswahl bedeutet nicht automatisch auch weniger Schutz – vielmehr sind User sogar nicht selten durch zu viele Einstellungsmöglichkeiten dazu geneigt, nur wenige bis gar keine Anpassungen vorzunehmen, da das Lesen, Verstehen und Anpassen viel Zeit in Anspruch nehmen kann.

Zu beachten ist dabei auch, dass bei diesen drei Plattformen regelmäßig unterschiedlich schützenswerte Personendaten preisgegeben werden: Während auf Xing und LinkedIn vornehmlich berufliche und weithin unverfängliche Informationen bereitgestellt werden, die auch in Bewerbungen oder auf Unternehmenswebseiten zu finden sein können, greift Facebook schon weit tiefer in den persönlichen Lebensbereich der Nutzer hinein.

Wofür nutzen die Plattformen die personenbezogenen Daten der Nutzer?

Die Antwort sollte sich in der Regel in der Datenschutzerklärung der jeweiligen Plattform finden, da die Zweckbindung der Datenerhebung und -nutzung ein wichtiger Datenschutzgrundsatz ist. Analyse des Nutzerverhaltens, personalisierte Werbung, personalisierte Stellenausschreibungen, Kontaktfinder oder Datenweitergabe gegen Aufpreis an Dritte: Die Möglichkeiten sind vielfältig und in der Regel haben die Nutzer mit Akzeptieren der Datenschutzerklärung hierin auch eingewilligt.

Es sollte also nicht zu vorschnell immer die alleinige Schuld bei Facebook, Twitter & Co. gesucht werden. Wirksam umgehen können Betroffene diese Vorgänge oftmals nur, indem Sie auf die Nutzung der Kanäle gänzlich verzichten oder zumindest stark einschränken und z. B. keine Klarnamen oder realen Personendaten  verwenden. Der Klarnamenpflicht bei Facebook wurde ja erst kürzlich vor dem Berliner Landgericht eine Absage erteilt.

Welche der Netzwerke halten Sie für am sichersten in Bezug auf die Privatsphäreeinstellungen der Nutzer?

Das muss wohl jeder User für sich selbst entscheiden, der Schwerpunkt wird in der langen Bandbreite zwischen den Vor- und Nachteilen der Nutzung unterschiedlich gelegt. Grundsätzlich ist die Gefahr der Preisgabe von beruflichen Informationen bei Xing und LinkedIn geringer – auch wenn über solche Informationen ebenfalls so einiges über eine natürliche Person in Erfahrung gebracht werden kann, zum Beispiel Bildungsgrad, gesellschaftlicher Einfluss oder politische Orientierung. Allein die Anpassung der Privatsphäreeinstellungen bietet häufig aber keinen umfassenden Datenschutz.

Zahlreiche Tipps zum Umgang mit einem Facebook-Profil hat die Verbraucherzentrale NRW in kurze Videoclips gepackt:

Wie Sie in fünf Schritten zum professionellen Social-Media-Profil gelangen und welches Business-Netzwerk überhaupt zu Ihnen passt, haben wir bereits für Sie aufgeschrieben. Welche Rolle Social Media mittlerweile in Bewerbungsverfahren spielt, lesen Sie hier.

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