Geldanlage 03.06.2011, 19:53 Uhr

Finanzberatung der Verbraucherzentralen: Fairer Rat ist rar

Für ihre Anlageberatung erhalten Banken und Sparkassen regelmäßig schlechte Noten. Eine unabhängige Beratung auf Honorarbasis könnte Abhilfe schaffen. Die Nachfrage danach wächst, doch die Verbraucherzentralen der Bundesländer weiten ihr Angebot nicht aus.

Als Ex-Journalist weiß Gerd Billen, was von ihm erwartet wird, wenn er vor die Presse tritt. „Die Probleme im Finanzmarkt sind massiv. Der Staat ist weder willens noch in der Lage, das an Überwachung zu leisten, was er müsste“, polterte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, Mitte April in Berlin. Die Verbraucherzentralen wollen deshalb mit der „Initiative Finanzmarktwächter“ mehr denn je auf Missstände in der Finanzbranche aufmerksam machen.

Undurchsichtige Provisionen, hohe Dispozinsen, miese Beratung – schon seit Jahren schlagen der ehemalige Grünen-Politiker und seine Mitstreiter auf die Banken ein. Als öffentliche Ankläger sonnen sie sich in der Aufmerksamkeit der Medien, doch wenn es darum geht, konkret zu helfen, tun sie sich schwer.

Verbraucherzentale NRW: Kein Geld für zusätzliche Finanzberatung

Beispiel Nordrhein-Westfalen: „Wir würden liebend gerne weitere Finanzberater einstellen, aber unser aktuelles Budget lässt das nicht zu“, sagt Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale NRW. Die gelernte Bankkauffrau, die in der Düsseldorfer Zentrale die Gruppe Finanzdienstleistungen leitet, muss mit vier festangestellten Finanzexperten das einwohnerstärkste Bundesland versorgen. So tingelt das Beraterquartett denn von Stadt zu Stadt, um Bürgern bei Immobilienfinanzierungen, Altersvorsorge, Geldanlage und Versicherungen zur Seite zu stehen.

Außerdem kooperiert Oelmann mit etwa 30 selbstständigen Honorarberatern, die im Auftrag der Verbraucherzentrale Beratungstermine wahrnehmen. „Wir würden die Zusammenarbeit mit Externen gerne noch ausweiten, aber es gibt nur wenige unabhängige Berater auf dem Markt“, so die Düsseldorfer Verbraucherschützerin.

Rund 10 000 Finanzberatungen hat die Verbraucherzentrale NRW in ihren fast 60 Niederlassungen im vergangenen Jahr durchgeführt – lächerlich wenig gemessen an Millionen von Bankgesprächen und dem wachsenden Interesse der Bürger an kompetenter, neutraler Information.

Dabei sind die Beratungsgespräche, die die Verbraucherzentralen bundesweit anbieten, keineswegs kostenlos. Wer sachverständigen Rat in Anspruch nehmen will, muss zahlen. Die Spanne reicht von 5 € bis 150 € pro Beratung. Im Schnitt werden Bürger mit 60 € pro Stunde zur Kasse gebeten. Für Normalverdiener sind das keine Peanuts. Dennoch decken die Erlöse unter dem Strich nicht einmal die Kosten der Beratungsstellen.

„Natürlich schlucken viele erstmal, wenn sie von unseren Beratungspreisen erfahren, aber die wenigsten lassen sich davon abschrecken. Aus Umfragen wissen wir, dass die meisten mit der Beratung zufrieden waren und das Honorar als angemessen empfanden,“ erläutert Oelmann.

Doch statt die Beratung auszuweiten, wird 2011 voraussichtlich noch weniger Verbrauchern geholfen werden können. Oelmann: „Der limitierende Faktor sind die Termine. Wir haben schon jetzt zum Teil Wartezeiten von über zwei Monaten.“

Auch Aigner wollte die Finanzberatung mit einer Initiative ausweiten

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner dürfte das nicht gefallen. Ende Februar hatte sie angekündigt, die Honorarberatung stärken zu wollen. Eine gesetzliche Regelung müsse her, um Privatkunden besser zu schützen.

Seit der lauten Ankündigung vor drei Monaten, ist es verdächtig still geworden um die Initiative. Es werde „intern beraten und geprüft“, heißt es aus Aigners Ministerium. Doch eine staatliche Förderung der Honorarberatung scheint angesichts leerer Kassen ausgeschlossen. Gegen weitere staatliche Auflagen werden sich die Banken vehement zur Wehr setzen. Viel spricht dafür, dass die Berliner Gesetzesinitiative heimlich beerdigt wird. Auch das Ministerium schließt das inzwischen nicht mehr grundsätzlich aus.

Für Verbraucher ist das eine schlechte Nachricht. Denn die Banken fahren ihre Investitionen in die Honorarberatung bereits zurück, wie die Unternehmensberatung Steria Mummert bei einer Befragung Ende letzten Jahres herausfand. Nur wenige Institute, wie Comdirect, Cortal Consors oder die Quirin Bank, setzen unverdrossen darauf, gegen Festhonorar oder einen bestimmten Prozentsatz des Depotvolumens ihre Expertise an den Mann oder die Frau zu bringen.

Verwunderlich ist die Zurückhaltung der Kunden nicht. Dass für früher kostenlose Beratungstermine plötzlich Geld verlangt wird, weckt Argwohn: Wird da nicht zusätzlich abgezockt? Auch das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Beratung dürfte nicht allzu groß sein. „Die Banken erwarten in absehbarer Zeit keine gesteigerte Zahlungsbereitschaft für Beratungsleistungen“, kommentiert Stefan Lamprecht, Senior Executive Manager bei Steria Mummert, die Ergebnisse seiner Studie.

Gerade in puncto Neutralität aber hätten die Verbraucherzentralen beste Karten. Sie profitieren nicht zuletzt vom guten Ruf ihrer Partnerorganisation Stiftung Warentest und deren Zeitschriften. Oelmann sieht ihre Arbeit dabei weniger als Konkurrenz zu den Banken denn als Ergänzung: „Unsere Beratung soll grundlegend sein. Wir wollen Basiswissen vermitteln und die Verbraucher fachlich fit machen. Nur so können sie Bankern im Beratungsgespräch auf Augenhöhe begegnen.“

Für dieses hehre Ziel stehen den Beratungsstellen an Rhein und Ruhr allerdings nur bescheidene Mittel zur Verfügung. Legt man den Jahresetat von knapp 30 Mio. € auf die Bevölkerung um, entfallen auf jeden Bürger 1,60 € – wohlgemerkt für alle Aufgaben der Einrichtung, nicht nur für Aufklärung und Beratung zu Finanzfragen. Verbraucherzentralen in anderen Bundesländern müssen mit noch weniger Geld auskommen.

NRW: Neuer Haushalt stellt mehr Geld für Finanzberatung bereit

Dem Enthusiasmus von Annabel Oelmann können solche Arbeitsbedingungen wenig anhaben. Die promovierte Volkswirtin hat mit ihren Mitarbeitern ein Portal entwickelt, das über einführende Artikel, Podcasts, Checklisten, grundlegendes Wissen vermitteln will (www.verbraucherfinanzwissen.de). Ein Diskussionsforum soll dafür sorgen, dass Verbraucher sich auch untereinander austauschen können.

Die Inhalte des Infoportals sind aktuell und informativ – nur das textlastige Behördenlayout zeigt, dass die Verbraucherzentralen dem digitalen Zeitalter hinterhertippeln. Kein Wunder, dass ihre „Kunden“ vergreisen, wie unter der Hand Verbraucherschützer klagen. Junge Leute fühlen sich vom verstaubten Auftritt der Konsumentenlobby kaum noch angesprochen.

Immerhin: Für Annabel Oelmann und ihre Kollegen gab es vor einer Woche eine erfreuliche Nachricht. Die rot-grüne Minderheitsregierung brachte den Haushalt 2011 durch den Landtag. Er sieht vor, dass die Verbraucherzentrale in diesem Jahr 1 Mio. € mehr erhält, vor allem um die Finanzberatung auszuweiten. In den kommenden vier Jahren soll es jeweils 800 000 € an zusätzlichen Mitteln geben. Oelmann: „Das wird unserer Arbeit weiteren Schub verleihen.“

Von Peter Schwarz

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