Gratisspiele als Kostenfalle 03.02.2014, 09:29 Uhr

EU-Kommission nimmt Freemium-Apps in die Mangel

Die EU-Kommission geht gegen sogenannte Freemium-Apps für Mobilgeräte vor, die durch eingebaute In-app-Verkäufe für immer mehr User zur Kostenfalle werden. Zuletzt löste die App-Version des Spiels Dungeon Keeper für weltweite Empörung. Spieler werden hier zum Zusatzkauf von Spieldiamanten verleitet. 

Mit der App-Version von Dungeon Keeper löste Spielhersteller EA einen Shitstorm aus. Im Laufe des Spiels werden Spieler unter anderem zum Kauf von Diamanten ermutigt. Besonders Kinder tappen schnell in diese Kostenfalle. 

Mit der App-Version von Dungeon Keeper löste Spielhersteller EA einen Shitstorm aus. Im Laufe des Spiels werden Spieler unter anderem zum Kauf von Diamanten ermutigt. Besonders Kinder tappen schnell in diese Kostenfalle. 

Foto: EA Electronic

Grund für die Aktivitäten der EU-Kommission ist eine Häufung von Beschwerden von Kunden, die durch sogenannte Freemium-Modell-Apps in die Irre geführt wurden. Experten zufolge werden mittlerweile über die Hälfte der in der EU verfügbaren Spiele-Apps als gratis angekündigt, verursachen aber später bei der Nutzung durch sogenannte In-App-Käufe teilweise enorme Kosten.

Electronic Arts löste mit Dungeon Keeper Shitstorm aus

Ein aktueller Fall macht den Handlungsbedarf deutlich: Anfang dieses Monats geriet Electronic Arts (EA) mit seinem Spiel Dungeon Keeper für iOS und Android in die Kritik, weil die für viele Aktionen benötigten Diamanten Geld kosten. Wer nicht zahlt, muss unter Umständen Stunden warten, bis er sein eigenes Spielreich weiter ausbauen kann.

EA versucht, das klein zu reden: Spieler hätten zu viel erwartet, weil sie die App-Version mit dem Original verglichen hätten. Die App sei aber nur als kurzer Zeitvertreib konzipiert. Daraufhin war das kalifornische Unternehmen nur noch damit beschäftigt, den aufkommenden Shitstorm abzuwenden, indem man den Benutzern die Abgabe negativer Bewertungen durch ein vorgeschaltetes Fenster erschwerte.

„Konsumenten und insbesondere Kinder brauchen einen besseren Schutz vor unerwarteten Kosten durch In-App-Käufe. Nationale Durchsetzungsbehörden und die Europäische Kommission diskutieren mit der Branche, wie sich dieses Problem lösen lässt, das nicht nur finanzielle Schäden für Verbraucher verursacht“, sagt der EU-Kommissar für Konsumentenpolitik, Neven Minca. EU-Justizkommissarin Viviane Reding fasst die Kritik an Free-to-Play-Applikationen so zusammen: „Irreführung der Konsumenten ist definitiv nicht das richtige Geschäftsmodell.“

Weniger Aufmunterung zu In-App-Käufen

Als kostenlos angebotene Spiele sollen zukünftig Konsumenten bezüglich der tatsächlich beim Spielen aufkommenden Kosten nicht in die Irre führen dürfen. Spiele, die sich an Kinder richten, sollten keine Aufmunterungen enthalten, In-App-Käufe zu tätigen. Konsumenten müssten zusätzlich vor jeder Transaktion benachrichtigt werden. Händler sollten jederzeit ihre Email-Adresse für Rückfragen bereitstellen.

Nach Angaben aus Brüssel sind in Europa eine Million Menschen im App-Sektor tätig. In den kommenden fünf Jahren wird ein Umsatz von 63 Milliarden Euro erwartet. 

Von Klaus Ahrens Tags:

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