Schock zur EM 16.06.2016, 11:43 Uhr

Erpresser legen erstmals Bildschirme von Smart-TVs lahm

Besitzer von Smart-TVs sind vor Erpressersoftware nicht sicher. Derzeit blockiert eine Schadsoftware die Bildschirme von TV-Geräten, die erst nach Zahlung von 200 US-Dollar wieder freigegeben werden. Hier lesen Sie, wie Sie sich wehren können.

Freier Blick auf die Fußball-EM 2016? Die Ransomware Flocker will Besitzern von Android-TVs einen Strich durch die Rechnung machen. Sie blockiert Bildschirme von Fernsehgeräten, die mit dem Betriebssystem Android laufen und fordert 200 US-Dollar Lösegeld.

Freier Blick auf die Fußball-EM 2016? Die Ransomware Flocker will Besitzern von Android-TVs einen Strich durch die Rechnung machen. Sie blockiert Bildschirme von Fernsehgeräten, die mit dem Betriebssystem Android laufen und fordert 200 US-Dollar Lösegeld.

Foto: Abedin Taherkenareh/dpa

Das nächste Spiel der Fußball-EM steht an, die Chipstüte liegt bereit, das Bier ist kalt und dann das: Statt eines grünen Rasens erscheint auf dem Smart-TV ein Sperrbildschirm. Darauf der Hinweis der Strafverfolgungsbehörde US Cyber Police, dass der Besitzer eine Rechtsverletzung begangen hat. Die kann er aber wieder gutmachen. Und zwar, indem er 200 $ in Form von iTunes-Gutscheinkarten bezahlt.

Und was passiert, wenn er sich weigert und der eingeblendete Countdown abläuft? Dann gehen Name und Telefonnummer, die ebenfalls auf dem Bildschirm erscheinen, angeblich direkt ans Gericht. Viele Menschen verunsichert diese Masche derart, dass sie kurzerhand zahlen und damit zum Opfer einer Erpressersoftware werden, die auf den Namen Flocker hört.

Sperrbildschirm von Flocker: Er fordert den Besitzer des Smart TVs auf, 200 $ in Form von iTunes-Gutscheinkarten zu zahlen. 

Sperrbildschirm von Flocker: Er fordert den Besitzer des Smart TVs auf, 200 $ in Form von iTunes-Gutscheinkarten zu zahlen. 

Quelle: Trend Micro

Flocker ist kein Unbekannter. Seit 2015 verbreitet sich die Ransomware auf Android-Smartphones über schädliche Links und SMS. Jetzt sind erstmals Android-basierte Fernseher betroffen. Auf das Betriebssystem von Google setzen bislang Hersteller wie Sony, Sharp und TP Vision. Im Laufe des Jahres wollen Arcelik, Vestel, Hisense und TCL nachziehen. Marktgigant Samsung hingegen setzt auf das Betriebssystem Tizen. 

Glück für Samsung, denn die Koreaner haben auch so schon eine Menge Ärger mit ihren Smart-TV-Geräten. So erfassen sie beispielsweise das Sehverhalten der TV-Zuschauer, senden es per Internet an Samsung, um personalisierte Werbung auf den Bildschirm zu senden. Damit will Samsung noch in diesem Jahr beginnen. Zudem sind Smart-TV-Geräte eben wegen ihrer Internet-Verbindung schon lange ein Einfallstor für Hacker.

So wehren Sie sich, wenn Flocker Sie erpresst

Und was tun, wenn Flocker die Pistole auf die Brust setzt? Auf keinen Fall zahlen. Denn dann wird die Ransomware schlimmstenfalls zur Raupe Nimmersatt und sperrt den Bildschirm erneut. „Wenn ein Android TV infiziert wird, empfehlen wir, dass der Nutzer zunächst den Gerätehersteller nach einer Lösung fragt“, rät der Virenschutzanbieter Trend Micro.

Falls er Programmierkenntnisse hat, kann er den Fernseher auch mit dem PC verbinden und in der ADB-Shell den Befehl „PM clear %pkg%“ ausführen. Das deaktiviert den Sperrbildschirm und gibt den Blick auf die Fußball-EM wieder frei.

Über Identität und Herkunft der Programmierer ist nichts bekannt. Interessant ist aber Folgendes: Flocker verschont Geräte, die in Armenien, Aserbaidschan, Bulgarien, Georgien, Kasachstan, Ungarn, Ukraine, Russland und Weißrussland stehen.

Ransomware wie Flocker hat derzeit Konjunktur

Zur Softwaremafia zählt auch KeRanger. Die Ransomware macht Mac-Usern das Leben schwer. Sie verschlüsselt die Daten auf dem Rechner und fordert ein Bitcoin Lösegeld – umgerechnet 374 €. Auch Krankenhäuser stehen im Visier dieser Cyberangriffe. Im Februar musste das Hollywood Presbyterian Medical Center den Notstand ausrufen und Operationen absagen, weil Patientendaten plötzlich verschlüsselt waren. Im selben Monate wurde das nordrhein-westfälische Klinikum Arnsberg Opfer eines Angriffs. 

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