Datenbank 29.01.2010, 19:44 Uhr

Eine Nummer für jeden Inder

Die indische Regierung startet den Aufbau der größten Personendatenbank aller Zeiten. Knapp 2 Mrd. Inder sollen inklusive persönlicher und biometrischer Daten erfasst werden. VDI nachrichten, Neu-Delhi, 29. 1. 10, pek

Nandan Nilekani nennt das Vorhaben „zehnmal größer“ als alle vergleichbaren Projekte. Der Mitgründer des IT-Giganten Infosys meint das Einbringen biometrischer und anderer Informationen aller Inder in das System „Unique Identification Number“ (UID) und das nachfolgende Management der Informationen für Dinge wie Wahlen, Steuern bis hin zum Führerschein.

Nilekani wechselte von Infosys auf den Sessel des Chefs der Unique Identification Authority of India (UIDAI) in Delhi und wurde gleichzeitig Mitglied des Kabinetts von Premier Manmohan Singh. Das ließ keine Fragen darüber offen, welchen Stellenwert Singh dem großen Datensammeln zuordnet.

So ziemlich alles, was in der weltweiten IT-Arena Rang und Namen hat, versucht auf den anrollenden UID-Zug zu springen: Google, Yahoo, Cisco, IBM, Intel etc. Aus unterschiedlichen Gründen. Die einen wollen Anlagen und Dienste an Nilekani verkaufen, andere interessieren sich für die Daten für zielgerichtete Werbekampagnen. Ohne das allerdings zu sehr durchblicken zu lassen.

„Das UID-Projekt erfordert die Organisation einer sehr großen Datenmenge“, ließ Yahoos CEO Carol Barz nach Gesprächen in Delhi zum Jahresende wissen. „Wir haben einschlägige Erfahrungen damit. Wir trafen den indischen Premierminister Singh und erläuterten, wie wir helfen können.“

Yahoo und Google haben rasch herausgefunden, dass Kenntnisse der geplanten Online-Authentifikation allein ausreichen würde, um in Indien zu den langfristigen Top-Gewinnern in der indischen IT-Arena aufzusteigen. Auf der Liste der potenziellen Teilnehmer an dem Projekt der UID Authority stehen allerdings vor allem Namen indischer Gruppen. Infosys und Tata Consultancy Systems sind darunter, HCL, Bharat Electronics und die Electronics Corporation of India ebenfalls.

Die UID enthält neben Namen, Adresse, Geburts- und Familieninfos biometrische Daten wie einen Fingerabdruck. Organisiert wird nach den Spielregeln des Smart Card Operating System for Transport Applications (SCOSTA), das einen sehr begrenzten Zugang zu den Daten regelt. Die meisten Länder versehen ihre Bürger mit einer Nummer wie die Social Security Number in den USA, die 13-stellige koreanische ID-Nummer oder mit einer ID-Karte wie in China.

Indien ist das erste Land, das derartige Pakete persönlicher und biometrischer Daten erstellt und sie multifunktional für viele Zwecke online managen wird. Erste vorsichtige Schätzungen Nilekanis rangieren die Kosten des etwa zehnjährigen Programms in die Umgebung von 4 Mrd. $. Es darf davon ausgegangen werden, dass es weit mehr sein wird.

Wie schaut der UID-Fahrplan aus? Nach dem Einrichten der Behörde im Herbst 2009 müssen einige Gesetze, die Details regeln, durch das Parlament gebracht werden. Gleichzeitig wird bestimmt, welche biometrischen Daten eingebracht werden. Bereits Mitte 2010 soll die Vergabe der ersten IDs anrollen. Um die 600 Mio. sollen es bis 2015 sein. Nilekani ist ambitiös, der letzte Inder könnte 2020 die Nummer erhalten, die ihn lebenslang begleiten wird.

Interessanterweise wird in den Grenzgebieten zu Pakistan und Bangladesch begonnen. Im Klartext: Sicherheitsüberlegungen spielen mit. Die IDs sollen helfen, das Eindringen wenig freundlich gesonnener Gruppen und Personen zu verhindern. Das jedenfalls ist die Hoffnung von Singh, Innenminister Palaniappan Chidambaram, Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Antony und auch Nilekani. Die bisher weitgehend unkontrollierte Bevölkerungsbewegung zwischen Pakistan sowie Bangladesch und Indien waren Beschleuniger.

Seit einigen Jahren wird, ohne viel Wellen zu schlagen, vorbereitet. Aber erst die bei den Wahlen im letzen Mai geerntete stabile Mehrheit der von der Kongresspartei geführten Regierungskoalition erlaubte den Sprung ins kalte Wasser. Indiens aufwendigstes Datenbankabenteuer wird jedoch nicht ausschließlich von Beifall begleitet. Als im Frühjahr letzten Jahres erste Informationen über das UID per Internet zu zirkulieren begannen, meldeten sich flugs Warner zu Wort. Von Big Brother, Hackern und Datenschwindlern war die Rede. Das National Informatics Centre (NIC) bestand darauf, die Datenbank in ein strikt kontrolliertes Government Data Centre einzubringen und Outsourcing weitestgehend zu begrenzen.

Derartige Alarmrufe waren Gründe für Singh, den 54-jährigen Nilekani auf die Kommandobrücke des UID-Vorhabens zu bugsieren. 2006 hatte ihn das „Time Magazine“ in die Riege der hundert einflussreichsten Erdenbürger eingereiht. Im eigenen Land verfügt er über eine beträchtliche Popularität. Nandan nennen ihn die Leute, nicht Nilekani. Wie ein Familienmitglied. Dieses Vertrauenskapital soll dazu beitragen, dass das UID-Abenteuer in der bevölkerungsreichsten Demokratie Probleme löst und nicht selbst zum Problem wird. JAN HÖHN

Von Jan Höhn
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