Eine Million Follower 01.10.2015, 14:09 Uhr

Edward Snowden hat sich bei Twitter angemeldet

Edward Snowden ist jetzt mit eigenem Account auf Twitter aktiv. Innerhalb von 24 Stunden hat der berühmte Whistleblower über eine Million Follower gewonnen. Ein republikanischer Politiker fordert hingegen seinen Rausschmiss. 

Edward Snowden am 14.12.2014 während einer Videoschaltung in Berlin. Der Whistleblower befindet sich in Russland, in den USA droht der Gang vors Militärgericht. 

Edward Snowden am 14.12.2014 während einer Videoschaltung in Berlin. Der Whistleblower befindet sich in Russland, in den USA droht der Gang vors Militärgericht. 

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

„Can you hear me now?“ (Könnt ihr mich hören), lautete der erste Tweet, den Edward Snowden am 29. September in die Welt schickte. Unter sein Profilbild schreibt er: Ich habe einst für die Regierung gearbeitet, jetzt arbeite ich für die Öffentlichkeit. Er verweist auch auf seine Arbeit als Mitglied des Verwaltungsrats der Stiftung Pressefreiheit.

Doch verbigt sich hinter @Snowden tatsächlich der echte Snowden? Ja, bestätigt die Online-Enthüllungsplattform The Intercerpt, hinter der US-Journalist und Snowden-Vertrauter Gleen Greenwald steckt. Snowdens Anwalt Ben Winzer habe mitgeteilt, dass sein Mandant das Twitterkonto persönlich verwalte. 

@Snowden hat bereits 1,16 Millionen Follower

Snowden stößt mit diesem Schritt auf riesige Resonanz: Mittlerweile hat er 1,16 Millionen Follower, die sich für die Informationen des Whistleblowers interessieren – rund 40 % stammen laut einem Analysedienst aus den USA.

Allerdings twittert Snowden bislang nichts Brisantes, eher kleine Tweets zum Schmunzeln: „Vielen Dank für das Willkommen. Und jetzt haben wir Wasser auf dem Mars. Denkt ihr, dass sie an der Grenze Pässe kontrollieren? Frage für einen Freund.“ Später schickte er folgende Info in die Welt: „Die Überwachung schläft niemals, und geheime Projekte für Freedom of Press halten mich beschäftigt. Trotzdem finde ich Zeit für Katzenfotos.“ 

Republikanischer Präsidentschaftsbewerber fordert Twitter-Rausschmiss 

Doch nicht alle Menschen sind von Snowdens Twitter-Beitritt begeistert: Der republikanische Präsidentschaftskandidat George Pataki hat den Kurznachrichtendienst sogar aufgefordert, den Whistleblower auszuschließen. Sein Tweet dazu: „Twitter ist eine großartige amerikanische Firma, die Terroristen und Verrätern keine Plattform bieten sollte.“

Twitter-Account von Edward Snowden: Der berühmte Whistleblower hat bereits 1,16 Millionen Follower. Er selbst folgt nur dem Account der NSA. 

Twitter-Account von Edward Snowden: Der berühmte Whistleblower hat bereits 1,16 Millionen Follower. Er selbst folgt nur dem Account der NSA. 

Foto: @Snowden/Twitter

Wird Twitter diesem Wunsch nachkommen? Das ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen hat Snowden zuletzt mit dem Häkchen für einen verifizierten Account ausgezeichnet. Nach einem Ausschluss sähe es sich wohl mit dem größten Shitstorm aller Zeiten konfrontiert. So antwortet ein User auf Patakis Forderung: „Nein, eine großartige amerikanische Firma gibt Stimmen die Chance zu sprechen, statt sie zum Schweigen zu bringen.“ 

Snowden selbt folgt nur der NSA

Snowden hat 1,16 Millionen Follower, folgt selbst aber nur einem Twitter-Account: dem der NSA. Snowden hatte als Ex-Mitarbeiter des US-Geheimdienstes massenweise Dokumente ans Licht gebracht, die belegen, wie der Dienst Millionen Bürger, Politiker und Unternehmen ausspäht.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat George Pataki hat Twitter aufgefordert, Edward Snowdens Account zu löschen. Die Firma solle Terroristen und Verrätern keine Plattform bieten. 

Der republikanische Präsidentschaftskandidat George Pataki hat Twitter aufgefordert, Edward Snowdens Account zu löschen. Die Firma solle Terroristen und Verrätern keine Plattform bieten. 

Foto: Max Whitaker /dpa

Snowden befindet sich derzeit in Russland und kommunizierte mit der Öffentlichkeit bislang nur über Dritte – er war unter anderem virtuell zu Gast auf der Computermesse Cebit und stellte sich Nutzerfragen auf der Social-News-Seite Reddit. In die USA will Snowden nur zurückkehren, wenn er die Chance auf einen fairen Prozess hätte. Derzeit müsste er sich nach dem Spionagegesetz vor einem Militärgericht verantworten. 

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