Verbraucherschutz 05.03.1999, 17:20 Uhr

„Die Bohrmaschine für 30 DM sollte mißtrauisch machen“

Noch immer werden Produkte ohne oder mit gefälschtem Gütesiegel auf den Markt gebracht. Davor warnt auch der VDE, der in einer neuen Studie das Sicherheitsbewußtsein deutscher Verbraucher bestätigt.

Die Bundesbürger setzen beim Kauf von Elektrogeräten zunehmend auf geprüfte Sicherheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des VDE, Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik, die jetzt auf der Domotechnica in Köln vorgestellt wurde. Immerhin 84 % der Befragten gaben an, daß sie sich bei Elektrogeräten mit Prüfzeichen sicherer fühlten.
Entgegen der Präferenzen der Verbraucher erfüllen jedoch längst nicht alle in Deutschland erhältlichen Geräte die hiesigen Anforderungen. Hans-Heinz Zimmer vom VDE Prüf- und Zertifizierungsinstitut weiß von Produkten mit Sicherheitsmängeln zu berichten, die ohne oder sogar mit gefälschten Sicherheitszeichen auf den Markt gebracht würden. Speziell kleinere Geräte, zu deren Herstellung wenig technisches Know-how nötig sei, fielen negativ auf. Aber auch größere Produkte seien kritisch zu beurteilen, wenn sie nicht das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit trügen.
Experte Zimmer warnt: „Die Bohrmaschine für 30 DM im Baumarkt sollte den Verbraucher mißtrauisch machen.“ Das gilt auch für das CE-Zeichen, das beim Kauf oft zu Unklarheiten führe. Viele Käufer interpretierten es zu Unrecht als Prüfzeichen einer neutralen Institution. Außerdem wüßten viele Verbraucher nicht, daß auch auf die Art der Kennzeichnung geachtet werden müßte. Wenn z. B. nur der Stecker ein Prüfsiegel trage, sei auch nur diese Komponente geprüft.
Gerhard Pohlmann ist Geschäftsführer des EMC-Testzentrums NRW. Hier werden Elektrogeräte und Maschinen im Auftrag der Hersteller geprüft, bevor ein CE-Zeichen angebracht wird. Beispielsweise werden im Zentrum Versuche gemacht, um die elektromagnetische Verträglichkeit der Geräte zu messen. Pohlmann kennt die schwarzen Schafe der Branche: „Die Kennzeichnungspflicht liegt bei den Herstellern. Einige wollen den Preis drücken und bringen deshalb ein Siegel ohne vorherige Prüfung an.“ Nur durch Stichprobenuntersuchungen der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) könnten solche Produkte erkannt werden, so Pohlmann. Vorsicht sei z. B. bei Billigimporten aus Fernost geboten.
Immer wieder wird die RegTP bei ihren Stichproben auf der Suche nach unrechtmäßigen CE-Kennzeichnungen fündig. Im vergangenen Jahr hat die Behörde 48 871 Geräte in Augenschein genommen und daraufhin 7155 von ihnen meßtechnisch überprüft. Fast ein Viertel der Geräte sendete elektromagnetische Störsignale aus oder war selbst störanfällig. Die RegTP zog die Geräte aus dem Verkehr oder nahm den Herstellern Bußgelder ab. „Diese Maßnahmen haben bereits Erfolg gezeigt und das Bewußtsein bei den Herstellern erhöht. Bei einem Vertriebsverbot droht den Unternehmen schließlich ein enormer finanzieller Verlust“, sagt Gerd Jeromin, Leiter des EMV-Referats bei der RegTP, der für die Marktkontrollen verantwortlich ist.
Auch Bernd Lindemeyer, Rechtsanwalt in Bonn, sieht weniger den Verbraucher als vielmehr die Hersteller und die Händler in der Pflicht. Durch die in den letzten Jahren permanent überarbeitete Gesetzgebung hafteten all jene, die an den Produkten verdienten, auch stärker. „Die Hersteller, Händler und Importeure dürfen rechtlich gesehen nur dann ein Produkt in den Markt geben, wenn es nach den Regeln der Technik sicher konstruiert und produziert ist.“ Weil Importeure im Schadensfall genauso haftbar gemacht würden wie Produzenten, rät Lindemeyer grundsätzlich, beim Import von elektrischen Geräten aus Übersee unabhängige Prüfinstitute zu konsultieren: „Produkte, die elektrisch betrieben werden, sind per se gefährlich. Wer also ein Produkt ohne Prüfsiegel in den Verkehr bringt, handelt gegen seine Berufspflichten.“ Ein Sicherheitszeichen wie das des VDE entlaste den Händler im Schadensfall.
Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrades des VDE-Zeichens und seiner allgemein anerkannten Verläßlichkeit verwundert es nicht, daß die Produktpiraterie auch dieses Zeichen betrifft. Der VDE berichtet von Fällen, in denen Geräte mit gefälschten VDE-und GS-Kennzeichnungen in die Geschäfte gekommen seien. So habe beispielsweise eine Kaffeerösterei über ihr Filialnetz Elektrogeräte mit VDE-Siegel im Angebot gehabt, die, so Zimmer, „nie ein VDE-Prüfinstitut von innen gesehen haben“. Der VDE konzentriere sich auf die konstante Überprüfung der zertifizierten Produkte, was in der Regel über Stichproben von Geräten aus der laufenden Produktion geschehe. Die Gewerbeaufsichtsämter wiederum könnten ihrer Pflicht auf Produktüberwachung angesichts der Fülle des Angebotes nur sporadisch nachkommen. Man sei zumeist auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, berichten die Experten.
Trotz der zunehmenden Billigimporte sinkt in Deutschland die Zahl der durch elektrischen Strom verursachten tödlichen Unfälle seit Jahren kontinuierlich. So gab es 1997 in Ost- und Westdeutschland 92 Unfälle mit tödlichem Ausgang. Im Jahr zuvor hatte diese Zahl noch bei 101 Todesfällen gelegen. Was die Statistik jedoch nicht belegt ist, ob tatsächlich die Geräte sicherer geworden sind, oder ob die Verhinderung des Schlimmsten vielmehr auf den steigenden Standard bei den Hausinstallationen zurückzuführen ist.
Die Verbraucher honorieren Sicherheitsüberprüfungen mit ihrer Kaufentscheidung. Laut VDE-Studie machen immerhin 75 % der Befragten ihre Entscheidung von einer Sicherheitskennzeichnung abhängig. Falls der Haartrockner dann beim Gebrauch trotzdem schmort oder sich die Bohrmaschine vom Bohrkopf löst, sollten Verbraucher diese Produkte an die Prüfinstitute oder das Gewerbeaufsichtsamt geben.
KATJA SCHUMANN/rb/zel
Verwirrend sind die Sicherheitszeichen für Verbraucher.

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