Neue Enthüllungen im NSA-Skandal 15.09.2014, 12:25 Uhr

Deutsche Telekom und Netcologne: Geheimdienste zapfen deutsche Netze

Möglicherweise haben miteinander kooperierende amerikanische und britische Geheimdienste Zugriff auf Rechner, Smartphones oder auch Tablet-PCs von Kunden der Telekom und Netcologne. Geheimdokumenten zufolge, die der Spiegel einsehen durfte, stellt ein Programm daraus weltweite Datenverbindungen bis hin zum Endgerät in Echtzeit dar.

Netcologne: Amerikanische und britische Geheimdienste sollen nach einem Spiegel-Bericht innerhalb deutscher Telekommunikationsnetze verdeckte Zugänge haben, die ihnen eine direkte Überwachung ermöglichen. Betroffen von diesen Aktivitäten ist auch die regional tätige Firma Netcologne. Der Bericht beruft sich auf Unterlagen des US-Geheimdienstenthüllers Snowden.

Netcologne: Amerikanische und britische Geheimdienste sollen nach einem Spiegel-Bericht innerhalb deutscher Telekommunikationsnetze verdeckte Zugänge haben, die ihnen eine direkte Überwachung ermöglichen. Betroffen von diesen Aktivitäten ist auch die regional tätige Firma Netcologne. Der Bericht beruft sich auf Unterlagen des US-Geheimdienstenthüllers Snowden.

Foto: dpa/Henning Kaiser

Die amerikanische National Security Agency (NSA) und die britischen Government Communications Headquarters (GHCQ) zapfen einem Bericht des Spiegels zufolge die Netze deutscher Netzbetreiber an. Demnach bestehen verdeckte Zugänge zum Netz der Deutschen Telekom und zum Netz des Kölner Telekommunikationsunternehmens Netcologne, das ein eigenes Glasfasernetz unterhält. Außerdem seien in den Netzen der Unternehmen Cetel, IABG und Stellar Einfallstore für NSA und GCHQ versteckt. Der Magazin beruft sich auf Kartenmaterial in den geheimen Unterlagen von Edward Snowden, das mit einem Programm namens „Treasure Map“ erstellt worden sei und mit dem das gesamte Internet kartographiert werden solle. In diesen Unterlagen seien die deutschen Anbieter namentlich genannt und Zugänge zu ihren Netzen rot markiert. In einer Bildlegende heiße es dazu, dass es „innerhalb“ dieser Netze „Zugangspunkte“ für die technische Überwachung gebe.

Eine Art Google-Earth für das Internet

Wie mehrere Medien berichten, wurde bislang vermutet, dass die Geheimdienste direkt die Unterseekabel anzapften, die Teil des weltweiten Internets sind und über die der weltweite Datenverkehr zwischen den Kontinenten fließt. Wie sich nun herausstellt, verschaffen sich die ausländischen Geheimdienste möglicherweise direkt über die Netze der genannten Betreiber Zugang zu Verbindungsdaten.

Ziel des Treasure-Map-Programms der NSA ist laut Spiegel, sämtliche Verbindungen im Internet weltweit und in Echtzeit darstellen zu können. Das bedeutet, dass theoretisch auch jedes Endgerät, das online ist, ob Smartphone, Rechner oder Tablet, erfasst werden soll und könnte. Treasure-Map sei „eine Art Google Earth für das Internet“, das unter anderem der „Planung von Computerattacken“ und der „Netzwerkspionage“ diene, wie der Spiegel aus einer Präsentation des Programms zitiert.

Deutsche Sicherheitsbehörden eingeschaltet

Wie das Nachrichtenmagazin weiter berichtet, haben die betroffenen Unternehmen bereits Nachforschungen angestellt, bislang aber keine Hinweise auf Aktivitäten in ihren Netzen ausmachen können, die auf verdeckten Zugang durch Dritte schließen lassen. „Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel“, wird Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich zitiert. „Wir gehen jedem Hinweis auf eine mögliche Manipulation nach. Zudem haben wir die deutschen Sicherheitsbehörden eingeschaltet.“

In einem Beitrag im Telekom-Blog schreibt Telekomsprecher Philipp Blank, es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass das Telekom-Netz tatsächlich manipuliert wurde. Bereits Mitte Juli habe der Spiegel die Telekom mit den Informationen aus Unterlagen von Edward Snowden konfrontiert. Die folgenden Untersuchungen gemeinsam mit Spiegel-Experten hätten jedoch keine Nachweise für eine Manipulation am Telekom-Netz ergeben.

Netcologne gibt Entwarnung

In einer Pressemitteilung von heute widerspricht auch Netcologne der Behauptung des Spiegels, die NSA habe bei dem Unternehmen Daten ausgelesen. Man sei den Hinweisen bereits vor einiger Zeit „mit aller Gewissenhaftigkeit“ nachgegangen und habe keinerlei Nachweis für eine Sicherheitsverletzung gefunden. Die vorliegenden Informationen deuteten auf einen Einzelfall hin und beträfen nicht das gesamte Netz, heißt es. „Wir können die öffentliche Aufregung und Irritationen unserer Kunden nachvollziehen, da der Spiegel-Artikel den Eindruck erweckt, Netcologne sei betroffen“, nimmt Geschäftsführer Jost Hermanns Stellung. „Dafür gibt es aber nicht den geringsten Anhaltspunkt, es sind reine Vermutungen, die sich bei der Überprüfung nicht bestätigt haben.“ Dennoch stehe das Unternehmen vorsorglich im Austausch mit den Sicherheitsbehörden.

 

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