Kritik an Xbox One 28.05.2013, 12:42 Uhr

Datenschutzbeauftragter Schaar: Spielekonsole könnte „Überwachungsgerät“ sein

Kurz nachdem Microsoft seine Xbox One angekündigt hat, hagelt es Kritik an der neuen Spielekonsole. Datenschützer Peter Schaar sieht sogar die Gefahr eines „Überwachungsgerätes“ im Wohnzimmer. 

Die neue Xbox One – Spielekonsole der Zukunft oder Überwachungsgerät im Wohnzimmer?

Die neue Xbox One – Spielekonsole der Zukunft oder Überwachungsgerät im Wohnzimmer?

Foto: Microsoft

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Peter Schaar sorgt sich um die Privatsphäre der zukünftigen Xbox One-Nutzer. Die Konsole, die Microsoft vor wenigen Tagen vorstellte, soll zwar erst zu Weihnachten auf den Markt kommen. Aber das zur Xbox zugehörige Peripheriegerät Kinect ist dem Datenschützer suspekt.

Der Kinect-Sensor ist eine verhältnismäßig neue Technologie. Mit seinen Mikrofonen und der Full-HD-Kamera erfasst er Bewegungen und Sprachbefehle der Nutzer. Das Kinect-Gerät ist sogar in der Lage Gesichter, Körperhaltungen und Handbewegungen zu erkennen. Der Nutzer, so das erklärte Ziel von Microsoft, soll zukünftig über Sprach- und Gestensteuerung nicht nur die Xbox bedienen, sondern auch die gesamte Unterhaltungselektronik in seinem Wohnzimmer.

Datensammlung für die Marktforschung

Die notwendige Internetverbindung bringt dann die gesammelten Daten, die Microsoft zu Marktforschungszwecken einsetzen will. Microsoft-Manager Phil Spencer glaubt, auf diesem Weg zu „wissen, was die Leute beschäftigt. Wir können sie abstimmen lassen und ihre Stimmen in den kreativen Prozess einspeisen“.

Kinect im Einsatz.

Kinect im Einsatz.

Foto: Kinect for Windows Team

Datenschützer Schaar geht das zu weit. Zwar habe er keine Angst davor, dass Microsoft über die Kameras und Mikrofone „mein Wohnzimmer ausspioniert“, aber gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel gab er zu bedenken: „Die Xbox registriert ständig alle möglichen persönlichen Informationen über mich. Reaktionsgeschwindigkeiten, meine Lernfähigkeit oder emotionale Zustände. Die werden dann auf einem externen Server verarbeitet und möglicherweise sogar an Dritte weitergegeben. Ob sie jemals gelöscht werden, kann der Betroffene nicht beeinflussen.“

Ein Patentantrag, den Microsoft im Zusammenhang mit dem Kamerasystem im November in den USA gestellt hatte, deutet aber noch auf eine weitere Einsatzmöglichkeit für Kinect hin. Damit wäre es für den Rechteinhaber eines Films möglich zu überprüfen, ob Anwender für kopiergeschützte Inhalte ausreichend Lizenzgebühren bezahlt haben. Die Kamera im Kinect-System würde dann registrieren, ob beispielsweise 50 Personen den Film sehen. Falls der Anwender aber nur eine Familienlizenz für fünf Personen erworben hat, bekommt er ein Problem.

Ist die Aufregung um die Xbox „Hysterie“?

Ob die ganze Aufregung um die neue Xbox gerechtfertigt ist, oder „ins Hysterische gleitet“, wie die Neue Züricher Zeitung meint, lässt sich zurzeit noch nicht klären. Das hat auch mit der nebulösen Informationspolitik von Microsoft zu tun. Antworten auf Fragen, ob die neue Xbox ständig mit dem Internet verbunden bleiben muss und ob in Zukunft weiterhin gebrauchte Spiele an Freunde weitergegeben werden können, blieb der Konzern zunächst schuldig.

Die Neue Züricher Zeitung sieht andere Ursachen für die „Hysterie“: „Tatsache ist, dass die Xbox One viele persönliche Informationen über ihre Benutzer registriert und dass sie mit dem Internet verbunden werden kann. Die meisten PC und alle Smartphones besitzen ebenfalls eingebaute Kameras und Mikrofone. Alle die genannten Geräte verfügen über sehr detaillierte Informationen über ihre Benutzer und sie sind ständig mit dem Internet verbunden. Warum jetzt einige Journalisten oder auch Datenschutzexperten die Xbox One eher als die genannten Geräte als eine Gefahr für die Privatsphäre betrachten, lässt sich technisch nicht erklären; hier sind Psychologen gefragt.“

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