Internet-Betrug 17.12.2013, 10:13 Uhr

Cyber-Kriminelle ergaunern Millionenbeträge über eigenes WiFi-System

Wer in Bahnhöfen, an Flughäfen oder in großen Restaurants den dortigen WLAN benutzt, kann noch lange nicht sicher sein, dass es sich tatsächlich um ein legales System handelt. Mehr und mehr Fälle werden bekannt, in denen Kriminelle an öffentlichen Plätzen temporär ihr eigenes WiFi-System installieren und damit die Bankdaten der Computernutzer einsammeln – und anschließend missbrauchen.

WiFi-Werbung an einem US-Motel.

WiFi-Werbung an einem US-Motel.

Foto: Wikipedia

Von den Gangstern werden die über ihre Wifi-Systeme eingehenden Daten danach durchforstet, wo die größten Summen für Betrügereien winken. Das sind nicht die Bankkunden, die elektronisch den Auftrag geben, kleinere Summen beispielsweise zur Bezahlung einer Handwerkerrechnung zu überweisen. Es sind vielmehr jene Kunden, die über ihren Laptop ihren Vermögensverwalter bei der Bank anschreiben und größere Käufe oder Verkäufe von Wertpapieren in Auftrag geben.

Wo nennenswerte Wertpapiere lagern, da ist vermutlich auch viel Bares vorhanden. Also geht eine Email an die jeweilige Bank, mit der letztere aufgefordert wird, den Betrag von etw 2,5 Millionen Euro auf ein genau bezeichnetes ausländisches Konto zu überweisen. Die meisten Banken sind bei größeren Summen inzwischen vorsichtig und fragen beim auftraggebenden Kunden – leider meist per Email – zurück. Diese Emails aber verstehen die Gangster in solchen Fällen abzufangen. Sie bestätigen an Kunden-Stelle sofort die Richtigkeit der Überweisung, die dann von der Bank auf der Basis dieser Bestätigung in die Wege geleitet wird.

Allein in Großbritannien sind in den zurückliegenden vier Monaten bis Ende November 2013 insgesamt sechs Fälle bekannt geworden, in denen es Cyber-Gangstern gelungen ist, auf die geschilderte Art und Weise jeweils mehrere Millionen zu ergaunern.

Britische Regierung warnt inzwischen die Banken vor diesen Tricks

Für das in Europa führende Finanzzentrum London sind diese Cyber-Machenschaften im so genannten Wealth Management so gefährlich, dass inzwischen die Datenzentrale der britischen Geheimdienste (GCHQ) höherrangiges Bankpersonal in der Vermögensverwaltung vor den Cyber-Kriminellen gewarnt hat. Dabei wird gefordert, dass die Cyber-Sicherheit in den Banken nicht allein in den Händen weniger Spezialisten verbleiben solle sondern vielmehr ein Thema sein müsse, mit dem sich der Vorstand regelmäßig zu beschäftigen habe. Der Bankenverband, die British Bankers Association, bestätigt, dass man sich der geschilderten Cyber-Attacken auf das Vermögen wohlhabender Bankkunden voll bewusst sei.

Missverhältnisse in der Betrugs-Abwehr

Kroll International, eine multinationale Unternehmensgruppe, die sich mit den verschiedensten Sicherheitsfragen für Unternehmen beschäftigt, spricht im Zusammenhang mit den geschilderten Cyber-Attacken von einem krassen Missverhältnis in vielen Unternehmen, wenn es um die Zuordnung der entsprechenden Etat-Mittel für die sicherheitsrelevanten Aufgaben gehe. Kroll führt das Beispiel eines Unternehmens an, das sich seit Jahren mit Cyber-Attacken auseinandersetzen muss. Trotzdem beschäftigt dieses Unternehmen weiterhin 125 bewaffnete Sicherheitskräfte und nur vier Spezialisten für Cyber-Sicherheit.

Von Peter Odrich Tags:

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