Vor allem Meersalz verunreinigt 18.11.2015, 11:07 Uhr

Chinesische Forscher warnen vor Plastik in Speisesalz

Da kann einem der Appetit auf das Salz in der Suppe vergehen: Chinesische Forscher haben handelsübliche Speisesalze untersucht und jede Menge winzige Plastikteilchen darin gefunden. Wie kann das passieren?

Salz im Lüneburger Salzmuseum: Salz ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Chinesische Forscher haben in handelsüblichem Speisesalz Plastikpartikel entdeckt. Vor allem Meersalz ist betroffen.

Salz im Lüneburger Salzmuseum: Salz ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Chinesische Forscher haben in handelsüblichem Speisesalz Plastikpartikel entdeckt. Vor allem Meersalz ist betroffen.

Foto: Philipp Schulze/dpa

In einem Kilogramm Salz aus chinesischen Supermärkten entdeckten Wissenschaftler aus Schanghai bis zu 700 winzige Plastikpartikel. Sie stammen offensichtlich aus Plastikmüll, der die Weltmeere zunehmend verschmutzt. Die Forscher gehen davon aus, dass Meersalz weltweit mit Mikroplastik verseucht ist.

Die Wissenschaftler von den Schanghaier Universitäten „East China Normal University“ und „Donghua University“ sind die Ersten, die sich die Mühe gemacht haben, handelsübliche Speisesalze auf ihren Gehalt an Mikroplastik zu untersuchen. Vor allem in Meersalz fanden sie größere Mengen an winzigen Plastikpartikeln. Ihre Untersuchungsergebnisse haben die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Science & Technologie der American Chemical Society veröffentlicht.

Markensalze aus chinesischen Supermärkten

In chinesischen Supermärkten sammelten sie 15 verschiedene Sorten Markensalz, darunter nicht nur Meersalze sondern auch Salz aus Salzwasserseen und Salzminen, und untersuchten sie auf ihren Gehalt an Mikropartikeln aus Kunststoff. Ergebnis: Die Meersalze enthielten zwischen 550 und 681 winzige Plastikpartikel pro Kilogramm Salz. In den Salzen, die nicht aus dem Meer gewonnen werden, fanden die Forscher deutlich weniger Mikroplastik, nämlich zwischen 43 und 364 Partikel pro Kilo in See-Salzen und 7 bis 204 Partikel in Steinsalz.

Immer größere Mengen Plastikmüll verschmutzen Weltmeere

Wie die Kunststoffe in das Salz gelangen, das nicht aus dem Meer gewonnen wird, konnten die Wissenschaftler dabei nur vermuten: bei der Verarbeitung und Verpackung möglicherweise. Die hohe Menge an Mikroplastik im Meersalz habe dagegen ziemlich eindeutig mit dem Plastikmüll zu tun, der in immer größeren Mengen die Weltmeere verschmutze. Die Forscher halten die Kunststoffpartikel im Meersalz für ein Indiz für Kunststoffe auch in anderen Produkten, die aus dem Meer stammen. In anderen Lebensmitteln wurde bereits Mikroplastik nachgewiesen, in Mineralwasser, Bier und in Honig zum Beispiel. 

Kunststoffpartikel aus Verpackungen und PET-Flaschen

Rund 6 bis 10 % der weltweiten Kunststoffproduktion landen laut einer aktuellen Studie des Umweltbundesamtes (UBA) in den Weltmeeren. Größere Plastikteile, die direkt oder über die Flüsse ins Meer gelangen, wie Plastiktüten und -flaschen aber auch alte Fischernetze, verursachen der Studie zufolge die meisten Kunststoffpartikel im Meer. Denn durch Wind, Wetter und Gezeiten werden die Plastikteile zu sogenanntem „sekundärem“ Mikroplastik zermahlen und zerkleinert.

Kunststoffe bedrohen zunehmend die Meeresökosysteme.

Kunststoffe bedrohen zunehmend die Meeresökosysteme.

Foto: Sabina Bredemeier/UBA

Mehr als die Hälfte der Plastikpartikel, die die chinesischen Forscher im Meersalz fanden, hatten einen Durchmesser unter 200 Mikrometer, am häufigsten bestand das Mikroplastik aus Polyethylenterephthalat (PET), gefolgt von Polyethylen und Cellophan. Aus PET werden vor allem Plastikflaschen, aber auch Plastikfolien und Textilfasern hergestellt. Lebensmittelverpackungen bestehen häufig aus Cellophan.

Plastik in Kosmetika und Reinigungsmitteln

Sekundäre Mikropartikel werden unter anderem auch als Fasern aus Kleidung ausgewaschen oder im Straßenverkehr von Autoreifen abgerieben. Nach Angaben des Umweltbundesamtes gelangen zum Beispiel bis zu 2000 Kunstfasern aus Fleece-Kleidungsstücken pro Waschgang in die Umwelt, da sie von den Klärwerken nicht zurückgehalten werden. Der kleinere Teil der Mikropartikel, die die Meere verunreinigen, sind sogenannte „primäre“ Mikropartikel. Die werden schon in mikroskopischer Größe hergestellt und in der industriellen Produktion zahlreicher Konsumgüter eingesetzt. Dazu gehören etwa jene Partikel, die in kosmetischen Mitteln, wie Peelings, oder in Wasch-und Reinigungsmitteln – auch zur Säuberung von Schiffsrümpfen – verwendet werden.

Gesundheitsgefährdung nicht abschließend erforscht

Inwieweit Mikroplastik in Lebensmitteln die Gesundheit gefährdet, ist nicht abschließend erforscht. In einer diesbezüglichen Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom April dieses Jahres heißt es dazu: „Aufgrund des Fehlens belastbarer Daten ist eine gesundheitliche Risikobewertung für den Verzehr von mit Mikroplastikpartikeln verunreinigten Lebensmitteln derzeit nicht möglich.“

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