Verbraucherschutz 26.11.2004, 18:35 Uhr

Chinas CCC-Kennzeichen hemmt den freien Warenverkehr

VDI nachrichten, Nürnberg, 26. 11. 04 -Das CCC-Kennzeichen bereitet im Chinahandel zunehmend Kopfzerbrechen. Denn über 130 Produktgruppen müssen diese „China Compulsory Certification“ aufweisen, um sie verkaufen zu dürfen. Eingeführt wurde sie aus Gründen des Verbraucherschutzes, jetzt erweist sich das CCC-Kennzeichen jedoch für ausländische Hersteller immer mehr als Hürde für ihren Marktzugang, wie auf der Automatisierungsmesse in Nürnberg diskutiert.

Nach dem Beitritt der Volksrepublik China zur Welthandelsorganisation (WTO) Ende 2001 gab es im Land umfangreiche Reformen der Handelsgesetzgebung, um den Außenhandel zu liberalisieren. Dadurch soll gewährleistet sein, dass in- und ausländische Produzenten gleiche Chancen auf dem chinesischen Markt haben. Doch während die tarifären Handelshemmnisse wie zum Beispiel Zollsätze schrittweise abgebaut werden, sehen sich die ausländischen Hersteller auch mit einer aufwändigen Neuregelung konfrontiert – der China Compulsory Certification (CCC).
„Das CCC-Kennzeichen entstand aus dem Bedürfnis heraus, den Verbraucherschutz in China auf einheitliche Weise, also für in- und ausländische Produkte, zu regeln“, erklärt Cisema-Geschäftsführer Stefan Fischer. Sein in München ansässiges Unternehmen berät und unterstützt mittelständische Firmen, die auf dem chinesischen Markt Fuß fassen wollen.
Interessierte Unternehmen können ihre Produkte beispielsweise bei dem Beratungsunternehmen zunächst kostenlos und unverbindlich überprüfen lassen, ob überhaupt eine CCC-Kennzeichnung notwendig ist. Denn die Entscheidung ist nicht immer einfach, umfasst die CCC-Regelung doch immerhin 19 zumeist elektrotechnische und mechanische Produktgruppen mit über 130 Kategorien. Sie reichen von elektrischen Leitungen und Kabeln über Telekommunikationsanlagen bis hin zu Meldern für Einbruchalarme.
Der Katalog wird permanent ergänzt, ab Mai 2005 werden zum Beispiel auch bauchemische Produkte wie Holzschutzmittel oder keramische Fliesen in den Katalog zertifizierungspflichtiger Produkte aufgenommen. „Es ist zu erwarten, dass das CCC-Kennzeichen zum allgemein gültigen Verbraucherschutzkennzeichen der Volksrepublik China wird, auch für alle weiteren Produktgruppen“, prognostiziert Stefan Fischer.
Eine Entwicklung, die bei europäischen Herstellern zunehmend Unmut verursacht. Denn das Zertifizierungsverfahren ist kostenintensiv und langwierig, wie der Cisema-Geschäftsführer weiß. Fischer: „Zur Erlangung des Zertifikates müssen rund drei Monate Bearbeitungszeit eingeplant werden.“
Insgesamt sind dazu mehrere Schritte erforderlich: Zunächst muss sich der Antragsteller auf der Internet-Seite des Chinese Quality Certification Center (www.cqc.com.cn) registrieren und Informationen zum Unternehmen und zu den Produkten hinterlegen. Dann wird ein Typtest durchgeführt, das heißt es wird ein Produktexemplar in China auf die jeweiligen nationalen Sicherheitsstandards der Volksrepublik hin geprüft. Diese Tests dauern laut Fischer in der Regel zwischen sechs und acht Wochen. Anschließend wird die Fabrik mit den entsprechenden Fertigungseinrichtungen inspiziert. Dazu besuchen zwei chinesische Inspektoren für zwei Tage die Fabrik zum Beispiel in Deutschland.
Nicht nur die Kosten für diese Inspektion hat der Antragsteller zu tragen, er trägt auch ein viel größeres Risiko, weiss Bernd Schaaf. „Die Gefahr, dass bei den Inspektionen Betriebsgeheimnisse nach außen gegeben werden können“, so der Referatsleiter Asien/Pazifik bei der in Köln ansässigen Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai), „liegt auf der Hand.“ Hat das antragstellende Unternehmen schließlich das Zertifikat erhalten, müssen alle 12 Monate Folgeinspektionen durchgeführt werden.
„Vor allem kleinere Unternehmen können sich das umfangreiche Procedere weder zeitlich noch finanziell leisten“, kritisiert Schaaf grundsätzlich das Verfahren. Zudem benachteilige das Verfahren europäische Produzenten, denn gerade die Inspektionen der Herstellerfirmen vor Ort durch Vertreter der chinesischen Prüfbehörden verteuerten Importgüter im Vergleich zu in China hergestellten Produkten. Zwar müssen auch lokal hergestellte Waren der entsprechenden Kategorien ein CCC-Label tragen, womit das Verfahren formal WTO-konform ist. Die Kosten, die den lokalen Firmen entstehen, sind jedoch erheblich niedriger als die erforderlichen Aufwendungen von Auslandsunternehmen.
„Probleme ergeben sich darüber hinaus auf allen Ebenen des CCC-Prozesses“, so Bernd Schaaf weiter. Seit etwa einem Jahr beschäftigt sich beispielsweise die ausländische Reifenbranche mit Chinas CCC-Standard – und insbesondere mit dessen Inflexibilität. Das größte Problem, so die European Association of the Rubber Industry (BLIC) und die European Tyre and Rim Technical Organisation (ETRTO), sei der Gesetzesstatus des neuen Standards. Auf neue Produktentwicklungen, Reifengrößen oder Reifentypen könne dieser nicht in angemessener Zeit angepasst werden. Damit würden zum Beispiel neue Reifengrößen – nur weil sie nicht in dem Produktkatalog aufgeführt sind – in China nicht ohne weiteres auf dem Markt zugelassen. „Es gibt Listen mit den CCC-pflichtigen Reifen alle nicht aufgeführten Reifen benötigen eine ‚Exemption of CCC“ zur Einfuhr nach China“, so Stefan Fischer, dessen Unternehmen Reifenfirmen auch bei der Einholung dieser Sondergenehmigungen unterstützt.
Kritische Stimmen ausländischer Hersteller sind laut bfai auch aus dem Nutzfahrzeugbereich zu hören. Sie sind gemäß eines neuen Prüfkataloges zum CCC-Standard gezwungen, jedes Komplettfahrzeug einschließlich des lokalen Aufbaus seit August 2004 neu zuzulassen und anschließend zertifizieren zu lassen. Für die Sparte bedeutet dies einen hohen Zeit- und Kostenaufwand.
Erste Ernüchterung im Umgang mit dem CCC-Standard gibt es auch bei den Maschinenbauern. Diese sind vor allem in ihrem Ersatzteilgeschäft beeinträchtigt. Denn nicht die ganzen Maschinen, sondern nur bestimmte Teile unterliegen dem CCC – und zwar erst dann, wenn sie als Ersatzteil geliefert werden müssen. Dies ist häufig dann der Fall, wenn die Maschine bereits still liegt. Zwar gibt es für die Lieferung von Ersatzteilen bereits Ausnahmebestimmungen, doch diese müssen zunächst für das Produkt beantragt, geprüft und genehmigt werden – ein Verwaltungsaufwand, der bis zu drei Monate dauern kann und immer nur eine Einzellösung darstellt.
„Die Einführung der CCC-Zertifizierung wird von der deutschen Wirtschaft überwiegend als Versuch gesehen, im Gefolge des WTO-Beitritts der Volksrepublik China notwendig gewordene Erleichterungen auf der Zollseite durch Errichtung neuer nichttarifärer Hemmnisse auszuhebeln beziehungsweise zu kompensieren“, so das ernüchternde Urteil von Bernd Schaaf. Denn die offizielle Begründung der chinesischen Regierung für die Einführung von CCC, die allgemeine Anhebung der Qualitätssicherheitsstandards, überzeugt nicht unbedingt. Denn die Qualitäts-Anforderungen stellen etwa im Vergleich mit in westlichen Industrieländern gültigen Normen keine besondere Herausforderung dar.OLAF MEIER/Si
Im Mendel Verlag erscheint im November die zweite Auflage des Leitfadens von Stefan Fischer zur CCC-Zertifizierung. Das Buch erläutert, wie man zertifizierungspflichtige Produkte ermittelt, den Prozess zur Erlangung des CCC Zertifikats und nennt die wichtigsten Organisationen. Weitere Informationen unter www.cisema.de.

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