Ernährung 07.12.2001, 17:32 Uhr

BSE-Test bald schon im Stall?

Obwohl in Deutschland wö-chentlich im Schnitt zwei kran-ke Rinder gefunden werden, scheint die BSE-Krise vergessen. Ursache und Infektionsweg der Krankheit sind immer noch rätselhaft. Indessen kommen Forscher beim Aufspüren und Bekämpfen des Erregers voran.

Deutschland fühlt sich sicher. Fast ein Jahr ist es her, dass das erste BSE-kranke Rind die Bundesrepublik erschütterte und zur viel beschworenen Agrarwende führte. Inzwischen steht Rindfleisch wieder auf dem Speisezettel. In Bayern hat der Rindfleischverkauf wieder 80 % des Vorjahresniveaus erreicht. Trügerische Sicherheit.
Im Schnitt werden jede Woche in Deutschland zwei infizierte Rinder gefunden, Nummer 125 wurde vergangene Woche geschlachtet. Auch in den Labors ist von Entwarnung nichts zu spüren. Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Firmen fieberhaft an Verfahren, die einen BSE-Test auch an lebenden Tieren möglich machen. Vergangene Woche meldeten Göttinger Forscher einen Durchbruch auf dem Gebiet.
Sie spürten im Blutserum kranker Tiere charakteristische Bausteine des Erbgutes, so genannte Nukleinsäuren, auf. Bei bestimmten Krankheiten wie Krebs, HIV und eben auch BSE finden die Forscher immer wieder kurze Sequenzen von Erbsubstanz. „Warum diese Moleküle gebildet werden, wissen wir nicht“, sagt Prof. Bertram Brenig, Direktor des Tierärztlichen Instituts der Universität Göttingen. „Irgendetwas muss den kranken Körper dazu veranlassen, bestimmte Gene anzuschalten, so dass die Nukleinsäuren produziert werden.“
Fest steht, dass es je nach Infektion immer die gleichen chemischen Strukturen sind, die der kranke Organismus herstellt. Daher können die Forscher nach der Analyse dieser Struktur ablesen, welche Krankheit das Tier befallen hat.
Seit Dezember vergangenen Jahres arbeiten die Göttinger Forscher mit dem kalifornischen Biotech-Unternehmen Chronix Biomedical zusammen. Ziel ist die Entwicklung eines marktfähigen Nachweises der Prionenkrankheit am lebenden Tier. Bis zur Marktreife müssen die Forscher ihre Ergebnisse an Serumproben einer größeren Anzahl kranker Rinder überprüfen. „Ich rechne mit einem halben Jahr, bis wir die Proben von mehreren hundert Rindern überprüft haben“, sagt Brenig. Vielleicht könne der Test auch dazu dienen, Blutkonserven auf Infektion mit Creutzfeldt-Jakob-Erregern zu testen, sagt Brenig. Die US-Firma habe inzwischen einen Patentantrag für das Verfahren gestellt.
Noch können BSE-Forscher nicht mit Sicherheit sagen, was BSE eigentlich auslöst. Als wahrscheinlich gilt, dass es krankhaft veränderte Proteine sind – so genannte Prionen –, die das Nervengewebe im Hirn verstopfen und zerstören.
Einen marktreifen Test für den Nachweis der die infektiösen Prionen in lebenden Menschen oder Tieren gibt es nach wie vor nicht. Eine Arbeitsgruppe um Prof. Ruth Gabizon von der Hadassah-Universitätsklinik in Jerusalem versucht, die gefährlichen Prionen im Urin nachzuweisen. Dafür nutzen die Wissenschaftler das Enzym Proteinase K, das nur infektiöses Prionen-Protein abbaut. Zuverlässig gelingt ihnen das aber bisher nicht. Im Urin lassen sich zu wenige Erreger finden, um sicher nachgewiesen werden zu können.
Fortschritte kündigte vor einigen Wochen Dr. Jörg Tatzelt vom Max-Planck-Institut für Biochemie in München an: Mit einem schnelleren und empfindlicheren Verfahren will er den Erreger in Urin oder Rückenmarkflüssigkeit nachweisen. „Wir filtern die infizierten Flüssigkeiten mehrmals und reichern so den Erreger an“, erklärt Tatzelt.
Einen Ansatz, die schädlichen Prionen durch eine Impfung zu stoppen, hat vielleicht ein Forscherteam aus der Schweiz, Italien und Deutschland gefunden. Normalerweise können sich die krankhaft veränderten Eiweiße ungehindert im Körper einnisten und vermehren. Sie sind den gesunden Proteinen so ähnlich, dass sie vom Immunsystem nicht angegriffen werden. Daher züchten die Wissenschaftler genetisch veränderte Mäuse, die einen Antikörper gegen ihr gesundes, körpereigenes Prion-Protein produzieren könnten. Diese Tiere, so haben die Forscher herausgefunden, sind immun gegen Prionenerkrankungen, selbst wenn ihnen die degenerierten Eiweiße direkt gespritzt wurden.
Zur großen Überraschung der Wissenschaftler verschont das Immunsystem der Genmäuse deren gesunden Prion-Proteine. Eigentlich hätte es zu einer starken Autoimmunerkrankung kommen müssen. „Das erlaubt den Schluss, dass Antikörper und gesunde Prionen nebeneinander existieren können“, sagt Dr. Frank Heppner, Wissenschaftler am Institut für Biochemie der Universität Zürich.
Auch wenn es um BSE in der Öffentlichkeit ruhiger geworden ist, das Geld für die Forschung fließt nun. Mit 27 Mio. DM unterstützt die Bundesregierung das nationale Forschungskonzept in Sachen „Transmissible spongiforme Enzophalopathien“ (TSE). Die EU beteiligt sich mit 25 Mio. Euro. Hinzu kommen die Forschungsgelder der Länder, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und anderer Einrichtungen. Allein Bayern stellt in den nächsten zwei Jahren 20 Mio. DM für Forschungsprojekte zur Verfügung. Jedes zweite kranke Rind kommt von dort. ELKE BODDERAS

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