Sender werden abgebaut 09.10.2014, 08:26 Uhr

Bluetooth-Sender in New Yorker Telefonzellen erfassen Smartphones der Passanten

Schöne neue Welt: In New York muss eine Werbeagentur 500 Bluetooth-Sender aus Telefonzellen entfernen, die Passanten mit Smartphone notieren. Kombiniert mit einer App können die kleinen Sender Werbung aufs Handy schicken.

Telefonzelle in New York mit Werbung der Agentur Titan: Die Agentur hat 500 Telefonstationen in Manhattan mit Bluetooth-Sendern ausgerüstet, die auch die Smartphones von Passanten erfassen.

Telefonzelle in New York mit Werbung der Agentur Titan: Die Agentur hat 500 Telefonstationen in Manhattan mit Bluetooth-Sendern ausgerüstet, die auch die Smartphones von Passanten erfassen.

Foto: Titan

Kein New Yorker ahnte wohl, dass 500 Telefonzellen in Manhattan, ausgestattet mit kleinen Bluetooth-Geräten, alle vorbei schlendernden Passanten darauf untersuchten, ob sie ein Smartphone mit eingeschalteter Bluetooth-Funktion mitführen. Das ist in den USA gar nicht so unüblich, weil alle Apple-Stores sowie Käufhäuser und Boutiquen, aber auch Museen und Flughäfen die Bluetooth-Technik nutzen, um die Kunden durchs Haus zu führen.

Über diese Technik werden Kunden auf Angebote hingewiesen, erhalten zusätzliche Produktinformationen und Sonderpreise. EasyJet testet eine solche App an verschiedenen Flughäfen, um die Passagiere schneller und einfacher an die Abflug-Gates heranzuführen. Notwendig ist dafür neben der Bluetooth-Verbindung eine korrespondierende App.

Titan will Werbung aufs Smartphone schicken

Offenbar hat das Werbeunternehmen Titan ausprobieren wollen, ob sich die Technik einsetzen lässt, um Werbung auch im öffentlichen Straßenraum an die Frau und den Mann zu bringen. Dazu nutzte sie den Auftrag der Stadt New York, die 500 von 13.000 Münzfernsprechern in der Stadt mit den kleinen Sendern, auf Neudeutsch Bluetooth-Beacons, auszurüsten. Sie sollen den Zustand und die Funktionsfähhigkeit der Telefonzellen überwachen. Doch diese Sender können auch Smartphones ansprechen, die über iOS ab Version 7 oder Android ab Version 4.3 verfügen.

Nachdem durch einen Bericht des Magazins BuzzFeed bekannt geworden ist, dass die Sender mehr können, als die Telefonzellen zu überwachen, schlugen die Datenschützer in New York Alarm. Jetzt muss die Firma die Bluetooth-Beacons wieder entfernen.

Umstritten ist die Möglichkeit zur Erstellung von Bewegungsprofilen

Allerdings wirft der Fall die Frage auf, ob nicht längst ein Geheimdienst diese Beacons in Telefonzellen oder anderswo installiert hat? Da eröffnen sich völlig neue Überwachungsmöglichkeiten. Die Datenschützer sehen die Gefahr, dass Bluetooth-Beacons zur Erstellung von Bewegungsprofilen genutzt werden.

Allerdings haben die Sender nur eine Reichweite von etwa 30 Metern. Das macht Bewegungsprofile innerhalb geschlossener Gebäude vergleichsweise einfach, außerhalb von Gebäuden ist die Reichweite damit nicht immer ausreichend.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit haben sich amerikanische Geheimdienste bereits eingehend mit den Überwachungsmöglichkeiten durch Bluetooth-Beacons beschäftigt. Dafür spricht, dass es entsprechende Versuche in Großbritannien schon gegeben hat. Über die Ergebnisse ist nur bekannt, dass sich eine solche Überwachung nicht in großem Stile flächendeckend nutzen lässt.

Die Agentur Titan, die Außenwerbung in großen US-Städen auf Telefonzellen, Bussen und Wänden verkauft, muss nun die Sender wieder abbauen, die die Smartphones von Passanten erfassen.

Die Agentur Titan, die Außenwerbung in großen US-Städen auf Telefonzellen, Bussen und Wänden verkauft, muss nun die Sender wieder abbauen, die die Smartphones von Passanten erfassen.

Quelle: Titan

Allerdings ist Überwachung an bestimmten Brennpunkten wie Fährhäfen, Bahnhöfen und Flughäfen sowie im Umkreis von sicherungsbedürftigen Gebäuden nicht nur möglich, sondern per Kameratechnik bereits im Einsatz.

Voraussetzung für die Erstellung von Bewegungsprofilen ist dabei, dass die Bluetooth-Beacons flächendeckend zumindest an stark frequentierten Strecken installiert sind. Die Frage der erforderlichen App ist kein besonderes Hindernis, da die einschlägige App-Funktion in andere Apps mit eingebaut werden kann.

 

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