Gesichtserkennung 10.04.2015, 06:55 Uhr

AVG-Brille schützt vor unerwünschter Identifizierung

Smartphones melden permanent den Aufenthaltsort des Besitzers an Firmen wie Facebook. Programme wie WhatsApp ziehen gleich das komplette Adressbuch aus dem Telefon ab. Und immer häufiger werten Programme Bilder aus, um die abgelichteten Gesichter zu identifizieren. Eine neue Brille soll den Träger vor unerwünschter Gesichtsspionage schützen.

Die Brille von AVG soll vor Gesichtserkennungssoftware schützen.

Die Brille von AVG soll vor Gesichtserkennungssoftware schützen.

Foto: AVG

Der öffentliche Raum ist inzwischen mit einer großen Anzahl von Überwachungskameras bestückt: Bahnsteige, Straßenkreuzungen, Hauseingänge, Geschäftsräume und Hotellobbys werden in der Regel videoüberwacht. Häufig sind solche Überwachungssysteme mit einer Software verbunden, die es ermöglicht, die Gesichter der aufgezeichneten Personen zu erkennen. Dafür greifen diese Systeme auf große Datenbanken mit hinterlegten Gesichtern zurück.

Dazu kommt der Trend zur  ungezügelten Nutzung der Smartphone-Kameras. Die damit aufgenommenen Bilder gelangen rasch ins Internet. Soziale Netzwerke wie etwa Facebook halten Technologien bereit, um jedes im Internet verfügbare Bild aufzuspüren und Personen zu identifizieren. Datenbrillen sind in der Lage permanent Videos von der Umgebung des Trägers aufzuzeichnen.

AVG hat Brillen-Prototyp gegen Gesichtsspionage vorgestellt

Das IT-Sicherheitsunternehmen AVG mit Sitz im niederländischen Amsterdam hat im Gegenzug den Prototypen einer Brille vorgestellt, die den Träger vor dieser hintergründigen Spionage schützen soll. Entwickelt hat die Brille die Forschungsabteilung AVG Innovation Labs. Die Brille nutzt verschiedene Technologien und Materialien, um die Gesichtserkennungsprogramme scheitern zu lassen.

Infrarot-Strahler lassen Augen verschwinden

Ein Trick: Am äußeren Rand der Brillengläser und um die Nasenpartie befinden sich winzige Infrarot-LED-Strahler. Diese sorgen dafür, dass die Augen als ein wichtiges Merkmal für die Gesichtserkennung für die Computerprogramme verschwinden. Da die LED’s im infraroten Spektrum leuchten, sind die Strahler für das menschliche Auge nicht sichtbar.

So sieht ein Selfie mit dem Smartphone aus, wenn man die AVG-Brille trägt, die der Software für die Gesichtserkennung Schwierigkeiten bereitet.

So sieht ein Selfie mit dem Smartphone aus, wenn man die AVG-Brille trägt, die der Software für die Gesichtserkennung Schwierigkeiten bereitet.

Foto: AVG

Die Gesichtserkennung von Facebook konnten die Tüftler von AVG mit diesen Infrarot-Strahlern blenden. AVG weist aber darauf hin, dass gerade viele Handykamera-Sensoren über Infrarot-Filter verfügen, die Wellenlängen jenseits des sichtbaren Spektrums abschneiden.

Retro-reflektive Beschichtung der Fassung

Der zweite Trick: Die Fassung der Brille ist mit einem Material beschichtet, welches das einfallende Licht nahezu vollständig wieder in die Richtung zurückreflektiert aus der es kam.

Die Fassung der AVG-Brille ist mit einem retro-reflektierenden Material beschichtet. 

Die Fassung der AVG-Brille ist mit einem retro-reflektierenden Material beschichtet. 

Foto: AVG

Solche retro-reflektierende Folien werden beispielsweise bei Fahrrädern gerne verwendet, um die Sichtbarkeit der Radler im Dunkeln zu erhöhen. Gerät ein mit solchen Folien bestücktes Rad in den Kegel eines Autoscheinwerfers, leuchten diese Folien extrem hell.

Dynamikbereich des Kamerasensors weit überschritten

Bei der AVG-Brille führt diese Beschichtung dazu, dass der Dynamikbereich des Kamerasensors weit überschritten wird und so ein Bild aufgezeichnet wird, welches für die Gesichtserkennungs-Software nicht genügend verwertbare Informationen enthält. Auch hier verschweigt AVG nicht die Beschränkung.

Zuverlässig funktioniert diese Blendung des Sensors nur dann, wenn das Bild mit einem Blitzlicht aufgezeichnet wurde. Denn nur in diesem Fall gelangt genug blendendes Licht auf den Sensor, um ihn blind für die Identität des Brillenträgers zu machen.

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