Patent ist angemeldet 22.07.2015, 14:14 Uhr

Apple will Smartphone-Werbung auf Kontostand des Besitzers abstimmen

Der US-Konzern Apple hat ein System zum Patent angemeldet, das digitale Werbeanzeigen nach dem Kontostand des Besitzers filtert. Ergebnis: Wer nur drei Euro Guthaben hat, kriegt keine Reklame für Diamantringe. Die Reaktionen reichen von heller Empörung, über mildes Lächeln bis hin zu zaghafter Zustimmung.

Apple-Smartphones der Generation 6: Werbung könnte sich zukünftig dem Kontostand des Besitzers anpassen – vorausgesetzt, er legt seine Finanzen freiwillig offen.

Apple-Smartphones der Generation 6: Werbung könnte sich zukünftig dem Kontostand des Besitzers anpassen – vorausgesetzt, er legt seine Finanzen freiwillig offen.

Foto: Christoph Schmidt/dpa

Was Apple bei der US-Behörde für Patente und Markenschutz beantragt hat, klingt amtlich so: „Methode und System zur gezielten Werbung für Waren und Dienstleistungen bei Nutzern mobiler Endgeräte“. Harmlos. Dann geht es weiter: „…beispielsweise auf Basis des Nutzerprofils“. Da wird es interessant. Denn das Nutzerprofil könnte nach den Vorstellungen des US-Konzerns auch Bankdaten wie den Kontostand oder den verfügbaren Rahmen auf der Kreditkarte enthalten.

Datenschützer und Medien waren nach Veröffentlichung dieses Antrags so schnell auf dem Baum wie selten. Als schlimmste Idee aus dem Hause Apple aller Zeiten wird das Vorhaben geächtet. Und das bei dem Unternehmen, das doch den Schutz der Kundendaten stets so laut beschwört wie kaum ein anderes unter den großen Spielern der Branche.

Technisch gesehen ist die Sache relativ einfach. Die finanziellen Daten werden stets aktuell an den Provider übermittelt, und dort sorgt das zum Patent angemeldete Programm dafür, dass Werbung entsprechend gefiltert wird.

Kunde kann Profil selbst anlegen

Die erste Aufregung um die Idee legt sich aber schon wieder. Denn eines ist klar: Die Offenlegung der Kontoinformationen kann nur freiwillig sein. Außerdem geht aus dem Text des Antrags eigentlich hervor, dass Apple sich als wahrscheinlichste Variante ein Finanzprofil seines Kunden vorstellt, das er eigens für diesen Zweck anlegt. Er öffnet also nicht den Zugang zu seinen Kontodaten, sondern sagt: So viel Geld habe ich. Datenschutzrechtlich wäre das wohl kaum ein Problem.

Apple-Store in München: Einige Datenschützer ächten die neue Werbe-Idee als schlimmste aller Zeiten aus dem Hause Apple.

Apple-Store in München: Einige Datenschützer ächten die neue Werbe-Idee als schlimmste aller Zeiten aus dem Hause Apple.

Foto: Peter Kneffel/dpa

Und die Sache hat ja sogar einen gewissen Charme. Denn wer beispielsweise ein Profil mit nur ein paar Euro angäbe, der bliebe von Werbung weitgehend verschont.

Patent zur Verhinderung eines Patents?

Wenn es denn überhaupt so kommt. Fachmedien vermuten, dass Apple das Patent nur angemeldet hat, um zu verhindern, dass jemand anderes es tut. Auf der anderen Seite ist ebendies ja die Gretchenfrage des Online-Marketings: Wie bringe ich Werbung so zielgenau wie nur möglich an den Kunden? Genau das ist eben der Zweck des Patents.

Sorgen um den Datenschutz muss sich jedenfalls wegen dieses Patents niemand machen. Apple würde damit ja auch seine eigene Strategie konterkarieren. Schließlich hat das Unternehmen erst im vergangenen Jahr mit Apple Pay ein eigenes mobiles Bezahlsystem eingeführt, das im Gegensatz zu einigen Konkurrenten eben keine Daten über gekaufte Produkte und Höhe der Kaufsummen speichert und weiterverwertet.

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