Hat Alexa mitgehört? 29.12.2016, 10:54 Uhr

Amazons Echo-Box soll einen Mord aufklären helfen

Hat Amazons Smart-Home-Assistent einen Mord mit angehört? Und kann das Gerät dazu „aussagen“ und den Täter überführen? Die Polizei in Arkansas hofft darauf, Amazon sperrt sich. Smarte Haushaltsgeräte als Spione – diese Vision ist wohl keine mehr.

Hat die neue Echo-Box von Amazon einen Mord mitgehört? Die Polizei verlangt von Amazon die Herausgabe von Daten, um einen Mord aufzuklären.

Hat die neue Echo-Box von Amazon einen Mord mitgehört? Die Polizei verlangt von Amazon die Herausgabe von Daten, um einen Mord aufzuklären.

Foto: Amazon

James B. muss ein smarter Typ sein. In seinem Haus in der US-Kleinstadt Bentonville hat er alles, was das Internet der Dinge heute so hergibt. Zum Beispiel einen intelligenten Wasserzähler, der nicht nur den Verbrauch misst, sondern auch genau registriert, wann welche Menge durchläuft. In einer ganz bestimmten Nacht des Jahres 2015, zwischen ein und drei Uhr, waren es 530 Liter. Mehr als genug für eine schöne große Wanne. So berichtet es das Online-Magazin „The Verge“. Und daran schließt sich die Mutmaßung an, dass James B. vielleicht so viel Wasser verbraucht haben könnte, um Spuren des Mordes an seinem Bekannten Victor C. zu beseitigen.

Eine Röhre mit Sprachassistent

Ein ziemlich schwaches Indiz. Klar ist nämlich sowieso, dass in der Nacht der Whirlpool im Haus benutzt wurde und neben dem erdrosselten Opfer und dem Eigentümer noch ein dritter Mann anwesend war. Diesen Dritten beschuldigt B. der Bluttat, aber seine Ehefrau gibt ihm ein Alibi. Weitere Zeugen? Fehlanzeige.

Die Echo-Box muss Sprachbefehle an Amazon-Server schicken, wo sie ausgewertet und in Befehle umgewandelt werden. Jetzt stellt sich die Frage: Werden diese Mitschnitte bei Amazon gespeichert?

Die Echo-Box muss Sprachbefehle an Amazon-Server schicken, wo sie ausgewertet und in Befehle umgewandelt werden. Jetzt stellt sich die Frage: Werden diese Mitschnitte bei Amazon gespeichert?

Foto: Amazon

Aber vielleicht kann ja „Echo“ aussagen. Das ist Amazons neuester kleiner Alltagshelfer, in Deutschland noch kaum bekannt, weil er erst seit Ende Oktober hier ausgeliefert wird und das auch nur in einer Beta-Version an ausgewählte Kunden. „Echo“ ist eine mit Mikrofonen, Lautsprechern und WLAN ausgestattete Röhre, die über einen Sprachassistenten verfügt.

Alexa, wie ist das Wetter heute?

Letzterer ist, wie ähnliche Handy-Programme auch, in der Lage, Fragen zu beantworten, indem er beispielsweise Wikipedia-Einträge vorliest. Der entscheidende Aspekt aber ist: „Echo“ taugt auch als Befehlsplattform für das Smart Home, wie es James B. offenbar sein eigen nennt. Spricht man die Amazon-Box mit dem Namen „Alexa“ an, springt das System an und kann dann Befehle ausführen wie das Schließen der Jalousien, das Anschalten eines Videos, das Abspielen von Musik, es ließt den Wetterbericht vor oder die neuesten Nachrichten. Das lässt sich im smarten Heim zwar per Fernbedienung oder Handy auch recht bequem machen, aber per Spracheingabe ist es halt noch komfortabler.

In der Küche kann man Echo als Radio benutzen und sich zugleich ein Rezept abrufen und vorlesen lassen.

In der Küche kann man Echo als Radio benutzen und sich zugleich ein Rezept abrufen und vorlesen lassen.

Foto: Amazon

In den USA jedenfalls ist „Echo“ ein Verkaufsschlager, der schon mehr als vier Millionen Mal bestellt worden sein soll. Unter anderem eben von James B. in Bentonville/Arkansas. Weil in dem Mordfall nun Aussage gegen Aussage steht und die Ermittler nicht weiterkommen, haben sie von Amazon alle Daten angefordert, die das Gerät aufgezeichnet haben mag und die weiteren Aufschluss über die Vorgänge in der Mordnacht geben könnten.  Das Unternehmen allerdings gab bisher nur ein paar Kundeninformationen heraus, aber keine Inhalte, die möglicherweise gespeichert wurden, weil zufällig das Codewort „Alexa“ fiel.

Skeptiker vermuten, dass Amazon einfach nicht preisgeben will, wieviel Information „Echo“ tatsächlich speichert und an Amazon-Server liefert. Ohnehin schürt die Geschichte die Angst, dass das smarte Heim eher dem „großen Bruder“ als dem Bewohner selbst dienen werde.

Aufzeichnung nach jeweils drei Sekunden gelöscht

Nach einem Test des Magazins Computerbild allerdings, das das Gerät frühzeitig in der deutschen Version erhielt, weil die Bild-Zeitung einer der Partner von Amazon für „Echo“ in Deutschland sein soll, sendet das Gerät erst dann Sprachdaten an Amazon-Server, wenn das Codewort gefallen ist. Um dieses überhaupt registrieren zu können, muss natürlich ein dauerndes Mithören stattfinden.

Echo, Amazons neuester Alltagshelfer, ist in Deutschland kaum bekannt. Erst seit Ende Oktober wird das Gerät ausgeliefert, allerdings nur in einer Beta-Version an ausgewählte Kunden. Das Gerät kann Sprachbefehle ausführen und zum Beispiel den Wetterbericht vorlesen oder Wunschmusik abspielen.

Echo, Amazons neuester Alltagshelfer, ist in Deutschland kaum bekannt. Erst seit Ende Oktober wird das Gerät ausgeliefert, allerdings nur in einer Beta-Version an ausgewählte Kunden. Das Gerät kann Sprachbefehle ausführen und zum Beispiel den Wetterbericht vorlesen oder Wunschmusik abspielen.

Foto: Amazon

Das aber geschehe nur für jeweils drei Sekunden, fanden die Tester heraus: Wenn dann nicht das Codewort gefallen ist, wird die Aufzeichnung gelöscht. Außerdem lasse sich per Knopfdruck die Stromzufuhr der Mikrofone abschalten, und dann höre „Echo“ gar nichts mehr. Selbst wenn Billy Joel „Downeaster Alexa“ singt.

Ob die Polizei in Bentonville irgendwann alle Daten bekommt, ist derzeit noch fraglich. Amazon will dafür „eine gültige rechtliche Forderung“ – ob dem Unternehmen ein Gerichtsbeschluss ausreichen würde? Man weiß es nicht.

Von Werner Grosch

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