ANGRIFF ÜBER SIMPLE MMS 29.07.2015, 11:59 Uhr

1 Mrd. Android-Handys sind leicht zu hacken

95 % aller Android-Handys sollen von der Schwachstelle betroffen sein, über die Hacker Zugriff auf viele Daten des Nutzers bekommen können. Dazu muss nur eine Bild-Nachricht verschickt werden. Der Hersteller hat die Lücke schon geschlossen, aber bis alle Smartphones gesichert sind, dürfte es dauern.

Samsung-Smartphone mit Android-Betriebssystem: Jetzt ist bekannt geworden, dass praktisch alle Android-Handys eine eklatante Sicherheitslücke haben und gehackt werden können.

Samsung-Smartphone mit Android-Betriebssystem: Jetzt ist bekannt geworden, dass praktisch alle Android-Handys eine eklatante Sicherheitslücke haben und gehackt werden können.

Foto: Facundo Arrizabalaga/dpa

Fast eine Milliarde Handys weltweit dürften betroffen sein, wenn die Warnung der Datensicherheitsfirma Zimperium stimmt – und davon kann man ausgehen, denn Hersteller Google hätte sofort dementiert, wenn dem nicht so wäre. Laut Zimperium gibt es im Betriebssystem Android die „Mutter aller Schwachstellen“, enthalten in der Multimedia-Schnittstelle „Stagefright“ (Lampenfieber). Durch sie könnten Handys ganz einfach über eine MMS verseucht werden. Betroffen sind demnach fast alle Android-Versionen von 2.2 bis 5.1.

Angreifer könnten so Zugriff unter anderem auf Video- und Bilddateien des Nutzers erhalten. Alles, was sie dazu brauchten, sei die Telefonnummer. Der besondere Clou: Der Empfänger muss die Nachricht nicht einmal öffnen. Jedenfalls dann nicht, wenn er die App namens „Hangouts“ nutzt. Sie ist dazu da, zugesandte Videos direkt herunterzuladen, damit der Empfänger nach dem Öffnen der Nachricht nicht lange warten muss.

Und genau dabei wird der schädliche Code schon auf dem Handy installiert. Die verseuchte Nachricht wird dann sogar gleich gelöscht, so dass die Quelle nicht mehr erkennbar ist.

Bisher keine systematische Attacke bekannt

Für potenzielle Angreifer klingt das ideal. Dennoch schreibt Zimperium selbst, dass es noch keine systematischen Attacken auf diesem Weg gegeben habe. Warum das? Möglicherweise sind die Daten, die so abgezapft werden können, für Kriminelle jedenfalls nicht so interessant wie etwa Kontoinformationen.

Maskottchen des Google-Betriebssystems Android, ein grünes Roboter-Männchen, vor dem Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View: Das Betriebssystem für Smartphones lässt sich durch eine einfache MMS hacken.

Maskottchen des Google-Betriebssystems Android, ein grünes Roboter-Männchen, vor dem Eingang des amerikanischen Internet-Konzerns Google in Mountain View: Das Betriebssystem für Smartphones lässt sich durch eine einfache MMS hacken.

Foto: Christof Kerkmann/dpa

Google selbst hat den Bericht bisher nicht kommentiert, nach Angaben der Sicherheitsfirma aber bereits eine Version bereitgestellt, in der die Sicherheitslücke geschlossen ist. Die Frage ist nur, wann Handy-Hersteller wie LG, HTC oder Samsung diesen Patch an ihre Kunden weitergeben. Das kann dauern, weil er auf die Betriebssysteme jedes einzelnen Herstellers angepasst werden muss – Android ist dafür nur eine Art Basis.

Einfache Maßnahmen zur Sicherheit gegen Hackerangriffe

Wer sichergehen will, kann in der Zwischenzeit zweierlei tun: Erstens und auf jeden Fall sollten Hangouts-Nutzer die App deinstallieren. Zum anderen kann man in den Einstellungen den automatischen Empfang von MMS deaktivieren. So lässt sich kontrollieren, dass nur Bilddateien etwa von bekannten Absendern überhaupt geöffnet werden. Nutzer neuerer Android-Versionen ab 4.1 sollen etwas besser geschützt sein als die Besitzer älterer Systeme – möglich ist der Angriff aber wohl immer.

Erst vor kurzem hatte das Android-System Schlagzeilen gemacht. Cambridge-Forscher hatten herausgefunden, dass trotz Reset-Funktion persönliche Daten auf gebrauchten Smartphone einfach wiederhergestellt werden können. 

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