Plagiate im Maschinenbau 06.05.2020, 12:31 Uhr

VDMA-Studie: Schäden durch Produktpiraterie werden immer gigantischer

Fälschungen sorgen für Milliardenschäden im Maschinenbau – und die negativen Auswirkungen werden immer größer. Erstaunlich: Immer weniger Unternehmen klagen gegen die Produktpiraten.

Maschinenbauingenieur in Fabrik

Die Schäden durch Produkpiraterie werden im Maschinenbau immer größer.

Foto: panthermedia.net/michaeljung

Die wirtschaftlichen Schäden durch Produkt- und Markenpiraterie im Maschinenbau werden immer größer. Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Produktpiraterie 2020“ des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau  (VDMA).

Demnach ist der jährliche Schaden inzwischen auf 7,6 Milliarden Euro gewachsen. 2018 waren es noch 7,3 Milliarden Euro. Ein Vergleich zeigt die ungeheure Dimension dieser Entwicklung: Umsätze in dieser Höhe würden im Maschinenbau umgerechnet knapp 35.000 Arbeitsplätze bedeuten.

„Erschreckend dabei ist, dass 57 Prozent der Unternehmen von Fälschungen berichten, die eine Gefahr für die Anlage darstellen. Das zeigt, dass es sich bei Plagiaten nicht um Kavaliersdelikte handelt, denn der Betrieb von gefälschten Maschinen oder Anlagen mit gefälschten Komponenten kann eine echte Gefahr für den Bediener bedeuten“, sagt Steffen Zimmermann, Leiter des VDMA-Bereichs Competence Center Industrial Security.

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Der Verband befragt für seine Studie alle zwei Jahre seine Mitgliedsfirmen zu den Bedrohungen und Auswirkungen von Fälschungen. Die aktuellen Studie wurde vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC im Auftrag des VDMA erstellt. Demnach gaben 74 % der befragten Unternehmen an, von Produktpiraterie betroffen zu sein.

Maschinenbau: Neue Höchstwerte bei Plagiaten

Bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern waren es sogar 90 %. Das seien neue Höchstwerte, teilt der Verband mit. „Eine Trendwende ist auch in der gefühlten Bedrohung durch Fälscher zu erkennen. War dieser Wert zuletzt auf 39 % gesunken, so sprachen nunmehr 52 % der Befragten von einer Zunahme des wahrgenommenen Bedrohungsniveaus“, so Zimmermann.

Vor allem betroffen ist der Handel mit gefälschten Maschinen und Komponenten in China. Die Volksrepublik wird in der Studie als wichtigstes Vertriebsland für Plagiate genannt (61 %) – gefolgt von Deutschland mit 19 %. Auf dem dritten Platz rangiert erstmals Russland mit 12 %.

Produktpiraten kopieren ganze Maschinen

Auftraggeber für Plagiate sind nach Ansicht der meisten befragten Unternehmen die Wettbewerber (72 %). 41 % sehen Geschäftspartner wie Kunden, Zulieferer oder Joint-Venture-Partner als Ausgangspunkt von Fälschungen. Besonders oft werden einzelne Teile gefälscht (64 %), dicht gefolgt von Designplagiaten (60 %). Aber die Produktpiraten kopieren auch komplette Maschinen (40 %).

Erstaunlich: Rund die Hälfte der Befragten verzichtet komplett auf Maßnahmen, um gegen die Plagiateure vorzugehen. „Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen scheinen zunehmend zu resignieren oder den Aufwand für die Rechtsverfolgung zu scheuen“, sagt Zimmermann. Nur 26 % der befragten Firmen leiten demnach überhaupt ein zivilgerichtliches Verfahren ein: 2018 waren es noch 39 %.

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Von Peter Sieben

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